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Die 1958 in Düsseldorf geborene Susanne Gerdom zählt zu den erfolgreichsten und vielversprechendsten deutschen Fantasy-Autorinnen. Sowohl ihre Anida-Trilogie als auch ihre Einzelromane wie „Elbenzorn“ oder „Die Seele der Elben“ begeisterten Jung und Alt. Dabei begann Susanne Gerdom in einer Lehre ursprünglich eigentlich damit zu lernen, die Werke anderer richtig zu verkaufen, anstatt selbst zu Stift und Papier zu greifen. Doch der Beruf der Buchhändlerin sagte ihr nicht wirklich zu, deshalb sattelte sie vorerst zum Theater und der Pantomime um. Sogar als Schauspielerin und Regisseurin war Susanne Gerdom einige Jahre in Düsseldorf tätig, bis sie schließlich doch wieder bei der Schriftstellerei landete. In ihrem neuesten Roman „Der Nebelkönig“, im Juli 2010 bei Ueberreuter erschienen, knüpft die Autorin an ihren bisherigen Stil an und erschafft ein All-Age-Fantasyabenteuer, welches sich ganz sicher nicht hinter ihren bisherigen Werken zu verstecken braucht.
Die junge Sallie arbeitet Tag ein, Tag aus als Küchenmädchen in einem riesigen Herrenhnaus, welches durch seine verwinkelten Gänge, endlosen Korridore und verlassenen Zimmern immer wieder Überraschungen für sie bereithält. Doch auch in der fast täglich besuchten Bibliothek kann Sallie in eine Welt voller Abenteuer eintauchen. Ständig bringt ihr der schrullige Bibliothekar Uhl neues Lesefutter, das von der Geschichte des Nebelkönigs und der Katzenkönigin, seiner Gegenspielerin, erzählt. Denn der Nebelkönig wuchs als sehr begabter Thronfolger auf, wurde allerdings durch Habgier maßlos und böse. Um seiner Zerstörungswut und seinem Rachefeldzug Einhalt zu gebieten, sperrte die Katzenkönigin ihn und seine Anhänger an einen Ort ein, an dem die Zeit nicht existiert. Fortan musste der grausame Nebelkönig sein Dasein an einem unbekannten Platz fristen, ohne zu altern, ohne die Jahreszeiten mitzuerleben und ohne einen Ausweg zu finden. Anfänglich begeistert die abenteuerliche Geschichte die aufgeweckte Sallie, doch nach und nach fängt die Realität an, sich mit dem Erzählten aus den Büchern zu vermischen. Als sie eines Abends als Serviermädchen auf einem Festessen eingesetzt wird, muss sie mit ansehen wie die Anwesenden gegenseitig um ihr Leben spielen. Kurz darauf sind alle ehemaligen Mitspieler quicklebendig wieder bei einem Festessen anzutreffen. Und auch ihre Freunde, Uhl, die beiden Katzen Kaltrina und Lucan sowie der verwahrloste Junge Redzep, den sie bei einem ihrer Ausflüge im Kellergewölbe entdeckt hat, beginnen, sich merkwürdig zu verhalten. Langsam aber sicher gerät Sallie’s Welt aus den Fugen: Warum weiß sie nicht, wann sie ihren 14. Geburtstag feiert oder wer ihre Eltern sind? Warum ist der Himmel über dem Anwesen ständig nebelverhangen, und was existiert überhaupt außerhalb des Herrenhauses?
Susanne Gerdom bietet ihren Lesern in „Der Nebelkönig“ ein äußerst spannend geschriebenes Werk, welches einige Überraschungen bereithält. Wie ein Puzzlestück setzen sich die unterschiedlichen Ereignisse zusammen und erschaffen erst gegen Ende des Romans ein Gesamtbild, auch wenn der Leser vorher schon Einiges erahnen kann. Dabei beginnt die ursprüngliche Geschichte um Sallie ganz harmlos, werden doch ihr Tagesablauf als Küchengehilfin, ihre alltäglichen Probleme und Ängste und ihre Beziehung zu den unterschiedlichen „Mitbewohnern“ des Anwesens erläutert. Besonders witzig ist hierbei, dass erst nach und nach klar wird, wer ihre Freunde eigentlich sind – nämlich ein Uhu, zwei Katzen und eine ehemalige Ratte. Diese Information wird dem Leser nicht geheimnisvoll enthüllt, sondern vielmehr beiläufig erwähnt, wodurch Überraschungen und Spannung garantiert sind. Und nicht nur, dass die unterschiedlichen Charaktere, Sallie eingeschlossen, nicht zwangsläufig menschliche Wesen sein müssen, sie sind auch sonst nicht immer das, was sie zu sein vorgeben. So entsteht nicht nur für den Leser ein spannendes Abenteuer, sondern auch für die unbedarfte Sallie, die nach und nach den entscheidenden Part in einem verzwickten Rätsel spielt. In welcher Zeit oder Epoche die Erzählung angelegt ist, lässt sich interessanterweise nur schwer einschätzen. Das Herrenhaus hat sowohl Ähnlichkeiten mit einer mittelalterlichen Burg als auch mit einem viktorianischen Anwesen. Zusätzlich werden fantastische Elemente wie Wolfsköpfe, die Dinge transportieren können, magische Spiele und sprechende Tiere eingeflochten. Fans von zauberhaften Abenteuern, in denen Kinder und Jugendliche die Hauptrolle spielen, werden hier also voll auf ihre Kosten kommen. Hierbei ist die Altersempfehlung ab 14 Jahren durchaus gerechtfertigt. Denn Jugendliche können in diesem Alter besonders gut mit der gleichaltrigen Sallie mitfiebern; der Roman beinhaltet auch einige gruselige und teils gewalttätige Szenen. Die Autorin bedient sich stets einer zwar sehr bildhaften und anschaulichen Sprache, der Schreibstil selbst ist allerdings relativ einfach gehalten. Unkomlizierte, leicht zu verstehende Hauptsatzkonstruktionen schildern sowohl Sallie’s Umwelt als auch ihre Gedanken und geben so einen gut nachvollziehbaren Einblick in ihr Leben. Leider schleichen sich im Laufe der Erzählung ab und an Wortwiederholungen, besonders das Wörtchen „Ruck“, ein. Auch das kitschige, etwas abrupte Happy End zum Schluss ist nicht jedermanns Geschmack, fügt sich aber gut in das Gesamtbild eines All-Age-Fantasyromans ein.
Nichtsdestotrotz bietet „Der Nebelkönig“ spannende Unterhaltung für Jung und Alt, beherbergt der Roman doch nicht nur eine sehr sympathische und nachvollziehbar agierende Hauptperson, sondern auch ein überaus geschickt konstruiertes Rätsel zum Mitknobeln. Schließlich können Feinde schnell zu Freunden, Verbündete aber auch zu Gegnern werden und Bücher müssen nicht immer die ganze Wahrheit erzählen. Nichts ist also so, wie es scheint.
Gesamt:
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Autor:
Gerdom, Susanne
Verlag:
Ueberreuter
Erschienen:
01.07.2010
Kritiker:
Johanna Grabow
Sprache:
Deutsch
ISBN oderProduktID:
9783800055661
Seiten:
336
Preis:
14,95 €
Typ:
Hardcover
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