Mitmachen!

Wir haben neue Positionen zu besetzen. Derzeit suchen wir Redakteure für:
Musik
Kino
Englischsprachige Fachliteratur
und Lektoren


Social Networking

roterdorn ist auch bei:

Twittertwitter
Facebookfacebook

Das Land des Yann (Kritik)


Rezension von Cronn

Autor: Dunsany, Lord; Borges, Jorge Luis


Aus der Reihe "Die Bibliothek von Babel"

Phantastische Literatur in Zeiten der Herr-der-Ringe Filme und Harry-Potter-Verfilmungen erscheint in den Augen des Durchschnittskonsumenten nahezu ausschließlich auf die fantastisch märchenhafte Seite des Genres festgelegt zu sein. Dass auch die dunkle Seite sich im Subgenre Fantasy manifestieren kann, wird allzu gerne von vielen Rezipienten verdrängt.
Auch die eben genannten Umsetzungen machen da keine Ausnahme. Von einigen Kritikern wurde sogar bemängelt, dass gerade die dunklen Seiten der menschlichen Existenz, die Triebe und Instinkthandlungen, das Böse, nun im neuen Harry-Potter-Film visualisiert würden. Dabei ist doch gerade die Phantastik sehr gut dazu geeignet, einen spielerisch-kreativen Rahmen der existentiellen Auseinandersetzung mit Grundfragen des Mensch-Seins zu eröffnen. Der Autor Lord Dunsany hat dies erkannt und beide Seiten der Phantastik in sein Werk verwoben.
Mit „Das Land des Yann“ erscheint eine bemerkenswerte Sammlung seiner Geschichten im Rahmen der „Bibliothek von Babel“, eine Reihe, die von dem argentinischen Schriftsteller Jorge Luis Borges ediert und zu Beginn der achtziger Jahre im Weitbrecht Verlag herausgegeben wurde. Nun erscheint die Reihe bereits seit einiger Zeit erneut, diesmal in der Edition Büchergilde.

Inhalt:
Lord Dunsany war ein Autor, der seiner eigenen Zeit entfremdet lebte. Dementsprechend lesen sich seine Geschichten wie wiedergefundene Perlen aus einer Zeit, die noch weit über die eigentliche Lebensspanne des Schriftstellers Lord Dunsany hinaus zurückreicht.
Mit der Einleitung von Borges wird der Leser mit dem Autoren Dunsany und dessen Lebens- und Ideenwelt vertraut gemacht. Wie immer gelingt dies Jorge Luis Borges mit Leichtigkeit.
Anschließend erweckt der kurze Text „Am Rande der Gezeiten“ Assoziationen an expressionistische Werke zu Beginn des 20ten Jahrhunderts. Beschrieben wird ein Mord an einem namenlosen „Ich“, dessen sterbliche Überreste daraufhin ruhelos von einer Grabesstätte zur nächsten hin- und her überführt werden. Die altertümliche und geniale Schreibe evoziert eine Atmosphäre der Bedrückung und des Grauens, wie sie nur bei den interessantesten Vertretern der phantastischen Literatur erreicht wird. Die Geschichte „Am Rand der Gezeiten“ stellt eine Wiederentdeckung und Kleinod der Phantastik dar.
„Das Land des Yann“ ist eine Phantasmagorie, welche die Weltenbeschreibungen eines J.R.R. Tolkien oder Robert Howard auf eigene Weise vorwegnimmt. Lord Dunsany beschreibt hier eine Traumgesichte-Fahrt im Lande Yann, das bevölkert ist von den merkwürdigsten Lebewesen, Menschenvölkern und bizarre Naturschauspiele bietet. Währt die Begeisterung ob der eloquenten Beschreibung noch anfangs an, so verliert sich diese im Laufe der Geschichte leider recht stark. Ein zeitgenössischer Leser ist befangen ob des träge dahinfließenden Handlungsflusses. Erwartungen auf spannende Ereignisse werden geweckt, aber nicht eingehalten.
In „Schwert und Idol“ beschreibt Lord Dunsany seine Version des Zusammenhangs von Entwicklung der Schwertschmiedekunst mit der Naturreligion des Steinzeitmenschen. Eine recht eigenwillige Interpretation, aber nicht ohne ihren sprachlichen und inhaltlichen Reiz.
„Carcassonne“ wurde durch eine knappe Zeile inspiriert, die Lord Dunsany zugänglich gemacht wurde und entführt wiederum in eine zeit- und nahezu bezugslose Fantasywelt, angesiedelt im technologischen Stand des frühen Mittelalters. Aufgrund eines Seherspruchs, dass niemand die Stadt Carcassonne erreichen würde, macht sich eine wilde Schar von Kriegern auf, die Metropole zu suchen. Lange Jahre ziehen sie durch das Land und kommen doch der Stadt Carcassonne nur wenig näher. Die parabelhafte Erzählung ist getragen von einer melancholischen Grundstimmung, die von einer altertümlichen Wortwahl hervorgerufen wird.
Als letzte Geschichte des Bandes präsentiert uns Lord Dunsany etwas Eigenwilliges – ein kurzes Drama.

Fazit:
„Das Land des Yann“ von Lord Dunsany ist ein Werk, das sehr gut in die „Bibliothek von Babel“ passt. Die Sprache ist altertümlich, was ihren Reiz ausmacht, die Sujets erinnern an die Klassiker der phantastischen Literatur, namentlich Edgar Allan Poe, Nathaniel Hawthorne und E.T.A. Hoffmann.
Lord Dunsany ist eine Ausnahmeerscheinung in der Phantastik, dem ein Platz in der „Bibliothek von Babel“ und im Bücherregal eines jeden Freunds anspruchsvoller phantastischer Literatur gebührt.


Wertung:

Gesamt:

Anspruch:

Spannung:

Links:

Bestellen bei: AMAZON

Navigation
Zurück
Druckerversion

Infos:

Serie:

Die Bibliothek von Babel

Autor:

Dunsany, Lord

Co-Autor:

Borges, Jorge Luis

Verlag:

Edition Büchergilde

Erschienen:

01.07.2007

Kritiker:

Cronn

ISBN oder
ProduktID:

9783940111081

Seiten:

133

Preis:

17,90 €

Typ:

Hardcover