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Endstation Louisiana (Kritik)


Rezension von Jens Fleischhauer

Autor: Shepard, Lucius


Aus der Reihe "Phantasia Paperback Horror"

Louisiana, der Süden der USA, ein Synkretismus der Religionen und zudem tief verwurzelter Glaube an alles, woran man glauben kann. Diesen Eindruck hat man, wenn man die Beschreibung von Grail liest, einer kleinen Stadt am Golf von Mexiko. Sonst wo in Louisiana geht es den Menschen schlechter, Grail hat sich gut gehalten, jedenfalls so gut, wie es Wirtschaftskrisen und Naturkatastrophen erlauben. Man kann nicht davon sprechen, dass Grail das Paradies auf Erden sei, eher das Gegenteil. Die Stadt ist tiefste Provinz, dennoch leben die Menschen dort und ziehen nicht weg.
Die Verbindung die die Bewohner der Stadt zu dieser haben, lernt Jake kennen, als er mittels einer Autopanne gezwungen wird einige Tage in Grail zu bleiben. Schnell bekommt er die Eigentümlichkeiten einiger der Bewohner mit, die allesamt einen mystischen Aberglauben haben, in dem sich Christentum, afrikanische Naturreligionen und deren gemeinsame Nachfahren, in Form von Voodoo etwa, mischen. Einer dieser Glauben ist der an die Bedeutung der Mittsommernacht und der Krönung der Mittsommernachtskönigin, alle zwanzig Jahre. Diese Königin zieht das Pech der Stadt auf sich und sorgt somit dafür, dass es Grail so geht wie es Grail eben geht, nicht all zu schlecht und soweit zufrieden. Dies ist ein alter Pakt den die Bewohner der Stadt mit dem Guten Grauen Mann geschlossen haben, einer mystischen Figur. Viel kann Jake über diesen ominösen Guten Grauen Mann nicht erfahren, doch sein Interesse an dieser Figur steigt schlagartig, als er Vide kennen lernt, diese ist die amtierende Mittsommernachtskönigin und soll am nächsten Tag ihr Zepter übergeben.
Vide hat ihre eigenen Probleme, sie weiß nicht, was mit ihr passieren wird, aber sie weiß, dass sie das Opfer ihrer Vergangenheit ist. Was sie benötigt ist jemanden der sie rettet und Jake erscheint ihr der richtige zu sein. Bei Jake stößt dies auf positive Resonanz und somit verquickt sich das Schicksal dieser beiden Personen. Für Vide steht ihre Rettung aus Grail und die Flucht vor ihren Dämonen auf dem Spiel, was für Jake auf dem Spiel steht weiß er noch nicht, aber es hat mit dem Guten Grauen Mann zu tun, den Jake nur für einen Aberglauben hält. Schnell merkt er aber, dass man in Grail nicht davon ausgeht, dass das Ganze nur ein Aberglaube sei.

