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Seit einigen Jahren ist der Fantasy eine interessante Entwicklung zu betrachten. Waren in den 1990er Jahren noch Grauschattierungen aller Art in Mode und die Helden oft genug auch nicht besser als ihre Widersacher, so ist seit einiger Zeit ein Trend in die andere Richtung zu beobachten. Man kehrt zurück zu den einfachen Schwarz-Weiß-Schemata und klaren, abgegrenzten Feindbildern. Und diese vereinfachte Sichtweise von archaischen Welten wird angenommen. Warum - darüber kann man nur spekulieren. Vielleicht ist der Siegeszug der Computerrollenspiele, in denen einfache Strukturen unabdingbar sind, eine Ursache für diese Entwicklung.
Auch junge deutsche Autoren folgen diesem Trend. So wie Stephan R. Bellem mit „Tharador“, dem ersten Band seines Zyklus „Die Chroniken des Paladins“. Einst besiegte der Held Throndimar den finsteren Magier Karandras. Seine Gefährten, ein Magier und ein Zwergenkönig, sorgten dafür, dass die Macht und das Wissen des Feindes eingeschlossen wurden. Doch das Böse konnten sie nicht von der Welt vertreiben. Es verbarg sich und gedieh im Verborgenen, erstarkte wieder und fand einen neuen Diener, manipulierte im Geiste schwache Wesen und formte sie nach seinem Willen. Dreihundert Jahre später müssen die Menschen sich immer noch gegen Orks und Goblins erwehren, die die Welt mit Krieg überziehen und die Menschen zu unterwerfen versuchen. Immer wieder stürmen sie gegen die befestigten Städte an und können schließlich die mächtigste von ihnen erobern. Die Sterblichen ahnen jedoch nicht, dass hinter den Kulissen längst ein anderer die Fäden zieht. Lange genug hat der Magier Tarvin Xandor darauf gewartet, seine Macht in vollen Zügen auszukosten und in die Fußstapfen von Karandras zu treten, ohne jedoch dessen Fehler zu wiederholen. Mit finsterster Magie macht er sich den mächtigen Krieger Dergeron Karolus untertan, um ihn zu seinem gehorsamen Handlanger zu machen und experimentiert mit Menschenleben, um sich eine unbesiegbare Armee zu erschaffen. Nur einer ahnt, was hinter den Kulissen vor sich geht. Der alte Magier Gordan weiß, dass er zu schwach ist, um seinen ehemaligen Schüler Xandor zu besiegen. Doch er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Zusammen mit dem Elfenkrieger Faeron Tel’imar und dem Zwergenprinzen Khalldeg zieht er sich mit dem jungen Abenteurer Tharandor einen Kämpen für das Licht heran. Denn der junge Mann, der seit einiger Zeit von heftigen Albträumen gequält wird, ist kein anderer als Throndimars Sohn und offensichtlich dazu auserkoren, der neue Paladin des Lichts zu werden...
Eines kann man dem Roman nicht nachsagen - dass er langweilig sei. Der Leser bekommt Action satt. Immer wieder stürzt Stephan R. Bellem seinen Helden und die Gefährten in heftige Zweikämpfe und jagt sie durch einen wahren Parcours von Gefahren, während sich das Unheil über ihnen verdichtet. Kämpfe und Schlachten sind gut beschrieben und auch sonst beweist der Autor einen flüssigen Stil ohne Ecken und Kanten. Und am Ende führt er die Handlungsstränge sehr befriedigend zusammen. Man kann sich gut unterhalten lassen, wenn man keinen Tiefgang oder überraschende Wendungen in der Handlung und schon gar nicht differenziert geschilderte Helden erwartet. Den Tharandor und seine Freunde entsprechen hundertprozentig den klassischen Archetypen: Krieger, Elf, Zwerg und Magier, wie man sie aus früheren Tolkien-Epigonen kennt, mit genau den Eigenschaften und dem Hintergrund den man von ihnen erwartet. Die einzige Frau des Buches ist natürlich Straßenkind, Hure und Diebin und entspricht damit einem weiteren Klischee, das die Fantasy eigentlich schon längst hinter sich gelassen haben sollte. Durch die starke Vereinfachung der Figuren wirken die inneren Konflikte im Gegensatz zu den äußeren mit Orks oder Goblins ziemlich aufgesetzt und unglaubwürdig. Ähnlich sieht es mit der Motivation der dunklen Seite aus. Auch hier macht es sich der Autor recht einfach und folgt den üblichen Traditionen des von dem Bösen verführten Magiers mit dem schwachen Willen und dem Handlanger, der sich nach der Deformierung seines Geistes in seiner Rolle gefällt.
„Tharador“ hat sicherlich seine Qualitäten als leichte Lektüre für Bahnfahrten, am Strand oder wenn man sich auf ohnehin nicht mehr als eine oberflächliche und sehr geradlinige Handlung konzentrieren kann. Mehr allerdings nicht.
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Serie:
Die Chroniken des Paladins
Autor:
Bellem, Stephan R.
Verlag:
Otherworld
Erschienen:
01.08.2007
Kritiker:
Arielen
ISBN oderProduktID:
9783950218565
Seiten:
354
Preis:
9,95 €
Typ:
Taschenbuch
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