Mitmachen!

Wir haben neue Positionen zu besetzen. Derzeit suchen wir Redakteure für:
Musik
Kino
Englischsprachige Fachliteratur
und Lektoren


Social Networking

roterdorn ist auch bei:

twitter
facebook


Der Schildkröten-Junge (Kritik)


Rezension von Jens Fleischhauer

Autor: Burke, Kealan Patrick

Timmy Quinn ist ein elf Jahre alter Junge aus Delaware. Sein bester Freund wohnt auch direkt neben an und mit diesem beginnt er die ersten Tage der nun angebrochenen großen Ferien. Gemeinsam überlegen sie, wie sie den Tag verbringen können. Eine Möglichkeit für sie erscheint der Besuch des Angelsees zu sein und dies machen sie dann auch. Beim Erreichen des Sees stellen sie fest, dass dort aber schon ein Junge sitzt. Der Junge hält seinen Fuß ins Wasser und macht einen seltsamen Eindruck auf die beiden Freunde. Sein Gesicht sieht komisch aus. So fehlen ihm etwa einige Haare, sein Mund erscheint wie eine große Wunde und seine Augen erwecken den Eindruck lediglich schwarze Knöpfe zu sein. Trotz ihrer Angst vor diesem Jungen, können die beiden Freunde nicht wegrennen. Doch dann sehen sie, dass der Junge am Fuß eine Verletzung an und er sagt ihnen, er würde die Schildkröten füttern. Nachdem sie dann schließlich doch abgehauen sind, berichten sie am Abend ihren Eltern von diesem Erlebnis. Wegen dieses seltsamen Jungen bekommen die beiden Freunde das Verbot, den See wieder aufzusuchen. Doch der Vater von Timmys bestem Freund reagiert sehr harsch und aggressiv.
Für Timmy beginnt ein Erlebnis, welches nicht nur seine Sommerferien verändern wird, sondern sein ganzes Leben. Er wird in längst vergangene Ereignisse verwickelt und für ihn bildet sich der Auftakt einer dunklen und beängstigenden Zukunft.

Mit der Erzählung "Der Schildkrötenjunge" hat Burke den Auftakt zu einer Erzählreihe rund um die Figur des Timmy Quinn gelegt. Dass es, zumindest im Englischen, weitere Erzählungen mit diesem Protagonisten gibt, geht aus dem Nachwort des Autors hervor. Die Geschichte selbst ist in großer Schrift gedruckt, sodass die nicht einmal 140 Seiten sehr schnell zu lesen sind. Zusätzlich sind einige Illustrationen im Buch enthalten, bei denen ich mir nicht sicher bin, was sie bedeuten sollen. Sie könnten jedoch mit dem "Schleier" zu tun haben, einem Konstrukt, das im Buch näher erläutert wird und auf das nicht weiter eingegangen werden soll. Jedenfalls könnten die Illustrationen genau diesen Schleier darstellen. Die Möglichkeit zur Deutung der Bilder hat man jedoch nur in der Retrospektive, so erscheinen sie im Verlauf des Buches keinen Bezug zu der Erzählung zu haben.
Die Geschichte selbst beginnt gemächlich und bildet mehrere kleine Spannungshochpunkte aus, jedoch ohne einen großen Spannungsbogen aufzubauen. Liest man das Vorwort von Norman Partridge, dann erwartet man feinen, dezenten aber hervorragenden Horror. Ich habe eher den Eindruck eine Gruselgeschichte gelesen zu haben, die einige Anleihen bei einem Film wie "The 6th Sense" gemacht hat. Sicherlich hat die Erzählung einige Originalität aufzuweisen und wirkt keineswegs abgedroschen, aber eine sonderlich gruselige Atmosphäre schafft sie nicht aufkommen zu lassen. Vieles an dieser Geschichte ist berechenbar und besonders das Ende wirkt etwas seltsam. Der Junge stellt sich dort immer wieder Fragen und versucht etwas was ihm gesagt wurde zu verstehen, wobei man dies als Leser schon längst verstanden und interpretiert hat. Durch die Darstellung der Überlegungen des Jungen hat man jedoch den Eindruck, als wollte der Autor dem Leser langsam die wahre Bedeutung der Äußerungen vor Augen führen und dies Schritt für Schritt. Leider weiß der Leser dies jedoch schon, da alles sehr offensichtlich und durchschaubar geschrieben wurde, sodass keine Überraschung am Ende der Überlegungen steht.
Das eigentliche Ende der Erzählung ist etwas seltsam und absolut offen. Man weiß nicht, was Burke wirklich meint und kann nur hoffen, dies in der nächsten Erzählung zu erfahren. Damit ist sicherlich ein guter Effekt erzielt worden, der den Leser motiviert, die weiteren Erzählungen Burkes zu lesen. Ein legitimer und gut gelungener Schritt des Autors, um die Leser an sich zu binden.

Insgesamt ist das Buch nicht herausragend. Stilistisch ist es eher unauffällig, jedoch mit teilweise leichten negativen Anklängen. Eigentlich ist das Buch sprachlich sehr einfach gehalten, ohne Fremdworte, die sich jedoch an ein paar Stellen in die Erzählung einschmuggeln konnten und wie Leuchtfeuer hervorstechen. Diese Fremdwörter wären aber vermeidbar gewesen und fallen daher negativ auf. Der Handlungsstrang selbst ist ganz interessant, jedoch nicht hineichend klar umgesetzt. Man verliert an ein paar Stellen leicht die Übersicht und versteht kaum, um was es eigentlich geht. Klarere Beschreibungen wären nötig gewesen, um Spannung statt Konfusion zu erzeugen. Damit kann dieses Buch also nur eine mittelmäßige Bewertung bekommen, aber dennoch erscheint es lohnenswert die nachfolgenden Erzählungen einmal zu lesen. Der Auftakt zu den Erzählungen um Timmy Quinn ist nicht der überzeugendste und vor allem kein herausragender Horror, aber dennoch gut genug, um sich die weitere Entwicklung nicht entgehen zu lassen.


Wertung:

Gesamt:

Anspruch:

Spannung:

Brutalität:

Links:

Bestellen bei: AMAZON

Navigation
Zurück
Druckerversion

Infos:

Autor:

Burke, Kealan Patrick

Verlag:

Eloy Edictions

Erschienen:

01.08.2006

Kritiker:

Jens Fleischhauer

ISBN oder
ProduktID:

978-3-938411-09-4

Seiten:

139

Preis:

12 €

Typ:

Taschenbuch

 

Burke, Kealan Patrick

Kealan Patrick Burke stammt aus Dungrvan, Irland und lebt mittlerweile in den USA. Er hat bereits zahlreiche Erzählungen veröffentlicht und mehrere Bücher als Herausgeber begleitet. Für seine Novelle "The Turtle Boy", auf deutsch "Der Schildkröten-Junge" hat er den Bram Stoker Award erhalten [mehr]




Artikel:

FeenCon 2010
Feencon 2010

von Joanna Lenc



Gewinnspiel:

Trix Solier Gewinnspiel
Trix Solier



Artikel:

Michael Jackson
Michael Jackson – Ein Leben zwischen Schwarz und Weiß

von Noelle



Interview:

Thomas A. Ruhk
Thomas A. Ruhk über Zonenkrieger

von Johanna Grabow



Gewinnspiel:

Detektive Gewinnspiel
Detektive



Special:

Detektive Special
Ausgabe 2: Detektive