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Deskriptive Linguistik (Kritik)


Rezension von Jens Fleischhauer

Autor: Dürr, Michael; Schlobinski, Peter


Aus der Reihe "Studienbücher zur Linguistik"

Sprachen setzen sich aus unterschiedlichen Komponenten zusammen, es gibt Laute die kombiniert werden zu Silben und schließlich Worten und es gibt Bedeutungen. Morpheme stellen bedeutungstragende Einheiten dar, die zu komplexeren Gebilden kombiniert werden können, wie dies etwa bei der Flektion eines Verbs geschieht. Schließlich gibt es die Syntax, in der einzelne Worte zu komplexen Konstruktionen kombiniert werden, wie zum Beispiel Sätzen.
Phonetik und Phonologie befassen sich damit, welche Laute Sprachen besitzen, wie diese Laute beschrieben werden können und welche Interaktionen zwischen Lauten bestehen. In der Morphologie wird sich mit der Konstruktion bedeutungstragender Einheiten befasst, etwa der Komposition, bei der zum Beispiel zwei Nomen zu einem neuen Nomen kombiniert werden. Ein Beispiel dafür wäre: Schiff und Fahrt zu Schifffahrt, aber auch die grammatikalischen Markierungen der einzelnen Wortarten gehören hierzu. Die Syntax, die Kombination selbstständiger Einheiten zu komplexeren Gebilden, wurde schon genannt. Daneben gibt es aber auch die Semantik und Pragmatik. Die Semantik befasst sich mit der sprachlichen Bedeutung, während die Pragmatik sich vor allem damit beschäftigt, wie nicht explizite Bedeutung entsteht oder wie Gespräche aufgebaut sind.
Diese sechs Bereiche stellen Teilbereiche der Linguistik dar und sollten Linguisten, in den Grundzügen bekannt sein. Das vorliegende Buch führt in diese Grundlagen ein und hat vor allem das Ziel linguistische Phänomene in ihrer Breite vorzustellen. Theorieneutral werden verschiedene Phänomene, wie zum Beispiel Ergativität oder Subordination, dargelegt und an Hand von Beispielanalysen wird aufgezeigt, wie diese Phänomene in unterschiedlichen Sprachen realisiert sind. Besonders die zahlreichen Beispielaufgaben sorgen dafür, dass dies kein trockenes Theoriebuch ist. An Hand verschiedenster Sprachen kann man so das Gelesene hervorragend üben und die linguistischen Grundbegriffe erlernen. Beispielsweise gibt eine Übungsaufgabe bei der man aus einigen Beispielsätzen die Bildung des Konditionalsatzes im Hopi ableiten soll. Weitere Aufgaben befassen sich mit anderen systematischen Phänomenen und verschiedenen Sprachen. Solche Aufgaben bringen nicht nur einen ersten Kontakt zu unterschiedlichen Sprachen, sondern bieten ein kleines Training für linguistische Analysen, also genau dessen, was man als Linguist machen muss.
Didaktisch ist das Buch hervorragend aufgebaut und auf die Verwendung in universitären Seminaren ausgelegt. Sprachlich ist es verständlich und gut lesbar gehalten, sodass man auch ohne Vorkenntnisse der Linguistik und vor allem ohne große Übung in der Lektüre wissenschaftlicher Texte, dieses Buch problemlos lesen kann.
Zur Auflage von 1990, die damals noch „Einführung in die deskriptive Linguistik“ hieß, kann man einige positive Veränderungen feststellen. Aber auch eine negative Neuerung. Fangen wir mit der negativen Veränderung an: Das Buch hat nun ein größeres Format und nimmt daher mehr Platz ein, was vor allem dann ärgerlich ist, wenn man es als Student mit in die Uni nehmen möchte. Aber dies ist nur ein marginaler Kritikpunkt und daher kann man schnell zu den positiven Veränderungen übergehen. Der Aufbau des Buches hat sich didaktisch noch etwas verbessert, da sprachliche Phänomene stärker in Relation zu bekannten Phänomenen gesetzt wurden. Statt nur eine große Breite sprachlicher Eigenheiten zu vermitteln, wurde die Erklärung dieser stärker fokussiert, was sich vor allem darin äußert, dass sie zu den aus dem Deutschen vertrauten Phänomen in Beziehung gesetzt wurden. Zu verstehen was Ergativität ist fällt leichter, wenn man dies im Kontrast zu Markierung von Subjekt und Objekt im Deutschen sieht.
Nun sind zu allen Aufgaben Lösungen vorhanden, was eine Erweiterung darstellt, diese sind jedoch nicht mehr im Buch inkorporiert, dafür frei zugänglich im Internet zu finden.

Insgesamt erscheinen mir die Neuerungen dem Buch gut getan zu haben, obwohl es bereits vorher ein überzeugendes Lehrbuch darstellte. Es ist nun aktueller gehalten, durch den Einbezug weiterer Daten, das Füllen von Lücken und den Verweis auf neuste Literatur, und zudem wurden die Mängel beseitigt, die sich in der Lehre mit diesem Buch ergaben. Man kann daher nur zu diesem Buch raten, nichts scheint mir gegen das Buch zu sprechen. Wiewohl man aber betonen muss, das es lediglich um den deskriptiven, also beschreibenden Umgang mit Sprachen geht und nicht um die theoretische Analyse dieser Daten in einem bestimmten Framework. Aber es ist das linguistische Handwerkszeug was dieses Buch vermittelt und daher unentbehrlich für jeden, der mit Sprache arbeiten. Ein sehr gutes Lehrbuch, das durch seine Überarbeitung noch besser geworden ist.


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Produkte (Dürr, Michael):
Einführung in die de...tik

Verlag:
Vandenhoeck & Ruprecht

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Infos:

Serie:

Studienbücher zur Linguistik

Autor:

Dürr, Michael

Co-Autor:

Schlobinski, Peter

Verlag:

Vandenhoeck & Ruprecht

Erschienen:

01.06.2006

Kritiker:

Jens Fleischhauer

ISBN oder
ProduktID:

9783525265185

Seiten:

301

Preis:

19,90 €

Typ:

Taschenbuch

 

Lesung:

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