Mitmachen!

Wir haben neue Positionen zu besetzen. Derzeit suchen wir Redakteure für:
Musik
Kino
Englischsprachige Fachliteratur
und Lektoren


Social Networking

roterdorn ist auch bei:

twitter
facebook


Angst vor dem Absturz (Kritik)


Rezension von Jens Fleischhauer

Autor: Keene, Brian

Was kann man bei Brian Keene erwarten, einem preisgekrönten Horrorautor? Nach meinen Erfahrungen vor allem: exzessive Gewalt, Blut und Tod. Damit kommt Keene auch in diesem Buch wieder an und zwar in großer Portion. Anders als etwa in seinem Buch "Das Reich der Siqqusim" sind die vorliegenden Erzählungen jedoch keine Aneinanderreihung sinnloser Gewalt, sondern einfach nur brutale Erzählungen, in denen die Gewalt jedoch eine Motivation findet.

Es sind insgesamt zehn Erzählungen, die ins Deutsche übersetzt wurden und die diesen Band füllen. Am Ende der Rezension findet sich eine Aufzählung der Geschichten, inhaltlich soll nur auf eine Auswahl von ihnen eingegangen werden.
Einen guten Einstand macht das Buch mit einer Geschichte die man weniger als eine Horrorerzählung, statt vielmehr als eine Grusel- oder Gespenstergeschichte bezeichnen könnte. Es ist die Erzählung "Staub" die in der Zeit der Anschläge vom 11. September angesiedelt ist. Eine Frau hat ihren Freund im World Trade Center verloren, in dem dieser gearbeitet hat. Auch noch nach Wochen ist die Trauer groß, da von ihrem Freund nichts als Staub übrig blieb. Keine Überreste zur Beerdigung, nichts wovon man sich verabschieden könnte. Zudem musste sie ihre Wohnung, in der Nähe des World Trade Centers räumen, wegen Aufräumarbeiten. Nun, nach einigen Wochen, darf die Frau die Wohnung wieder betreten, um ihre Sachen dort heraus zu holen. Die Wohnung ist nicht nur voll von Erinnerungen an ihren Freund, sondern auch mit Staub. Ein seltsamer Staub der überall liegt und sich in einem Luftwirbel formt, zum Abbild ihres toten Freundes.

Auch die zweite Geschichte steht in der Nachfolge dieser Anschläge aus dem Jahr 2001 und hat den Titel "Babylons Sturz". Diese Geschichte spielt während des zweiten Irakkrieges und zwar im Irak. Die Hauptfiguren sind amerikanische Soldaten, die am Sturm auf Bagdad beteiligt sind. Doch ein ganz anderer Sturm kommt ihnen in die Quere, ein Sandsturm. Die Soldaten verlieren sich im Sand und versuchen, nach dem sich der Sturm gelegt hat, zu Fuß in Sicherheit zu bringen. Dabei fallen sie einer Elitetruppe Saddam Husseins in die Hände, aber es kommt nicht einfach zur Exekution der Amerikaner. Die Irakis sind Anhänger alter babylonischer Götter und die Amerikaner sollen ihnen als Opfer dienen.
In dieser Geschichte verbindet sich modernes Geschehen mit orientalischer Mystik und artet in einer sehr brutalen Erzählung aus. Der Anfang der Geschichte ist fantastisch und eine hervorragende Schilderung der amerikanischen Soldaten, ihrer Einstellung zum Krieg und der Auswirkung des Sandsturms auf die betroffenen Soldaten. Dieser Anfang gehört mit zum Besten, was ich bisher von Keene gelesen habe. Ein wirklich grandioser Beginn. Dann jedoch artet die Geschichte in einer extrem anschaulichen und bestialischen Gewaltszene aus, bei der man beim Lesen Schmerzen bekommt. Was Keene sich an Foltermethoden ausdenkt, ist fast schon pervers und wirklich glaubhaft geschildert. Man sollte nicht zu empfindlich sein, wenn man diese Schilderungen liest, sie sind wirklich übel. Meiner Meinung nach dreht Keene jedoch zu stark ab und übertreibt den Gewaltexzess. Dies ist etwas, was regelmäßig bei seinen Geschichten auffällt; er verfällt zu häufig in zu ausführliche und umfassende Gewaltexzesse, die die restliche Erzählung in den Hintergrund verdrängen. Mit seinem Ende hat sich Keene eine wirklich grandiose Geschichte leider etwas versaut, obwohl sie immer noch hervorragend ist, aber eben zu übertrieben. Eine etwas dezentere und weniger hervorstechende Darstellung sinnloser Gewalt würde dieser Geschichte gut tun und sie an Lovecrafts beste kosmische Schreckensgeschichten heranreichen lassen.

