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Imagerie des Anderen im Weimarer Kino (Kritik)


Rezension von Stratos

Autor: Kabatek, Wolfgang

Es gab eine Zeit, da war Hollywood noch nicht die unangefochtene Produktionsstätte des internationalen Films. In den späten 1910er und 1920er Jahren hatte die amerikanische Filmindustrie mit einem großen Konkurrenten zu kämpfen, dem Kino der Weimarer Republik, das damals aufwendige Kassenschlager wie "Die Spinnen" oder "Das indische Garbmal" und visionäre Meisterwerke wie "Das Cabinet des Dr. Caligari" produzierte.

Der Faszination des Weimarer Kinos spürt Wolfgang Kabatek in seiner Dissertation "Imagerie des Anderen" nach, die der transcript Verlag in seiner hervorragenden Filmbibliothek auch dem größeren Publikum zugänglich gemacht hat. Das Kino als Ort der Imagination, als große Maschinerie eskapistischer Bestrebungen, denen sich das deutsche Publikum nach dem ersten Weltkrieg nur zu gerne hingab, steht dabei im Mittelpunkt seiner Untersuchung. Gerade die Neigung des deutschen Films zum Phantastischen – von "Caligari" über "Metropolis" bis zu "Die Spinnen" – unterzieht er einer gründlichen Analyse. Dabei macht er als ein Hauptmotiv des Weimarer Kinos die Verklärung des Rätselhaften, Mehrdeutigen und vermeintlich "Anderen" aus und zeigt Unterschiede zwischen Autoren- und Studiofilmen, aber auch Unterschiede zu ausländischen Produktionen auf. Weitere Kapitel der Dissertation behandeln die Mentalitätsforschung (die seit Sigfried Kracauer vor allem mit dem "Caligari"-Film verknüpft ist) und die Topographie des Weimarer Kinos. Auch den Versuch, anhand der Kinofilme eine "visuelle Anthropologie" zu erstellen, unternimmt Kabatek, da Menschen und ihre Körper im Weimarer Kino auf eine ganz besondere Weise dargestellt werden.

Kabateks spannende, wenn auch hochkomplexe Untersuchung richtet sich in erster Linie an Film- und Kulturwissenschaftler, die mit den von ihm verwendeten Werkzeugen – unter anderem psychologische, soziologische und philosophische Theorien von Derrida bis Bordieu – vertraut sind. Wer sich eingehend mit der Psychologie des Weimarer Kinos, den Mechanismen filmischer Imagination und einer kulturkritischen Reflexion dieser Filmepoche auseinandersetzen will, wird hier zahlreiche Anregungen finden. Einfach zu lesen ist Kabateks Dissertation allerdings nicht; man muß sich schon etwas in seine Argumentation hineinarbeiten. Zum Glück finden sich im Buch etliche Abbildungen aus den behandelten Filmen, einige Plakate und sogar Skizzen einzelner Filmsets, die als visuelle Stütze dienen.


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Infos:

Autor:

Kabatek, Wolfgang

Verlag:

Transcript

Erschienen:

01.04.2003

Kritiker:

Stratos

ISBN oder
ProduktID:

3899421167

Seiten:

200

Preis:

25,80 €

Typ:

Taschenbuch

 

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