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Bluttrinker (Kritik)


Rezension von Johanna Grabow

Autor: Bellem, Stephan R.


Aus der Reihe "Die Chroniken des Paladins"

Stephan R. Bellem ist in der Fantasy-Szene schon lange kein unbeschriebenes Blatt mehr. Als 2007 seine Reihe „Die Chroniken des Paladins“ (kurz CdP) erschien, begeisterte sie Fans wie Kritiker gleichermaßen. Um diesen Erfolg nun noch zu steigern, erschien Anfang 2010 das Prequel „Bluttrinker“ zur Trilogie, welche zahlreiche Hintergrundinformationen zur Serie bietet, allerdings auch eine ganz eigene Geschichte erzählt. Somit liegt mit „Bluttrinker“ ein unterhaltsames Werk über den Kontinent Kanduras für interessierte Neueinsteiger vor; aber auch alteingessene CdP-Fans werden ihre Freude an diesem Werk haben.

Dem Kontinent Kanduras und seinen Bewohnern stehen schwarze Zeiten bevor. Denn nachdem der Göttervater Aurelion von seinen eigenen Kindern in die Niederhöllen verbannt wurde, scheint der Frieden nur allzu trügerisch. Als sich der Göttervater schließlich ein Gefäß im hilflosen Menschen Andrul sucht und diesen zu Karandras, seinen gnadenlosen Diener, verwandelt, beginnt sich die düstere Vorhersehung zu bewahrheiten. Karandras soll alle Wesen Kanduras vereinigen und Aurelion selbst als Gott wiederauferstehen lassen.
So sammelt dieser erst eine schier unbesiegbare Armee aus Trollen sowie später zusätzlich aus Goblins und verschanzt sich in der ehemaligen Zwergenstadt Dulbar. Doch nicht alle folgen ihm bedingungslos oder lassen sich zum „richtigen“ Glauben bekehren. Erst die Erschaffung eines sowohl mächtigen, als auch gefürchteten Seelenfängers soll auch die letzten Wesen auf Karandras und somit Aurelions Seite zwingen.
Auf der anderen Seite hingegen, im hohen Norden des Kontinents, kämpfen die verstreuten Menschen mit Uneinigkeit, Stammesfehden und den immer häufiger werdenden Übergriffen der Orks und Barbaren. Ein gemeinsamer König für alle Menschen würde endlich die lang ersehnte Einheit bringen. Der weise Zauberer Gordon und der Elf Faeron sind der Meinung, dass diese Rolle Barsjk zusteht, der ein würdiger Herrscher im Norden werden könnte. Das perfekte Gegengewicht für Karandras andererseits soll der einfache Bauer Throndimar werden. Indem dieser den Glauben und die Hoffnung der Menschen bündelt, können er und seine Armee Karandras als mächtige und nicht bekehrbare Gegenspieler entgegentreten.
Als sich beide Armeen sammeln und vor den Todfelsen aufeinander treffen, beginnt der Kampf um den Kontinent Kanduras.

Stephan R. Bellem erschuf mit „Bluttrinker“ einen gut durchdachten und opulenten Roman, welcher alles beinhaltet, was das Fantasyherz begehrt: verschiedene Völker, große epische Schlachten, einen Hauch Magie und eine tragische Liebesgeschichte. Die Protagonisten müssen folgenschwere Entscheidungen treffen, die über ihr zukünftiges Schicksal und ihre geliebte Heimat entscheiden werden. Zwar helfen ihnen bei ihren Bestrebungen die Götter, denn der Glaube allein kann diese besiegen oder beflügeln, doch am Ende liegen die Geschicke ganz allein bei den einzelnen Personen. So ist die Idee eines von Gott gesandten Dieners und unerschütterbaren Glaubens zwar nicht gänzlich neu, allerdings sehr originell umgesetzt.
Auch die altbekannte, doch bunte Mischung verschiedenster Völker bringt viel Farbe in den Roman. So tummeln sich Menschen neben Orks, Trollen, Goblins, Elfen, Zwergen, und selbst die mächtigen Drachen werden am Rande erwähnt. Dabei versieht Bellem seine Figuren auch mit einigen erfrischenden Ideen, um sie nicht allzu klischeehaft wirken zu lassen. Seine Trolle zum Beispiel verfügen über erstaunliche Selbstheilungskräfte und werden so zu schier unbesiegbaren Gegnern, bescheren dem Leser allerdings auch einige viel zu blutige und unappetitliche Szenen. Auch die sehr detailliert und besonders gegen Ende des Romans häufig geschilderten Schlachtszenen sind nichts für sanfte Gemüter und Fans von gut ausgebauten Dialogen oder Landschaftsbeschreibungen.
Nichtsdestotrotz ist „Bluttrinker“ ein gut durchdachter und ausgebauter Roman, welcher sehr flüssig und angenehm zu lesen ist. Die Ängste und Antriebe der einzelnen Charaktere werden anschaulich und nachvollziehbar geschildert. So trifft der Leser auf unterschiedlichste Wesen, die von der ganzen Bandbreite der Gefühle angetrieben werden: Ruhm, Ehre, Verzweiflung, Rache, Liebe oder Hoffnung.
Auch die zahlreichen Handlungsstränge werden am Ende der über 400 Seiten geschickt miteinander verknüpft und ergeben eine stimmige Einheit.
Einzig der etwas plump und naiv wirkende Held Throndimar stört den Leser mit seinen ständigen „Nemena“-Schlachtrufen, und einige Handlungsstränge verkümmern im Laufe des Romans leider zunehmend. So hätte ich zum Beispiel gerne noch mehr über die schillernde Welt der Elfen und deren Reaktion auf die Geschehnisse erfahren.
Um das gelungene Bild des Prequels abzurunden, findet der interessierte Leser zudem eine Karte vom Kontinent Kanduras, eine sehr lohnenswerte Chronik über die Ereignisse vor und nach den Geschehnissen und ein Register mit allen handelnden Personen.

Fazit: Ein wirklich gut durchdachter, lohnenswerter Roman für alle Fantasybegeisterten, welcher mit etwas weniger blutigen Schlachtszenen die 5 Sterne sicherlich verdient hätte.


Wertung:

Gesamt:

Anspruch:

Spannung:

Brutalität:

Aufmachung:

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Produkte (Bellem, Stephan R.):
Tharador
Band 2: Das Amulett
Band 3: Das Buch Karand

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Infos:

Serie:

Die Chroniken des Paladins

Autor:

Bellem, Stephan R.

Verlag:

Otherworld

Erschienen:

01.01.2010

Kritiker:

Johanna Grabow

Sprache:

Deutsch

ISBN oder
ProduktID:

9783800095155

Seiten:

435

Preis:

16,95 €

Typ:

Taschenbuch

 

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