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Lime Law, Band 1 (Kritik)


Rezension von Arielen

Autor: Engelbrecht, Myriam


Aus der Reihe "Lime Law"


Bevor Manga und Anime ihren Siegeszug antraten, gab es nur wenige junge KünstlerInnen, die mit ihren Werken an die Öffentlichkeit traten. Das mag einerseits daran liegen, dass es in der Prä-Internet-Zeit noch nicht so kostengünstige und einfache Möglichkeiten gab, die Werke an den Leser zu bringen, andererseits aber vielleicht auch an den qualitativen Voraussetzungen, die durch professionelle amerikanische und europäische Comics gesetzt wurden. Mangas beweisen jedoch, dass man auch mit etwas weniger Arbeitsaufwand beim Zeichnen durchaus spannende Geschichten erzählen konnte.


Und da das Internet genug Plattformen bietet, die Werke zu präsentieren und auch die unterschiedlichsten Verlage einheimische Künstler zu fördern begonnen haben, blüht die deutsche Comic-Szene wie nie zu vor.

Da jedoch nicht alle Zeichner bei EMA, Carlsen oder Tokyopop unterkommen können, sind inzwischen viele kleinere Verlage entstanden, die sich bestimmter Themen und Künstler angenommen haben, die etwas außerhalb des Mainstreams stehen.

So auch der Fireangels Verlag, der sich in seinem Programm vor allem auf die verschiedenen Spielarten von “Boys Love” konzentriert. Das Angebot reicht von Geschichten, die die Beziehung gleichgeschlechtlicher Partner nur andeuten, bis hin zu denen, die explizite nicht mehr ganz jugendfreie Szenen zeigen.

Die Anthologie “Lime Law” thematisiert zwar die Sexualität, in den sechs Mangas und zwei Geschichten werden aber bestimmte Grenzen eingehalten. Die Zeichnerinnen und Autorinnen konzentrieren sich vor allem auf die Gefühle ihrer Protagonisten, weniger auf eine genaue Ausarbeitung dessen, was sie miteinander treiben.

So erwartet zum Beispiel ein Erfinder seinen Androiden zurück, auch wenn er nicht weiß, was sich daraus entwickeln mag. Zu stark ist die Sehnsucht nach dem, was von ihm gegangen ist.

Sayus ist zwar ein guter Schauspieler, aber erst durch die bedingungslose, aber auch fordernde Liebe seines Partners Ian erlangt er wirkliche Reife. Kann ein Geiger seinem Instrument so verfallen sein, dass dieses ihm ermöglicht, es wirklich zu lieben?

Sie sind schon lange Freunde, aber erst als der eine die Grenzen überschreitet, lernt er die Schwächen des anderen kennen und hilft ihm die dunklen Erinnerungen, die damit verbunden sind, zu überwinden.


Dies sind nur einige der in “Lime Law” präsentierten Geschichten. Der Band zeichnet sich insgesamt durch eine ungewöhnliche Vielfalt in Stil und Themen aus. Während “Puppet 175” allein eine Reflektion der Gefühle ist, geht es in “What’s your Weakness” schon viel deutlicher zur Sache. Die Helden tauschen nicht nur zärtliche Umarmungen und verstohlene Küsse aus, sondern landen auch wirklich im Bett. Aber selbst das wird sehr geschmackvoll und mit viel Gefühl präsentiert.

Ähnlich hält es auch Kerimaya. Ihre Erzählungen thematisieren nicht den Akt an sich, sondern die Dinge, die mit der Leidenschaft und Liebe einhergehen. Vor allem die Illustrationen zu ihrer Geschichte “Musik” vertiefen die Atmosphäre des Textes noch einmal. Sie gehören mit dem Siegerbild des “Yacuco”-Wettbewerbs zu den schönsten allein stehenden Bildern des ganzen Bandes.

Sicherlich sind nicht alle Geschichten künstlerisch vollkommen ausgereift. Die ein oder andere Schwäche in der Dramaturgie oder Darstellung ist zum Beispiel gleich in der ersten Geschichte schon zu erkennen, aber keines der Werke ist ein wirklicher Ausfall. Man merkt ihnen allesamt an, dass sie mit viel Liebe und Inbrunst gefertigt wurden, und die Künstler ihren Spaß daran hatten, sich alles auszudenken und umzusetzen. Überzeugen können die Geschichten und Illustrationen alle auf ihre Weise. Dass sie dabei hin und wieder auch andere und viel spannendere Wege gehen, ihre Ideen zu präsentieren, als die von den großen Verlagen bevorzugten Mangas, ist klar. In der Aufmachung - glänzendes Vierfarbcover und farbige Innenseiten - steht der Manga jedenfalls diesen in keiner Weise nach.


Und das macht Anthologien wie “Lime Law” auch zu einer Lektüre, der man eine Chance geben sollte, wenn man “Boys Love” mag. Man fördert damit nicht nur die einheimischen Künstler, die einem in Themenwahl und Darstellung oft näher stehen als die Japaner, sondern kann unter Umständen auch Werke genießen, die ansonsten niemals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden wären, nur weil sie nicht den von den großen Verlagen bevorzugten Richtlinien entsprechen.


Wertung:

Gesamt:

Anspruch:

Spannung:

Brutalität:

Erotik:

Gefuehl:

Humor:

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Infos:

Serie:

Lime Law

Autor:

Engelbrecht, Myriam

Verlag:

Fireangels Verlag

Erschienen:

01.10.2005

Kritiker:

Arielen

ISBN oder
ProduktID:

9783939309017

Seiten:

182

Preis:

11,00 €

Typ:

Manga

 

Artikel:

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