Eine weitere Geschichte die ich erwähnen möchte ist "Gestrandet". In "Gestrandet" geht es um eine Reality Show, bei der Kandidaten auf einer Insel ausgesetzt werden. Nach und nach werden einige der Kandidaten von der Insel abgewählt, sodass am Ende nur ein Gewinner übrig bleibt. Man kennt dieses Prinzip von anderen Reality Shows und entsprechend diesem Format, sind die Kandidaten von Kameras ständig umgeben. Ein Aufklärtrupp hat ergeben, dass die Insel unbewohnt ist, auch wenn sich seltsame Gerüchte um die Insel ragen. Es soll Verbindungen in die Hölle geben, mittels tief hinabreichenden Höhlen, und Menschen sollen auf dieser Insel spurlos verschwunden sein. Die Kandidaten halten dies nur für ein Gerücht, damit ihre Angst und dieses Gerücht die Einschaltquoten hoch treiben. Jedoch zeigt es sich, dass hinter diesem Gerücht mehr steckt, als man zuerst glauben wollte. Abseits der Zivilisation stecken die Kandidaten in der größten Gefahr ihres Lebens.
Die Idee hinter dieser Geschichte erscheint mir wieder sehr schön. Es ist eine Mischung aus "Big Brother" und Big Foot, jedoch wäre es schön gewesen, wäre es bei einer solchen Mischung geblieben. Denn die Wesen, die auf der Insel leben, erinnern wirklich an Big Foot, nur sind sie nicht einmalig, sondern zahlreich. Es ist wieder dasselbe Problem, dass sich mit einer Erzählung von Keene ergibt. Die Idee ist super, doch an der richtigen Stelle verpasst Keene den Ausstieg und muss in maßloser Übertreibung gipfeln. Statt einem Monster sind es unzählige und sie gehen womit vor? Mit grausamer, brutaler und deutlich geschilderter Gewalt. Wieder eine Erzählung die durch Maßlosigkeit zerstört wurde. Leider ein immer wiederkehrendes Phänomen.

Es ließen sich auch noch einige Dinge über die anderen Geschichten erzählen, aber diese drei geschilderten stechen eindeutig hervor. Sie zeigen das Potential von Keene und die Problematik. Er ist ein sehr guter Horrorautor, der meines Erachtens aber die Bodenhaftung beim Schreiben verliert und in immer größere Dimensionen vorstoßen muss. Dabei vergrößert er nicht die Dimensionen des Horrors, sondern verringert sie nur. Aber er hat wirklich gute Geschichten zu bieten. Die ersten beiden des Bandes sind fantastisch und auch "Der König in ... "Gelb"" ist eine wirklich sehr gute Geschichte. Bei dieser schafft es Keene wenigstens nicht, mit seinen Gewaltexzessen alles zu ruinieren, denn hier ist alles wohl dimensioniert und passend. Auch die Geschichte "Rotes Holz" ist sehr interessant, beschreibt sie doch eine Art Rache der Natur und somit eine Form des Ökohorrors.
Wie man sieht, sind die Ansätze bei Keene breit gefächert, man braucht jedoch ein gesundes Maß an Toleranz um seine Erzählungen lesen zu können. Die Gewalt wird sehr detailreich und ausführlich geschildert. Wer Brutalität nicht verträgt ist mit diesem Buch nicht gut beraten. Was auch auffällt, ist der Versuch, möglicherweise ein Gegenstück zu Lovecrafts Cuthulu Mythos aufzubauen. In voneinander unabhängigen Geschichten erwähnt Keene immer wieder ein altes mystisches Buch. Es scheint so, als würde er seine Geschichten damit verbinden wollen. Ob sich damit wirklich ein Gegenwicht zu Lovecrafts Mythos ergeben soll, kann man an Hand dieses Buches nicht beurteilen, vielleicht überinterpretiere ich.
Abschließend sei vielleicht noch ein wenig zur Übersetzung gesagt. Sprachlich ist das Buch nicht sonderlich angenehm. Es ist ein sehr einfaches und stilistisch einfallsloses Deutsch, das verwendet wird. Hinzu kommen zahlreiche sehr auffällige Fehler, wie fehlende Worte. Dafür ist besonders das Lektorat zu bemängeln, welches im Bezug auf dieses Buch sehr schlecht gewesen zu sein schien.

Für harte Horrorfans ist dieses Buch sehr zu empfehlen und einige der Geschichten sind wirklich größtenteils herausragend. Keene stellt sein Können unter Beweis, zeigt aber auch seinen Schwachpunkt. Wer harte Brutalität nicht verträgt, wird mit diesen Geschichten wenig anfangen können. Es ist nicht eine gruselige Atmosphäre die in den einzelnen Geschichten aufgebaut wird, sondern immer ein Untergang, auf den zugesteuert wird. Den Absturz und die Angst davor hat Keene auf unterschiedliche Weisen, aber immer sehr treffend, eingefangen. Diese Erzählungen sind deutlich besser als das eingangs erwähnte Buch und zeigen, meiner Meinung nach zu Recht, warum Keene ein preisgekrönter Autor ist. Er kann Geschichten erzählen, aber gewiss keine für ein breites Publikum.


Erzählungen im Buch:
Staub
Babylons Sturz
Frust in Bethlehem
Rotes Holz
Der König in ... "Gelb"
Ein Ausweg
Lila Zeug
Gestrandet
Zysten
Der Garten, meine Tränen


Wertung:

Gesamt:

Anspruch:

Spannung:

Brutalität:

Erotik:

Gefuehl:

Links:

Bestellen bei: AMAZON

Produkte (Keene, Brian):
Das Reich der Siqqusim
Das Reich der Siqqus...ten
Die Wurmgötter
Der lange Weg nach Hause

Navigation
Zurück
Druckerversion

Infos:

Autor:

Keene, Brian

Verlag:

Eloy Edictions

Erschienen:

01.06.2006

Kritiker:

Jens Fleischhauer

ISBN oder
ProduktID:

9783938411070

Seiten:

264

Preis:

14 €

Typ:

Taschenbuch

 

Artikel:

FeenCon 2010
Feencon 2010

von Joanna Lenc



Gewinnspiel:

Trix Solier Gewinnspiel
Trix Solier



Artikel:

Michael Jackson
Michael Jackson – Ein Leben zwischen Schwarz und Weiß

von Noelle



Interview:

Thomas A. Ruhk
Thomas A. Ruhk über Zonenkrieger

von Johanna Grabow



Gewinnspiel:

Detektive Gewinnspiel
Detektive



Special:

Detektive Special
Ausgabe 2: Detektive