Rezension von Stefan Haag
Jeder der schon mehr als einen Roman von Wolfgang Hohlbein gelesen hat, weiß, dass dieser sich ungern auf ein Genre festlegen lässt. Obwohl die meisten seiner Romane ihre Heimat in der Phantastik gefunden haben, hat er auch Ausflüge in die Science-Fiction, in den Bereich Horror oder in die Historik unternommen. Sein Werk „Der Inquisitor“, das im Mittelalter zusätzlich noch Krimi-Elemente enthält, wurde von Lübbe Audio in Hörbuch-Format umgewandelt.
Der junge Inquisitor Tobias ist nicht frei von Angst. Vor Furcht zitternd schafft er es nach etlichen unliebsamen Begegnungen in einem düsteren Wald endlich zu seinem Ziel, nämlich ins Dorf Buchfels. Dort soll er die dunklen Machenschaften einer Hexe untersuchen, Beweise für ihre Schuld finden und ihr danach den Prozess machen. Voller Schrecken stellt Tobias fest, dass es sich bei der Hexe um Katrin, die einzige Liebe seines Lebens handelt. Schnell stellt sich für ihn heraus, dass sie zu Unrecht angeklagt worden sein muss und sucht fortan nur noch nach Beweisen für ihre Unschuld. Dennoch gibt es seltsame Vorfälle rings um die kleine Stadt. Ein Pfuhl ist offensichtlich vergiftet worden, Kinder sind mit Missbildungen zur Welt gekommen und auch die Ernte ist verdorben. Ebenso Graf Theowulf, der das Dorf mit eiserner Faust regiert, scheint mehr zu wissen als er zugibt. Skelette gehen nachts in der Stadt um und es ständiges Gefühl der Angst ist spürbar. War letztendlich doch Hexenwerk für all jene unheiligen Vorfälle verantwortlich?
Für die Lesung des Werks hat der Lübbe Verlag eine der bekanntesten Stimmen im deutschsprachigen Film- und Hörbuchbusiness gewinnen können. David Nathan, besser bekannt als die (häufigste) Synchronstimme von Johnny Depp, hat sich der Lesung angenommen. Wie gewohnt spricht er variantenreich und durchwegs unterhaltsam. Dies ist leider der positivste Aspekt des Hörbuchs. Jedem ist bekannt, dass nicht alle Werke von Wolfgang Hohlbein die gleiche Qualität besitzen. „Der Inquisitor“ ist allerdings in mehrerlei Hinsicht kritisierbar. Die Hauptperson des Werks ist der junge Mönch Tobias, der die Rolle eines Inquisitors einnehmen soll. Aber zu keinem Zeitpunkt kann er diesen Ansprüchen gerecht werden. Weder nimmt er die üblichen Schritte eines Inquisitors vor, noch verströmt er in irgendeiner Form jene Autorität, die für den Posten notwendig ist. Er redet mit jedem, aber er befragt niemanden - und wen er überhaupt nicht nach den Vorfällen befragt ist die potentielle Hexe Katrin. Auch der Hexenprozess selbst wird in einigen wenigen Minuten abgehandelt. Was machen dort die Leute? Sie erzählen genau dasselbe, das sie vorher auch gesagt haben - daher wird es auch übersprungen. Dann werden Anspielungen auf düstere Orte im Wald gemacht. Darunter sind ein Hexenkreis und eine Höhle. Offenbar wohnt diesen eine gewisse Kraft inne, jedoch wird nie aufgelöst was es damit auf sich hat. So unbefriedigend wie das Ende des Romans ist, wird auch der Gesamteindruck jedes Hörers ausfallen. Zu viele kleine Fehler und zu oberflächliche Behandlung der Materie lassen einfach keinen besseren Eindruck von dem nur durchschnittlichen Hörbuch zurück. Und auch nur durchschnittlich, weil David Nathan sich in seiner üblichen Art und Weise bemüht.
„Der Inquisitor“ ist eines von Wolfgang Hohlbeins schwächeren Werken, das bei Lübbe nun auch als Hörbuch erhältlich ist. Doch aufgrund seiner mangelhaften Handlung ist es nur dem Sprecher David Nathan zu verdanken, dass sich das Hörspiel zumindest als durchschnittlich einstufen lässt. Mit einer weniger versierten Stimme könnte man Käufern nur abraten, so wird der Tonträger zumindest Hören, die leicht unheimlichen Krimi-Erzählungen im Mittelalter mit Schwächen nicht abgeneigt sind, doch zu gefallen wissen.