Bierspieler – Shut Down

22. Mai 2010 von Marcus Pohlmann

Bierspieler - Shut Down

Musiker:

Label:

Genre: ,

Laufzeit: 43 Minuten

Tracklist:
01 – Tooth
02 – Death Or Glory
03 – Make It While You Can
04 – Shut Down
05 – I’m Affected
06 – Down On You
07 – Do Something
08 – Evil Mind
09 – Give It All
10 – Hod Rod Girl
11 – Rest In Peace
12 – I Want You To Know
13 – New Solution
14 – I Think It’s Over

Erscheinungsdatum: 01.05.2010

Sprache: Deutsch

Beim Bandnamen Bierspieler denkt man unwillkürlich an deutschen 80er Jahre Fun-Punk in zumeist eher mäßiger Qualität. Tatsächlich geht die Bandgeschichte bis in diese finstere Epoche der Musikgeschichte zurück. Ein Blick ins Booklet verrät dann aber, dass Bierspieler anno 2010 aus fünf älteren Herren mit adretten Frisuren bestehen, die in schöner Regelmäßigkeit verschiedene Bühnen in und um Hamburg heimsuchen und mit Shut Down ein neues Album vorlegen.

Nicht unbedingt typisch für das Album einer Punk-Band leitet ein Akkordeon den ersten Track „Tooth“, ein bevor Gitarre und Schlagzeug übernehmen und das Stück nach vorne treiben und eine kleine Geschichte über den Verlust der titelgebenden Zähne erzählen. Eher schnörkellos kommt dagegen „Death Or Glory“ daher. Schnell und kompromisslos gespielt hätte dieser Song auch schon vor 20 oder 25 Jahren erscheinen können. „Make It While You Can“ präsentiert sich als Aufruf, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen und nicht alles auf die lange Bank zu schieben. Während vor allem Schlagzeug und Gitarre den Song vorantreiben setzt sich der Refrain im Gehörgang fest und man summt fast schon zwangsläufig mit. Der Titeltrack „Shut Down“ geht direkt und schwungvoll vorwärts, auch hier sind wieder der Refrain und das Zusammenspiel zwischen Schlagzeug und Gitarre prägend für das Lied, die Unterstützung durch Bass und Keyboard hält sich merklich im Hintergrund. Schon fast langsam und besinnlich geht es bei „I’m Affected“, dem längsten Stück des Albums, zu. Mit trägem Schlagzeug und sägender Gitarre erzählt die Band hier eine kleine, aber eindringliche Lovestory bevor die Band bei „Down On You“ die Geschwindigkeit wieder ein wenig anzieht. Bemerkenswert ist hier vor allem der Gesang, der stellenweise an den seligen Elvis erinnert und dem Stück eine besondere Note verleiht. Mit „Do Something“ hat sich sogar eine frische Ska-Nummer auf das Album verirrt, komplett mit Bläsern und dem typischen Rhythmus. Für mich das beste und eingängigste Stück auf der CD. Mitreißend, schwungvoll und gut gespielt hätte man so etwas nicht unbedingt von einer Punkt-Band erwartet. Diese Klischees erfüllt „Evil Mind“ viel besser. Hauptsächlich vom Schlagzeug getragen hat man den Eindruck, dass sich Gesang und die restlichen Instrumente immer weiter hochschaukeln. In knapp unter zwei Minuten wird schließlich ein Loblied auf ein „Hot Rod Girl“ gesungen. Schnell, direkt und schnörkellos fasst dieses Lied eigentlich alles zusammen, was einen guten Punk-Rock-Song ausmacht. Schon fast melancholisch und besinnlich geht es dagegen bei „Rest In Peace“ zu. Mit zweitem Sänger und einem sehr eingängigen Refrain setzt dieses Stück einen Fixpunkt im Album, auch das Akkordeon hat hier wieder seinen Auftritt. Überraschend, dass sich solch ein Track auf der CD findet, unterstreicht aber die Vielseitigkeit der Band. Danach geht es allerdings bei „I Want You To Know“ wieder in gewohntem Tempo, unter Zuhilfenahme einiger Blasinstrumente und mit einigen Ska-Anleihen weiter. Sehr treffend wurde der Schlusstrack mit „I Think It’s Over“ betitelt. Für mich der schwächste Song eines ansonsten sehr gelungenen Albums. Weder textlich noch musikalisch kann er mit seinen Vorgängern mithalten und bildet so leider keinen sonderlich gelungenen Abschluss.

Abwechslungsreich, witzig und direkt, so lässt sich Shut Down wahrscheinlich am Besten zusammenfassen. So wie es sich für eine Punkband gehört überschreiten die meisten Stücke auf dieser CD die 3-Minuten-Marke nicht. Jedes der Lieder funktioniert für sich alleine genommen sehr gut und auch das komplette Album lässt sich gut hören. Die eigenwillige Stimme des Sängers mag vielleicht nicht jedermanns Sache sein, gibt den Stücken aber einen hohen Wiedererkennungswert und hebt sie von anderen Bands ab. Auch die Ergänzung einiger Lieder durch Akkordeon und Bläsersektion werten diese auf Die CD und das dazugehörige Booklet sind professionell aufgemacht und produziert, sogar an die Songtexte wurde gedacht, was mittlerweile ja nicht mehr selbstverständlich ist.

Bierspieler erfinden den Punk zwar nicht neu, haben aber mit Shut Down ein Album eingespielt das Spaß macht und direkt nach vorne geht.

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