Lucius Shepard hat einen schwer durchsichtigen, aber enorm spannenden Roman mit „Endstation Louisiana“ verfasst. Dieses Buch ist in der Reihe „Phantasia Paperbach Horror“ erschienen, ob zu Recht oder nicht ist schwer zu sagen. Im Hintergrund der Geschichte gibt es etwas Diffuses, was dort aktiv ist und wie in anderen Horrorromanen Schrecken und Grauen verbreitet. Aber im vorliegenden Fall geht Shepard zu nüchtern mit dem Guten Grauen Mann um, als das er einem eine Gänsehaut verursachen könnte. Dies sorgt aber dafür, dass die Geschichte weniger fiktiv wirkt.
Grail ist ein relativ kleines Nest, in dem der Aberglaube und Glaube einen zentralen Punkt im Leben der Menschen bildet. Sie konstruieren sich ein glückliches Gefüge indem sie einen Pakt mit einem übernatürlichen Wesen eingehen. Das ist ein Thema, das Shepard etwa auch in seinem Roman „Ein Handbuch amerikanischer Gebete“ thematisiert hat. Mir scheint daher insgesamt mehr hinter diesem Thema zu stecken als nur eine sehr spannende Geschichte, in der zu einem dramatischen Finale kommt. Es ist schwer zu sagen, wie man das Buch interpretieren sollte, vor allem wird dies schwerer, wenn man mehr von Shepard kennt. Der Mann schafft es sehr intelligente und anspruchsvolle Bücher zu schreiben, die zugleich einen hohen Unterhaltungswert haben, gut lesbar sind, aber zudem ein gewisses stilistisches Niveau mindestens halten. Sicherlich ist dieses Buch, wie auch das andere genannte, nicht einfach zu verstehen. Man wird sicherlich beim ersten Lesen den Inhalt der Geschichte begreifen, aber was Shepard mir dieser Geschichte sagen möchte, erscheint mir nicht direkt zu erschließen zu sein. Vielleicht ist es überinterpretiert, wenn ich davon ausgehe, dass der Autor mehr Intentionen hatte als nur einen unterhaltenden Roman zu schreiben. Eindeutig werden das Thema Religion und die Auswirkung der Religion auf das Leben der Menschen thematisiert. Es wird nicht eine Religion als die wahre Verkünderin einer höheren Wahrheit dargestellt, sondern der Synkretismus ist das Thema von Shepard. Was dies bedeuten soll, muss man als Leser selbst versuchen in Erfahrung zu bringen. Jedenfalls bekommen der Glaube und der Pakt mit den Glaubensobjekten den Personen, die Glauben und den Pakt schließen, in der Regel schlecht. Ob man daraus eine Religionskritik lesen möchte, mag ich nicht zu beantworten, aber was ich glaube ist, dass Shepards Romans mehr enthalten als nur einfach eine Erzählung. Shepard ist ein Autor der einen intelligenten Inhalt, einen ansprechenden Stil und philosophische Gedanken miteinander zu verbinden weiß und am Ende einen intelligenten, ansprechenden und zudem sehr spannenden Roman zustande bringt.
Es ist eher ein dezenter Horror, der im vorliegenden Roman auftritt, aber durch die Atmosphäre die der Roman vermittelt, wirkt alles was beschrieben ist sehr lebendig. Man bekommt einen Eindruck von dem, was Shepard beschreibt und hat das Gefühl, Grail und seine Bewohner seien lebendig. Grail erscheint als eine hoffnungslose und abergläubische Stadt, sehr lebendig und zugleich sehr bedrückend. Alleine dieser Beschreibungshintergrund reicht schon aus, um eine düstere Geschichte zu erzählen. Genau dies hat Shepard bestens ausgenutzt.
Diesen Roman kann man nur empfehlen, vor allem auf Grund dessen, dass eine tiefer gehende Beschäftigung mit ihm zu spannenden Überlegungen führen könnte. Wenn es ein Autor schafft Fragen aufzuwerfen und dies eigentlich nur nebenbei, dann bringt der entsprechende Roman mehr als nur Unterhaltung, man hat buchstäblich etwas von der Lektüre. Beim vorliegenden Roman ist genau dies der Fall, hat man eine Menge Material über welches man nachdenken kann und bei dem versuchen kann zu verstehen, was es bedeuten soll.


Wertung:

Gesamt:

Anspruch:

Spannung:

Brutalität:

Erotik:

Gefuehl:

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Infos:

Serie:

Phantasia Paperback Horror

Autor:

Shepard, Lucius

Verlag:

Edition Phantasia

Erschienen:

01.01.2006

Kritiker:

Jens Fleischhauer

ISBN oder
ProduktID:

978-3937897141

Seiten:

157

Preis:

12,90 €

Typ:

Taschenbuch

 

Shepard, Lucius

Lucius Shepard wurde am 21. August 1947 in Lynchburg, Virginia geboren. Er ist als Autor von Science Fiction und Fanatsy Literatur bekannt und hat zahlreiche Erzählungen veröffentlicht, die teilweise auch in deutscher Übersetzung erhältlich sind. Für seine Geschichte und Romans ist Shepard mit mehreren Preisen ausgezeichnet worden [mehr]