Rezension von Jens Fleischhauer
In der Anthologie „Schwarzdunkel“ sind sieben Kurzgeschichten von Markus Kastenholz versammelt. Der Umfang der einzelnen Geschichten variiert und reicht von zehn Seiten bis auf über 60 Seiten. Insgesamt umfasst dieses Buch knapp 200 Seiten. Einige der Geschichten besitzen eine starke religiöse Symbolik und in vielen von ihnen ist das Grauen nichts existentet, sondern es ist die Erkenntnis, dass wir gefangen sind. Gefangen in uns selbst nach einem Unfall oder in einem Traum. Manchmal ist das Gefangensein auch physisch zu verstehen. Markus Kastenholz lässt den Leser auf viele Weisen nachempfinden, was es heißen kann, irgendwo gefangen zu sein.
Auf ein paar der Geschichten soll kurz eingegangen werden. In der ersten Erzählung „Der letzte Himmel“ geht es um einen jungen Mann, der eine besondere Gabe hat. Er ist ein sehr guter Kartenspieler und gewinnt bei diesen Spielen eine Menge Geld. Doch dann wird eine Freundin von ihm getötet, die er eigentlich auf den Weg der Besserung bringen wollte. Doch nach und nach, über Rückblicke, erfährt der Leser mehr über diesen Mann. So ist er Gottes zweiter Sohn. Was passiert, wenn Gottes zweiter Sohn auf der Erde weilt und nun die Notwendigkeit sieht, sich zu offenbaren?
„Blackout“ ist die längste und zugleich letzte Geschichte in diesem Band. In ihr geht es um einen Journalisten in der deutschen Provinz, der damit konfrontiert wird, dass einerseits seine Frau mit seinem Chef schläft und zum anderen die Leiche seines Bruders gefunden wird, nachdem dieser fünf Jahre verschwunden war. In einer Lebenskrise muss er dennoch einen Bericht über ein Dorffest schreiben und sieht dort ein altes Karussell. Sowohl an das Karussell als auch an dessen Betreiber erinnert sich der Journalist, beide kennt er aus seiner Kindheit und dies ist schon 30 Jahre her. Dieses Karussell nimmt ihn nun in Beschlag und er versucht näheres darüber heraus zu finden. Doch dabei entdeckt er mehr, als ihm lieb ist.
Markus Kastenholz hat die einzelnen Geschichten in einem durchweg ähnlichen Stil geschrieben. Vor allem einige Eigenheiten fallen bei diesem Stil auf. Einerseits verwendet Kastenholz immer wieder Worte die etwa dialektal sind oder die er selbst konzipiert hat. Zum Beispiel „flappend“ ist ein solches Wort unter dem ich mir etwas vorstellen kann, das mir aber nach einer onomatopoetischen, also lautmalerischen Neuschöpfung aussieht. Andererseits verfällt er häufig in Umgangssprache, wodurch die einzelnen Geschichten stilistisch weniger überzeugen, als es sicherlich möglich gewesen wäre.
Als weiteres fällt auf, das sich sehr viele Fehler in diesem Buch finden lassen. Meistens sind es einfache Rechtschreibfehler die nicht weiter schlimm sind, aber dennoch auffallen. Hin und wieder fehlen auch einmal Buchstaben oder verschiedene Wörter sind fälschlicherweise in einem Satz vorhanden, sodass man den Satz mehrmals lesen muss, um den Sinn zu verstehen. Ein gröberer Fehler findet sich aber in der letzten Geschichte, "Blackout", in der eine Person im Prolog benannt wird und im Epilog mit einem anderen und damit falschen Namen wieder Bezug auf diese Person genommen wird.
Inhaltlich unterscheiden sich die Geschichten allesamt voneinander. Nicht alle sagen mir zu, wie etwa die Geschichte „Schwarzdunkel“. Diese fängt zwar sehr schön an, in dem ein altes Haus beschrieben und eine kleine Geschichte um das Haus aufgebaut wird. Doch dann driftet die Geschichte ab und handelt nur noch von dämonischen Kreaturen die in dem Haus leben. In einer dezent gruseligen Erzählung wird ein zu akribisch beschriebener Schrecken integriert, der keine gruselige Atmosphäre mehr aufkommen lässt. Dies scheint mir insgesamt eine Schwachstelle dieser Anthologie zu sein. Die Geschichten sind zwar düster, bauen aber kaum Atmosphäre auf. Wenige der Geschichten bleiben längere Zeit beim Leser hängen, sie zeichnen sich durch nichts sonderlich aus. Insgesamt hätte ich mehr Spannung erwartet und auch ein saubereres Lektorat des Buches. Dies sind beides die größten Schwachpunkte dieser Anthologie. Dennoch sind die Erzählungen kreativ, vereinzelt auch mitreißend, aber leider ist dies doch zu wenig der Fall. Somit kann man in Bezug auf die Spannung keine all zu hohe Wertung abgeben. Andere Mängel hatte ich auch schon angesprochen, sodass mehr als eine durchschnittliche Wertung leider nicht erfolgen kann. Es gibt bessere Anthologien, die düstere Erzählungen beinhalten. Eloy Edictions hat meiner Meinung nach einige Bände zu bieten, die vom Lektorat wesentlich besser sind und auch größere Spannung und stilistisch anspruchsvollere Literatur bieten. Im Vergleich zu diesen Bänden ist „Schwarzdunkel“ leider eher von schlechterer Natur, obwohl einige hervorragende Passagen durchaus in diesem Buch enthalten sind. Aber entweder ist die Geschichte wie im Fall von „Blackout“ zu ausladend und enthält zu viel Nebenhandlung, die die Spannung absolut versetzt oder die Spannung geht verloren, durch zu starke Beschreibung und Ausarbeitung des Grauens, wie in der Erzählung „Schwarzdunkel“. Am besten erscheint mir noch die Erzählung „Das verbotene Land“ zu sein, bei der alles sehr gut aufeinander abgestimmt ist. Diese Geschichte stimmt von vorne bis hinten und ist meiner Meinung nach das Highlight des Buches.
Wertung:Gesamt:
Anspruch:
Spannung:
Brutalität:
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Infos:Autor:
Kastenholz, Markus
Verlag:
Eloy Edictions
Erschienen:
01.04.2006
Kritiker:
Jens Fleischhauer
ISBN oder ProduktID:
9783938411056
Seiten:
196
Preis:
12 €
Typ:
Taschenbuch