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Thomas L. Friedman ist ein bekannter Journalist in den USA, der sogar sein eigenes Populär-Wirtschaftsmagazin im Fernsehen moderiert. Entsprechende Aufmerksamkeit hat auch sein neues Buch bekommen: "Die Welt ist flach", auf dem Umschlag gleich durch eine auf das Format einer Münze reduzierte Welt visualisiert. Äußerlich spricht das Buch der Titelthese Hohn, über 700 Seiten ist der Wälzer stark. Globalisierung 3.0 ist das Thema, dem sich Friedman widmen will. Wenn der geneigte Leser nun nicht weiß, was gemeint ist: keine Bange. Es handelt sich um eine Schöpfung Friedmans selbst, die er gleich zu Beginn seines Buchs auch ausführlich erläutert.
Demzufolge teilt sich der Prozess Globalisierung in drei Phasen, die bereits seit langer Zeit tätig sind. Die erste Phase, Globalisierung 1.0 etwa von 1492 bis 1800, ließ die entstehenden Staaten ihren Platz in der Welt finden, ihre Stärken nutzen und Wettbewerbsvorteile gewinnen. Durch die Entdeckungen wurde die Welt kleiner. Die zweite Phase, Globalisierung 2.0, erstreckt sich von 1800 bis etwa 2000 und brachte mit den transnationalen Konzernen neue Handlungstreibende Figuren auf den Plan. Sie standen untereinander in Wettbewerb und verflochten die Welt so immer mehr miteinander. Die Globalisierung 3.0 schließlich erleben wir demzufolge gerade eben. Sie ist gekennzeichnet durch einen rapiden Fortschritt der Kommunikationstechnologie, die die Welt noch enger zusammenrücken lässt. Die Kosten für Kommunikation sinken drastisch, der Einzelne kann viel mehr Einfluss auf seine Geschicke nehmen als vor ehedem, indem er sich der Kommunikationskanäle bedient und sie zu seinem Vorteil nutzt – schneller und effizienter, als es ein schwerfälliges Unternehmen je könnte. Es ist offensichtlich, dass Friedman eine sehr positive Sicht auf die Globalisierung hegt. Für ihn ist sie ein schöpferischer Prozess, der jedem Einzelnen erlaubt, alles zu geben und dann Erfolg zu haben. Obwohl ein signifikanter Teil des Buches sich mit dem Platzen der Dot-Com-Blase im um die Jahrtausendwende beschäftigt, scheint der Autor bisweilen in dem Aufbruchseuphorismus dieser Zeit verhangen zu sein. Kritische Gedanken wie die eines Dirk Kurbjuweit und seines „Unsere effiziente Gesellschaft“ fehlen hier völlig. Dass Off-Shoring und Out-Sourcing die Personalkosten eines Unternehmens reduziert ist jedem wohlbekannt; dass dadurch im Heimatland des Unternehmens unzählige Arbeitsplätze verschwinden allerdings auch. Friedman tut das mit dem einfachen Satz ab, dass die Weberindustrie auch einmal eingegangen ist, ohne dass die Welt gleich unterging. Das mag schon sein, Herr Friedman, aber für die betroffenen Weber ging die Welt sehr wohl unter. Da hilft ihren hungernden Familien auch wenig, dass dafür zwanzig Jahre später neue Industrien entstanden – mit neuen Arbeitsplätzen. Von irgendwelchen Hilfen oder Übergangslösungen hält der Markt-Radikalist nichts – die große und freie Martkwirtschaft wird es schon richten, denn ihr verdanken wir alle heutigen Genüsse. Friedman erzählt dann auch die Entstehung der Globalisierung 3.0 an zehn verschiedenen Ereignissen nach, die alle irgendwie mit Firmen verbandelt sind. Sei es der Börsengang von Netscape, sei es die Strukturreform von UPS oder das Verteilungssystem bei WalMart – Friedman findet allerlei Beispiele, in denen die neue Technik Wunderwelten eröffnet. Dass bei diesen Wunderwelten der Mensch regelmäßig zu kurz kommt, stört ihn dabei nicht. Stattdessen macht er lieber ausgiebig Werbung für die betroffenen Unternehmen. Über 100 Seiten lang darf der Leser sich anhören, wie toll Unternehmen XY dieses und jenes macht – Namedropping der übelsten Sorte. Normalerweise bekommt man Geld für Werbung und bezahlt es nicht. Allzuviel Substanz findet sich dabei nicht, ein Schema, das sich durch das gesamte Buch zieht. Friedman redet viel und sagt doch wenig. Allein 50 Seiten braucht er, um die These der Globalisierung 3.0 aufzustellen, über 150 Seiten lang macht er Werbung für Unternehmen – und dann hat der Leser noch weitere 500 Seiten voller Plattitüden vor sich, die aus einem beliebigen Spiegel-Artikel zusammengeschnitten sein könnten. Nur hat dort der Spuk nach spätestens vier Seiten meist ein Ende.
Die Welt mag flach sein, der Schmöker, den Friedman dazu verfasst hat, ist es nicht. Was er auf 700 Seiten zu Papier bringt, hätte locker auf 200 gepasst. Aber dann würde er vermutlich seinem Image nicht gerecht werden, denn zumindest in den USA ist Friedman wegen der von ihm moderierten Sendungen sehr populär und ein gern herumgereichter Experte. Die globalisierungseuphorischen Berichte bekommt man hierzulande jedoch im Spiegel auf ähnlich niedrigem Niveau – verliert dabei aber deutlich weniger Zeit und kann auch noch hübsche bunte Bildchen anschauen.
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Autor:
Friedman, Thomas L.
Verlag:
Suhrkamp
Erschienen:
01.08.2008
Kritiker:
Stefan Sasse
Sprache:
Deutsch
ISBN oderProduktID:
9783518418376
Seiten:
713
Preis:
26,80 €
Typ:
Taschenbuch
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