Rezension von Bine Endruteit
Valentine ist wieder da! Diesmal leidet sie unter dem größten Feind der Frau von heute: der Einsamkeit. Nachdem ihr Psychiater ihr immer noch nicht glaubt, dass sich ein Riesenhaar mit seiner geliebten Fußmatte auf den Weg in ein romantisches Leben geflüchtet hat und ihr Befreiungsversuch für alle geknechteten Fußmatten in ihrem Haus auch fehlgeschlagen ist, schickt ihre Mutter sie in das Kurzentrum „Bei den Lerchen“. Dort sind alle mindestens genauso durchgeknallt wie sie selbst. Beatrix zum Beispiel leidet unter ihrer Akne. Sie trägt ihren Pulli immer hochgezogen bis zum Haaransatz, damit man bloß nichts davon sieht.
Wider Erwarten macht Valentine vor dem Fernseher erste Fortschritte auf dem Weg zum Verliebtsein, sie sieht den Film „Herr der Ringe“ und fortan hat sie nur noch den Elben Legolas im Kopf. Beim Rohrschachtest sieht sie Legolas mit Bogen, Legolas auf einem Einhorn oder Legolas nackt auf einem Riesenpilz. Daraufhin hängt sie sich die Bilder mit den Tintenklecksen sogar über ihr Bett. Mit den anderen jungen Frauen veranstaltet sie einen „Herr der Ringe“ Abend. Angesehen wird die komplette Trilogie, aber nur die besten Stellen, also die mit Legolas. Sie fängt sogar an, mit einem anderen Besucher der Klinik zu dealen. Sie will Poster, Zeitschriften, Actionfiguren und bekommt alles.
Im zweiten Band der Valentine-Reihe von Anne Guillard geht es genauso turbulent zu wie im ersten. Valentine ist nie mit sich zufrieden und bringt damit sich selbst und ihre Umwelt zur Verzweiflung. Guillard fallen dabei immer wieder witzige Sprüche ein, mit denen sie ihre Protagonisten lächerlich machen kann. „Valentine“ befasst sich humorvoll mit sämtlichen Klischees, die die Zeitschriftenwelt für junge Frauen zu bieten hat. Neben den Comic Strips findet man überall Anzeigen oder Zeitungsartikel, die das genaue Gegenteil von dem sind, was man gerne lesen möchte. So bekommt Valentine zum Beispiel ein Interview in der ALLEIN & SCHÖN, da sie die „1.000.000ste Verliererin beim Gewinnspiel“ war, bei dem man „ein Treffen mit Johnny Depp ohne Vanessa Paradise“ gewinnen konnte. Auf einem Bild dazu hält sie einen schmucken Luftballon mit der Aufschrift „Niete“ in der Hand. Doch nicht einmal den darf sie als Andenken behalten. Natürlich darf auch das obligatorische Horoskop nicht fehlen, in dem man erfährt, welche DVD man als nächstes kaufen wird oder dass Plus 0,30 EUR Rabatt auf Erbseneintopf gibt, also Informationen, auf die man unmöglich verzichten kann.
Frauen werden „Valentine“ mögen, weil sie über sich selbst und den Schönheitswahn lachen können, Männer, weil sich hier so richtig über das lustig gemacht wird, von dem sie schon immer wussten, dass es ausgemachter Blödsinn ist.
Die kleinen Geschichten machen Spaß und man kann immer wieder in diesem Comic blättern. Das Horoskop und andere, etwas längere Texte eignen sich außerdem hervorragend zum gemeinsamen Lesen und darüber Lachen und sind auf Partys garantiert ein Knüller.