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Untäter (Kritik)


Rezension von Christoph Heibutzki

Autor: Güsken, Christoph

Ein Mann wird tot in seinem Garten aufgefunden. Er war alt und laut Aussagen einiger Leute auch reichlich verwirrt. Dennoch glaubt Kommissar Jungbluth nicht an einer natürlichen Todesursache, denn dazu ist der Fundort der Leiche zu ungewöhnlich. Eingesperrt in seinen Hundezwinger ist der Rentner Roland Moll elendig zugrunde gegangen. Was allerdings merkwürdig erscheint sind die Tatsachen, dass er mit Essen versorgt wurde und das er durch den Verzehr von Glassplittern umkam.
Das sind Sachen, die nach Meinung Jungbluths nicht zu einem Selbstmord passen. Von einem solchen geht aber sein Vorgesetzter und dessen Vorgesetzter aus.
Im Zuge der Ermittlung muss Jungbluth allerdings feststellen, dass viele Menschen in der Umgebung von Herrn Moll Schuld auf sich geladen haben.

Dieser Roman besticht dadurch, dass es nicht Schlag auf Schlag geht. Die Handlung wird nicht gnadenlos vorangetrieben. Die ruhigen Töne, in denen das Buch verfasst ist, scheinen bewusst an der Grenze zur Langeweile entlanggehen zu wollen. Der Leser wird entführt in eine Welt, die er sehr wohl kennt, aber dennoch nicht richtig wahrnimmt.
Vor dem Hintergrund Mönchengladbachs und Umgebung spielt die Geschichte. Das ist die Wirkungsstätte von Kommissar Jungbluth und seine Kollegen. Jungbluth ist bei der Kriminalpolizei, genauer gesagt bei der Mordkommission. Begleitet wird er von einen Praktikanten namens Hajo Bergkamp. Sie beide ermitteln in diesem Fall.
Die Charaktere sind in diesem Buch sehr gut ausgearbeitet. Sie sind keine Überhelden, entsprechen keinen Klischees die einem sofort ein den Kopf schießen, wenn man das Wort „Mordkommission“ oder „Kommissar“ hört. Sie wirken sehr plastisch und natürlich, dadurch auch sehr realistisch. Jeder von ihnen hat seine Schwächen, Kanten oder auch die eine oder andere Leiche im Keller. Jungbluth ist ein unheimlich leidender Mann, der sein Leben nur noch als Teil lebt. Der andere Teil wirkt irgendwie abgestorben. Der Leser erfährt nach und nach, um was es sich handelt. Es macht Freude immer wieder die gleichen Aspekte in anderem Licht zu sehen, welche das Leben Jungbluths betreffen. Auch sein Kollege Bergkamp wird liebevoll beschrieben. Er ist Vater und passt zur Zeit verstärkt auf seine Tochter auf, da seine Frau ihre Staatsprüfungen absolviert.
Dieses und viele andere Details erfährt der Leser Stück für Stück. Der Fall „Moll“ ist an und für sich leider recht unspektakulär. Es sind die Dinge außen herum, die das Buch lesenswert machen. Das Umfeld um den Toten wird immer weiterbeleuchtet und fördert einiges zu Tage, auch einiges Unerwartetes. Ledigleich das Ende mag für Krimi-Fans irgendwie unbefriedigend sein, da kein Täter im eigentliche Sinne festgenommen wird. Es erscheint sogar fast, dass dem Autor kein besserer Abschluss für seine Geschichte eingefallen ist. Doch andererseits ist es genau das. Es ist eine gewöhnliche Geschichte unter vielen gewöhnliche Geschichten. Aber für einige Menschen sind eben genau solche Sachen nicht gewöhnlich.
Das Taschenbuch besticht durch seinen schwarzen Umschlag, auf dem auf der Vorderseite eine Zeichnung einer Frau, welche dem Betrachter dem Rücken halb zuwendet. Gestaltet wurde es von Peter Bucker.

Wer einen actiongeladenen Kriminalroman erwartet, in dem es einen gradlinigen Handlungsfaden gibt, mit einem eindeutigen Täter, der auch der gerechten Strafe zugeführt wird, sollte dieses Buch doch lieber stehen lassen.
Alles zusammen ergibt einen eher durchschnittlichen Kriminalroman, dessen Highlights eindeutig die Charakterbeschreibungen und deren Handlungen sind.


Wertung:

Gesamt:

Anspruch:

Spannung:

Brutalität:

Gefuehl:

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Infos:

Ort:

Deutschland

Zeit:

Gegenwart

Autor:

Güsken, Christoph

Verlag:

grafit

Erschienen:

01.08.2005

Kritiker:

Christoph Heibutzki

ISBN oder
ProduktID:

3-89425-312-6

Seiten:

236

Preis:

8, 95 €

Typ:

Taschenbuch

 

Güsken, Christoph

- geboren und aufgewachsen in Mönchengladbach
- studierte in Bonn und Münster, danach Buchhändler in Köln [mehr]




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