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Dea Mortis - Der Tempel der dunklen Göttin (Kritik)


Rezension von Arielen

Autor: Gößling, Andreas

Der 1940 in Chur (Schweiz) geborene H. R. Giger ist für seine düsteren surrealen Gemälde bekannt, die mit den Urängsten der Menschen spielen. Wie kein anderer Künstler vor ihm gab er düsteren Albträumen über die Verschmelzung von lebenden Wesen und Technologie Gestalt. Frauen und Männer oder Ungeborene sind Teil einer riesigen Maschinerie, die organisch wirkt.

Er inspirierte nicht wenige Autoren und Künstler. So auch Andreas Gößling. Der 1958 geborene Autor, der zuvor eher durch seine populärwissenschaftliche Werke über Engel, Drachen oder Voodoo bekannt geworden ist, hat mit „Dea Mortis“ ein Buch geschaffen, das weniger ein eigenständiger Roman, als eine Hommage an die düstere Welt des H. R. Giger ist.

Rick Nadar folgt dem Wunsch seiner schwangeren Freundin Rachel. Diese fühlt sich in der Großstadt New Providence nicht mehr wohl. Sie möchte eine Reise in das ländliche Umland unternehmen. Da der junge Mann ihr jeden Wunsch von den Augen abliest, packt er gleich die Koffer.

Schon auf der Fahrt verändert sich Rachel. Sie konzentriert sich immer mehr auf ihr ungeborenes Kind, für Rick scheint nur Platz in ihrer Aufmerksamkeit zu sein, wenn sie etwas von ihm will. So möchte sie erst in einem Motel namens "Hunters Castle" absteigen, überlegt es sich nach einem Spaziergang aber anders. und möchte viel lieber ins modernere "Python Resort". Rick gehorcht, auch wenn ihm die Reise immer unwirklicher erscheint. Er verdrängt seine Angst und die seltsamen Beobachtungen von schwangeren Models in abgrundtief hässlichen Umstandskleidern oder die labyrinthartigen Gänge des Hotels. Zunächst versucht er noch logische Erklärungen für die surrealen Geschehnisse zu finden, dann nimmt er alles hin.

Schließlich erreichen die beiden Reisenden das kleine Städtchen Idleton. Hier fängt der Albtraum erst richtig an. Ehe Rick sich versieht, verschwindet Rachel und der Besitzer des Motels wird ermordet. Das scheint jedoch niemanden in Idleton zu stören. Rick bleibt unbehelligt, aber auch allein mit den sich verändernden Gegebenheiten. Statt Wasser fließt eine warme, an Fruchtwasser erinnernde Flüssigkeit aus den Wasserhähnen und überall ist Schleim und Schlamm.
Rick begibt sich auf die Suche nach Rachel, nur um sich durch ein Horrorszenario zu bewegen. Die Stadt verwandelt sich schleichend in ein organisches Gebilde. Vergangenheit und Gegenwart vermischen sich, Frauen verschwinden und tauchen als Dienerinnen einer dunklen Schlange wieder auf, Männer werden als Opfer dargebracht, und dann lockt ihn eine geheimnisvolle Asiatin auch noch in die Tiefen der Erde.

"Dea Mortis" ist kein Roman, der durch seine Handlung überzeugt. Diese verläuft sehr geradlinig und bietet keine überraschenden Wendungen. Die Charaktere, allen voran Rick und Rachel bleiben schemenhaft und oberflächlich, an ihrem Schicksal nimmt man keinen Anteil. Statt dessen bietet Andreas Gößling dem Leser eine Aneinanderreihung szenischer Stimmungsbilder. Es gelingt ihm die Ausstrahlung der mehr als fünfzig im Buch verteilten Gemälde H. R. Gigers einzufangen und plastisch auszugestalten. Durch die Beschreibungen kann man sich die Szenerie, durch die sich sein Held bewegt sehr genau vorstellen.

"Dea Mortis" spielt mit Urängsten. Lillith, die dunkle Mutter, hat die Macht übernommen. Im Zeichen der Schlange macht sie die Männer zu Opfern und formt die Frauen nach ihrem Bild, während sie in den Leibern der schwangeren Frauen ihre dunkle Brut heran züchtet. Eine düstere Maschinerie - Metall und Fleisch zugleich ist ihr Werkzeug. Schleim, Urschlamm und Fruchtwasser umgeben sie, sie bringt kein Leben hervor, nur Dunkelheit und Tod.

Das Buch richtet sich damit vor allem an Leser, die dieses klassische Motiv und die Visionen von H.P. Lovecraft mögen oder Fans der Bilder von H. R. Giger sind, jedoch nicht so viel Wert auf eine komplexe Handlung legen.

Der edel aufgemachte Roman - ausgestattet mit einem Schutzumschlag im Foliendruck, schwerem Kunstdruckpapier im Inneren - ist durch die vielen Bilder ein halbes Portfolio, sehr geschmackvoll gestaltet, und damit durchaus sein Geld wert..


Wertung:

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Anspruch:

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Produkte (Gößling, Andreas):
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Verlag:
Knaur

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Infos:

Autor:

Gößling, Andreas

Verlag:

Knaur

Erschienen:

01.11.2005

Kritiker:

Arielen

ISBN oder
ProduktID:

3426662000

Seiten:

304

Preis:

22,90 €

Typ:

Hardcover

 

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