amor & OPHELIA – Intimpiercing

26. Mai 2010 von Marcus Pohlmann

amor & OPHELIA - Intimpiercing

Musiker:

Label:

Genre:

Laufzeit: 39 Minuten

Tracklist:
01 – Schimmelreiter
02 – Badewassersong
03 – Kontrollverlust
04 – Neonwarten
05 – Nymphoman
06 – Intimpiercing
07 – Spielautomat
08 – Nachtgedanken
09 – Outro

Videos
01 – Kontrollverlust
02 – Nachtgedanken
03 – Nymphoman

Erscheinungsdatum: 01.04.2010

Sprache: Deutsch

Ich bin mir nicht ganz sicher, was ich vom Debut-Album Intimpiercing von amor & OPHELIA erwarten soll. Nach einem Blick in das beiliegende Booklet und die Tracklist bin ich auch nicht wirklich schlauer. Ist das jetzt eine musikalische Antwort auf „Feuchtgebiete“, die Chansons einer frustrierten Hausfrau oder doch etwas völlig anderes? Schließlich gibt es nur einen Weg herauszufinden was für eine Art von Musik auf aufmerksame Ohren wartet.

Erste Antworten erhält man bei „Schimmelreiter“, treibendes Schlagzeug, verzerrte Gitarren und ein wummernder Bass bilden das Fundament für die Stimme der Sängerin Anke Orschinack, die hier von ihrem Traumprinzen erzählt. Der „Badewassersong“ erinnert, zumindest was den Gesang angeht, an den Chanson der 50er und 60er. Während der Großteil des Liedes von Bass und Perkussion bestimmt wird, gibt es immer wieder recht harte Gitarrenriffs, die einen ungewohnten aber nicht unpassenden Kontrast bilden. Der Inhalt des Liedes zählt die Dinge auf, die ein Verehrer alles leisten muss, um die Gunst der Sängerin zu gewinnen. Recht schräg startet „Kontrollverlust“, der zusätzlich als Video auf der CD vorhanden ist. Der Titel ist hier Programm und sowohl Lied als auch Video setzen das gekonnt um. Ist der Anfang von „Neonwarten“ noch sehr verhalten, so legt das Stück im weiteren Verlauf deutlich an Schwung zu. Bestimmt von Schlagzeug und Gitarre wird hier die kleine Geschichte einer Beziehung und deren Komplikationen erzählt. Betont funky tönt „Nymphoman“ aus den Boxen, immer wieder unterbrochen durch rockigere Passagen und einen Männerchor. Der Titel des Songs fasst den Inhalt eigentlich recht gut zusammen und fügt sich insoweit harmonisch in den Rest des Albums ein. Im dazugehörigen Video stellt die Sängerin in einer frisch renovierten Altbauwohnung die Objekte ihrer Begierde vor. Für mich einer der gelungensten Titel des Albums, mitreißend, witzig und mit einem Augenzwinkern vorgetragen. Der Titeltrack „Intimpiercing“ setzt sich eher kritisch mit den Herren der „Generation Mama“ auseinander und erzählt von den Schwierigkeiten bei Beziehungen mit den vorgenannten. Auch hier wird die Musik durch den Wechsel von ruhigen und schnellen Passagen gekennzeichnet, besonders der Refrain hat das Zeug sich im Gehörgang festzusetzen. „Spielautomat“ singt das hohe Lied auf den One-Night-Stand, nach dem bisher schon bekannten Schema. Das längste, und zugleich langsamste, Stück des Albums, „Nachtgedanken“, beschäftigt sich in erster Linie mit der Frage, was der Partner in seinen einsamen Nächten macht. Klavier und Schlagzeug ergänzen sich hier gekonnt, nur spärlich unterstützt von Gitarre und Bass. Das Video zeigt die Sängerin dann im Rotkäppchen-Outfit im finsteren Wald beim Pilze sammeln oder wahlweise auf dem Fahrrad über Landstraßen radeln. Das „Outro“ präsentiert sich schließlich als reines Instrumentalstück und lässt das Album mit einigen wütenden Schlagzeugklängen und harten Gitarrenriffs ausklingen.

Die Produktion macht einen ausgesprochen professionellen Eindruck für ein Debüt. Grade bei den drei Videos fällt das sehr positiv auf, aber auch die restliche Aufmachung kann überzeugen. Das Booklet ist ansprechend gestaltet und kann neben einigen sehr schicken Fotos auch mit den Texten der Lieder aufwarten. Diese drehen sich das ganze Album über um Beziehungen, Sex und Emanzipation, nicht unbedingt in dieser Reihenfolge. Funktionieren die Stücke einzeln noch recht gut, so wird dies beim Hören der kompletten CD recht schnell langweilig und wirkt stellenweise zu sehr um Provokation bemüht. Ein wenig mehr inhaltliche Vielfalt hätte dem Album sicherlich sehr gut getan, das Potential dazu ist sicherlich vorhanden. Zusammen mit der sehr kurz geratenen Laufzeit könnte sich der Eindruck aufdrängen, dass amor & OPHELIA einfach nicht mehr zu sagen hätten oder für mehr die Ideen nicht gereicht haben. Eine musikalische Einordnung fällt schwer, da sich in den verschiedenen Liedern Elemente zahlreicher Stile wieder finden, ein Vergleich mit den frühen Wir sind Helden trifft es vielleicht am ehesten. Fast alle Stücke sind nach dem gleichen Schema aufgebaut, variieren aber glücklicherweise in Tempo und Härtegrad ausreichend um keine Langeweile aufkommen zu lassen.

Das Potential ist auf dem Album durchaus erkennbar, wird aber leider nicht annährend ausgeschöpft.

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