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Das Mädchen, das Löwen sah (Kritik)


Rezension von Charly Koke

Autor: Doherty, Berlie; Fritz, Franca (Übersetzer); Koop, Heinrich (Übersetzer)

Adoption ist ein Thema, das heutzutage immer häufiger angesprochen wird, gerade auch weil Adoption durch berühmte Paare wie Brad Pitt und Angelina Jolie sozusagen im Mittelpunkt des Interesses steht. Gerade die Adoption von Kindern aus anderen Ländern wird durch die beiden fokussiert. Und genau dieses Thema – nur speziell für afrikanische Kinder – hat Berlie Doherty als Grundlage für ihren Roman „Das Mädchen, das Löwen sah“ genommen.

Abela lebt in einem kleinen Dorf in Tansania. Ihre Mutter und ihre kleine Schwester sind beide schwer krank und der Vater starb kürzlich. Sie geht mit ihrer Mutter ins Krankenhaus, muss aber feststellen, dass ihnen auch dort nicht geholfen werden kann und bleibt letztlich ganz allein mit ihrer Oma über. Eines Tages kommt ihr Onkel vorbei, den sie nicht mag. Er schleust sie nach England mit seiner Frau, die er kurz zuvor nicht ganz rechtens geheiratet hat. Doch Susie mag Abela nicht und als immer deutlicher wird, dass er nicht mehr nach England kommen wird, beginnt für Abela eine schlimme Zeit. Als die Behörden auf sie aufmerksam werden, wird es nur minimal besser…
Rosa lebt mit ihrer Mutter zusammen und ist sehr glücklich so. Doch dann kommt ihre Mutter mit der Idee, dass sie ja ein kleines Mädchen adoptieren möchten. Rose findet diese Idee absolut doof, doch als sie ihrer Mutter nach einiger Zeit dann die richtigen Fragen stellt, wird ihr so einiges klar und sie hat nichts mehr dagegen. Doch es findet sich kein passendes Mädchen und so kommt ein kleiner Junge zu ihnen, den Rosa vom ersten Tag an hasst, bis etwas schlimmes geschieht…

Das stabile Hardcover ist schön gemacht, mit einem silbernen Lesebändchen und einem eher schlichten, aber doch sehr aussagekräftigen Schutzumschlag. Der Schreibstil ist faszinierend, besonders da sich drei Sichtweisen mischen. Die eine ist Abelas Ich-Sicht, welche sich mit Rosas Ich-Sicht abwechselt, doch bisweilen wird Rosas Leben auch aus der dritten Person beschrieben. Man kann sich denken, dass Rosa und Abela am Ende Schwestern sein werden, doch der Weg dorthin ist steinig und man erfährt erst allerlei anderes.
Rosa ist nicht absichtlich böse, doch sie muss sich erst an den Gedanken gewöhnen, mit sich selbst klarkommen und ihre Probleme erkennen, ehe sie diese in Angriff nehmen kann. Genauso muss sie den kleinen Bruder erst einmal lieb gewinnen und mag ihn nicht von Anfang an. Ein großer Einschnitt fand in ihrem Leben statt und Berlie Doherty schafft es, ihre Veränderungen, ihr Denken und ihre Sorgen so herüberzubringen, dass man sie nachvollziehen kann. Außerdem begreift man, dass selbst mit dem Wunsch, jemandem zu helfen, nicht alles sofort klappen muss. Adoption ist schwierig und man braucht immer die richtige Familie für ein Kind. Durch die Sozialarbeiterin Frau Carrington versteht man, dass es neben Abela viele, viele andere Kinder gibt, die auch eine Familie suchen und dass man jeden „Fall“ einzeln betrachten muss und niemals vergessen darf, dass es nicht nur ein „Fall“ ist, sondern immer ein Kind, über das man spricht und meistens eines, das schreckliche Dinge hinter sich hat.

Nach der Danksagung findet sich ein Nachwort von Hanna Jansen, welche einige allgemeinere Informationen zu Aids und Afrika, Kinderrechte und ihr Leben eingebunden hat.
Ein wenig irritierend ist, dass Abelas Eltern gesund waren, als sie Abela bekamen, dann aber beide Aids haben. Im Nachwort wird darüber aufgeklärt, dass man sich nur von Wunde zu Wunde anstecken kann und so fragt man sich schon, wie sich beide Eltern Abelas angesteckt haben. Denn es fehlt ein Hinweis darauf, wie leicht man sich beim Sex anstecken kann, wenn kein Kondom benutzt wird. Wahrscheinlich hat Hanna Jansen darauf verzichtet, weil dies ein Kinderbuch ist, doch gerade bei einem so ernsten Thema wäre dieser Hinweis sinnvoll gewesen. Besonders Teenagern wird nicht klar sein, dass man Sex mit „Wunde zu Wunde“ quasi gleichsetzen darf.
Sehr schön ist, dass auch das Thema Beschneidung kurz am Rande thematisiert wird. Man erfährt, dass Beschneidungen in Afrika sehr üblich sind, obwohl große Schmerzen erlitten werden müssen und oftmals Kinder dabei sterben. Gleichzeitig wird durch Abela aber auch angedeutet, dass sich diese Tradition mittlerweile ändert und es zwar für viele zu spät ist, aber die jüngeren Generationen jetzt nicht mehr unbedingt an dieser Tradition festhalten.

„Das Mädchen, das Löwen sah“ ist eine gefühlvoll geschriebene Geschichte um zwei kleine Mädchen, die kaum unterschiedlicher sein könnten von ihren Lebensumständen her, und im Herzen doch fast gleich sind. Nebenbei wird auf verschiedene Problematiken in Afrika aufmerksam gemacht, was Kinder zum Nachdenken anregt.


Wertung:

Gesamt:

Anspruch:

Spannung:

Brutalität:

Aufmachung:

Gefuehl:

Humor:

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Verlag:
Arena

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Infos:

Autor:

Doherty, Berlie

Co-Autor:

Fritz, Franca (Übersetzer); Koop, Heinrich (Übersetzer)

Verlag:

Arena

Erschienen:

01.01.2008

Kritiker:

Charly Koke

Sprache:

Deutsch

ISBN oder
ProduktID:

978-3401062402

Seiten:

255

Preis:

12,95 €

Typ:

Hardcover

 

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