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Das kalte Haus (Kritik)


Rezension von Jens Fleischhauer

Autor: Wright, T. M.

Eine Frau lebt alleine in einem riesigen Haus, deren gesamte Zimmer sie weder kennt noch überblicken kann. Ein Mann lebt alleine in einer kleinen Wohnung, die sich in einer monotonen, unansehnlichen und bedrückenden Stadt befindet. Beide sind sie alleine, teilen ihr Leben nur mit einem Haustier. Sie haben niemanden mehr, der sich um sie kümmert, mit dem sie reden können und der sie liebt. Nur die Erinnerung an eine große, echte Liebe besteht noch in ihnen.
Nach und nach wird die Geschichte der beiden Personen rückwirkend entblättert. Jeder von ihnen erzählt Episoden aus seinem Leben. Aus der Kindheit, die nicht leicht war. Sie hatte eine verrückte Mutter, er einen ihn psychisch misshandelnden Vater. Es entsteht über die Erzählung hinweg eine Verbindung zwischen beiden Personen und man stellt fest, dass sie beide die große Liebe des jeweils anderen waren. Sie hatten eine Beziehung, doch mussten sie sich trennen. Wieso wird nicht ganz klar. Vieles verbleibt hinter Andeutungen und auch am Ende weiß man nicht, was real war und was nur in der Phantasie entstand.
Aber neben dem Rückblick in die Vergangenheit gibt es auch die Gegenwart. Er versucht ein Leben in der Stadt aufzubauen. Aber die Stadt ist nicht normal. Man weiß nicht welche Stadt es ist, wo sie sich befindet und was sie sein soll. Die Menschen verhalten sich komisch, die Erlebnisse sind komisch und man merkt, dies ist keine normale Stadt. Aber auch sie lebt nicht in einem normalen Haus. Das Haus ist riesig und die einzelnen Zimmer scheinen Episoden aus der Vergangenheit zu sein.

Warum geht es in diesem Buch? Dies ist nicht einfach zu sagen. Aus neutraler Sicht wird die Vergangenheit der beiden Personen geschildert, die mehr und mehr überlappt. Aus der Sicht der jeweiligen Person wird die verlorene Gegenwart dargestellt. Es scheint in diesem Buch um einen der größten Schrecken zu gehen, nämlich den Verlust. Emotionale Isolation und der Versuch dieser zu entkommen, scheint alles in diesem Buch thematisiert zu sein. Meiner Meinung nach ist dieses Buch sehr komplex und schwer zu lesen. Stilistisch ist es mehr ausgereift und bietet einen ansprechenden und fordernden Stil. Eingebaut in den Text sind allerlei Gedichte, die nicht gerade für buchstäbliche Klarheit sorgen. Durch die Verwendung der Lyrik wirkt das Buch stilistisch noch ausgereifter, lässt es zusätzlich aber auch nicht verständlicher erscheinen. Neben der Lyrik ist die bildliche Sprache, also etwa Metaphern, ein wichtiger stilistischer Aspekt, der das Buch sehr lyrisch wirken lässt.
Inhaltlich ist das Buch sehr verwoben und man benötigt einige Zeit, bis man erste Interpretationshypothesen bilden kann. Die Atmosphäre, die in diesem Buch erzeugt wird, ist absolut düster und bedrückend. Dieses Buch erscheint mir sehr melancholisch und hinterlässt beim Leser viele Emotionen. Man kann das Buch nicht einfach so nebenbei lesen, dazu ist es zu komplex und anspruchsvoll.

Wie das Buch genau einzuordnen ist, weiß ich nicht. Auch wenn es beim lesen Gänsehaut zu verursachen vermag, scheint es eher eine Liebesgeschichte zu sein, bei der es vor allem auch darum geht, dass Traum und Realität nicht immer zu trennen sind. Man weiß nicht, was nun den in dieser Erzählung beteiligten Personen tatsächlich widerfahren ist, wen sie geliebt haben, was nur Einbildung ist und wen sie wirklich verloren haben. Das Leben und die Liebe ist sehr komplex und in diesem Buch weiß man nie, wann etwas real ist und wann nicht. Nach einmaligem lesen kann man nicht einmal sagen, wo die Grenzen zwischen Traum und Realität in diesem Buch gezogen werden könnten. Gerade dies vermittelt dem Leser aber das Gefühl des Verlorenseins, welches auch die beiden Hauptfiguren, von denen man eben nicht weiß, ob sie real sind, haben. Erzählerisch ist dieses Buch wirklich herausragend und verdient es absolut, dass man sich intensiv damit auseinander setzt. Eines der komplexesten und stilistisch besten Bücher, welches ich in letzter Zeit als Neuerscheinung gelesen habe. Man muss es selbst lesen, um sich von Bild von T. M. Wrights Stil und Können zu machen. Definitiv ist dies ein lohnenswertes Unterfangen und gewiss wird man so manchen schweren Gedanken während der Lektüre des Buches und im Anschluss daran noch haben.



Wertung:

Gesamt:

Anspruch:

Spannung:

Brutalität:

Erotik:

Gefuehl:

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Infos:

Autor:

Wright, T. M.

Verlag:

Eloy Edictions

Erschienen:

01.07.2006

Kritiker:

Jens Fleischhauer

ISBN oder
ProduktID:

9783938411087

Seiten:

244

Preis:

14 €

Typ:

Taschenbuch

 

Wright, T. M.

T.M. Wright veröffentlich seit 1978 fantastische Literatur und hat bereits über 30 Romane geschrieben. Seine Bücher wurden in über 14 Sprachen übersetzt. Daneben hat er jedoch auch Gedichte geschrieben, die er teilweise in seinen mit aufnimmt [mehr]




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