Rezension von Jens Fleischhauer
Immer wieder gibt es Erzählungen über Menschen die andere Menschen umbringen. Manchmal sind dies sogar wahre Massenmörder, aber selten gelingt es einem Autor eine Figur zu konzipieren, die sich durchweg von den anderen Mördern unterscheidet. Hinzu kommt, dass die Perspektive häufig die der Opfer, Betroffener oder Ermittler ist und die Sicht des Täters nur hin und wieder aufgegriffen wird.
Auch Rex Miller verwendet nicht nur den Blickwinkel von Chaingang , seinem literarischen Täter, sondern bringt Opfer und Ermittler mit ins Boot. Aber die Sicht aus den Täters Augen kommt in dieser Erzählung häufig vor als in vielen anderen. Zudem ist Chaingang ein besonderer Charakter, der sich durchaus von anderen stark abhebt.
Chaingang, das ist ein überaus fetter Mann, der ein sehr unschuldiges Gesicht hat. Wie ein Mörder wirkt er nicht, schon gar nicht wie ein Massenmörder. Dies macht ihn auch so erfolgreich, denn ein Kerl wie er, der harmlos wirkt, kommt leicht an Opfer. In seiner Vergangenheit ist er immer wieder kriminell geworden, dafür bekam er harte Strafen, wurde aber schließlich für ein Regierungsprogramm rekrutiert. Im Vietnamkrieg entschied man sich, dass man ein Kommando hervorragender Killer benötigt, die alleine operieren und viele Menschenleben vernichten können. Chaingang war einer von denen, die zu solch einem perfekten Killer ausgebildet wurden und er brachte schon die perfekten Anlagen dazu mit. Er ist ein Präkognat, was auch immer dies genau ist, es macht Chaingang zu einem wahren Monster. Schmerzen machen ihn wenig aus, seine Sinne sind enorm scharf und ein Gegner kann ihn kaum überraschen. Dazu kommt seine Brutalität und sein Hang, oder besser seine Liebe zu Gewalt und zum Töten.
Im vietnamesischen Dschungel wahllos zu töten ist eine Sache, aber das man damit nicht in „freier Natur“, also außerhalb eines Krieges, herumlaufen kann, ist schnell klar. Chaingang muss sich absetzen bevor er gejagt wird, denn ein perfekter Killer muss unter Kontrolle stehen, dies steht aber seinem Hang zum Töten im Wege. Es hat diesen Schritt aber geschafft und befindet sich nun in den USA, reist dort umher und begeht Morde. Er tötet ziellos Menschen, entfernt diesen das Herz und isst es auf. Damit kommt er selbstverständlich in die Schlagzeilen und man reagiert. Der beste Experte für Serientäter wird an diesen Fall gesetzt. Doch alles läuft nicht so, wie es laufen soll. Politischer Druck sorgt dafür, dass die Morde als aufgeklärt bezeichnet werden, obwohl man sicher ist, den wahren Täter nicht zu haben. Zudem bahnt sich eine Beziehung zwischen dem Polizeiexperten und der Witwe eines der Opfer an. Beide werden, da die spektakulären Fälle als aufgeklärt gelten, in die Öffentlichkeit gezogen. Aber der wahre Täter wird dadurch nur zornig, man will ihm seinen Ruhm wegnehmen und dank der Medien hat er die perfekten Ziele für seine Wut.
Fettsack ist ein Roman, der sicherlich ein wenig an einen Krimi erinnert, bei dem Kriminalfälle und deren Aufklärung aber nicht im Vordergrund stehen. Vielmehr stehen Chaingang und die Polizei im Wettkampf, der später zu einem Zweikampf zwischen Chaingang und dem Experten wird. Neben Chaingang selbst ist der Polizeiexperte die zweite Hauptperson der Erzählung. Dabei wird nicht nur die direkte Konfrontation beider thematisiert, diese ist vielmehr in eine weitere Handlung eingebettet, in der einerseits die Aufklärung der Morde und die persönliche Entwicklung des Polizisten beschrieben werden und andererseits das aktuelle Vorgehen Chaingangs und dessen Vergangenheit. Die Protagonisten haben eine Vergangenheit, die nach und nach aufgebaut wird. Insgesamt wirken die Charaktere sehr lebendig, sodass man, trotz seiner brutalen Art, Chaingang als eine der Hauptfiguren schätzen lernt, der das Töten zu einer Wissenschaft gemacht hat. Aber man bekommt klar die Spannung mit, die sich daraus ergibt, dass es zur offenen Konfrontation zwischen den Protagonisten kommt.
Mit Brutalität und an einigen Stellen auch Sex wird nicht gespart, dabei wird beides nicht im Stile Laymons beschrieben; Gewaltexzesse werden nicht um ihrer selbst Willen, sondern sehr gut in die Handlung und motiviert dargestellt. Dies ist etwas, was man bei Laymon beispielsweise häufig vermisst. Die Brutalität erscheint somit nicht so stark und wirkt literarisch ansprechender. Insgesamt steht dadurch weniger die gewalttätige Handlung, als die Figuren, die sie ausüben und erleiden im Vordergrund.
Sowohl stilistisch als auch inhaltlich ist das Buch sehr gelungen. Die Spannung ist durchweg hoch, die Charaktere lebendig und originell. Phasenweise wirkt das Buch leicht in den Horrorbereich abgleitend, stellt ansonsten aber einen actionreichen Roman dar, der mit derselben Explosivität daher kommt, mit der Chaingang in der Geschichte agiert. Eine sehr gelungene Erzählung, über einen sehr skrupellosen, brutalen und auf seine Weise einzigartigen Killer, dessen Ende nicht ganz eindeutig und daher umso gelungener ist.
Wertung:Gesamt:
Anspruch:
Spannung:
Brutalität:
Aufmachung:
Erotik:
Gefuehl:
Humor:
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Infos:Serie:
Phantasia Paperback Crime
Autor:
Miller, Rex
Verlag:
Edition Phantasia
Erschienen:
01.05.2008
Kritiker:
Jens Fleischhauer
Sprache:
Deutsch.
ISBN oder ProduktID:
9783937897301
Seiten:
269
Preis:
15,90 €
Typ:
Taschenbuch