Rezension von Julia
Bücher wie Abby Lynn haben den Anfang gemacht und gezeigt, dass Romane rund um Mädchen, die nach Australien auswandern und dort leben und vor allem überleben müssen, durchaus erfolgreich sein können. In dem Roman „Der Pfad der roten Träume“ wird dieses Thema erneut aufgegriffen und neu verarbeitet.
Wir befinden uns im neunzehnten Jahrhundert in Bristol, wo die elternlose Lucy hart für ihren Lebensunterhalt arbeiten muss. Das macht sie bei einem mürrischen Referent, der ihre Leistung nicht wirklich zu schätzen weiß und wo sie anfängt, von einem anderen Leben zu träumen. Ihre beste Freundin Anne lebt in einem Waisenhaus und fristet ein noch deprimierenderes Dasein als Lucy. Als der Referent schließlich unerwartet stirbt, sehen die beiden Mädchen ihre Chance gekommen, um ein neues Leben zu beginnen und das am besten in Australien, wo es, wie sie gehört haben, möglich ist, noch einmal von vorne anzufangen und mit Arbeit auch etwas zu erreichen. So machen sie sich im Grunde bei Nacht und Nebel auf und nehmen die aufreibende Schifffahrt in Kauf, um in das Land mit der roten Erde zu kommen. Dort angekommen wohnen sie in Perth, wo sie in einer Mission Unterschlupf finden. Lucys Leben verkompliziert sich jedoch, als ihre Freundin stirbt und sie vollkommen auf sich allein gestellt ist. Ein Farmer und dessen Sohn nimmt das Mädchen schließlich auf. Dort lernt sie nicht nur die schwere Arbeit kennen, die man in Australien aufbringen muss, um zu überleben, sondern tritt auch in Kontakt mit den Aborigines, die immer wieder Opfer diverser Anfeindungen der Zuwanderer werden und sich nicht dagegen erwehren können. Lucy bekommt diese Anfeindungen mit und tritt für diese ein, auch wenn sie dabei merkt, wie sie an ihre eigenen Grenzen kommt. Während sie Gefühle für den Sohn ihres Retters entdeckt, muss sie feststellen, dass auch sie ein Opfer der Anfeindungen wird und langsam aber sicher ebenfalls in eine Außenseiterrolle gedrängt wird und damit in Gefahr gerät.
Hier liegt ein Buch für jüngere Jugendliche vor, das merkt man an seiner Aufmachung und der Vermittlung des Themas, da diese einige Lücken aufweist und gelegentlich einfach zu simpel ist, als dass Erwachsene es bedingungslos lesen könnten. Auch werden einige Punkte nicht vollständig aufgegriffen, sondern eher lapidar unter den Tisch gekehrt, manche verharmlost. Dennoch lebt dieser Roman von seinen Darstellungen gerade der widrigen Lebensumstände und der Ungerechtigkeiten, die man erst in England, dann in Australien mit Lucy zusammen erleiden muss und erlebt. Auch die Rolle der Frau, die damals keinen allzu großen Raum eingenommen hat, wird auf diese Weise vermittelt. Einige geschichtliche Hintergründe, von denen man sich etwas mehr hätte erhoffen können, werden dabei nicht ganz so eingehend dargestellt, doch wenn man bedenkt, dass es nach wie vor ein Jugendbuch sein soll und eben keines für Erwachsene, ist das noch tragbar.
Der Stil der Autorin ist flüssig und ansprechend, man hat das Buch recht schnell durchgelesen und kann die Geschichte gespannt verfolgen. Dabei nimmt auch eine kleine Liebesgeschichte Einzug in das Buch, auch wenn diese nie in den Mittelpunkt rückt, sondern vielmehr schmückendes Beiwerk bleibt.
Alles in allem liegt hier ein ansprechender und durchaus spannender Roman für Jugendliche vor, die ein wenig etwas über Australien erfahren möchten, eine leise Liebesgeschichte erfahren und den Weg einer jungen Frau miterleben möchten, die lernen muss, auf schmerzhafte Art und Weise erwachsen zu werden.