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Das Reich der Siqqusim (Kritik)


Rezension von Jens Fleischhauer

Autor: Keene, Brian

In nicht all zu ferner Zukunft erlebt die Welt eine riesige Katastrophe, in Folge eines missglückten wissenschaftlichen Experiments. Was eigentlich nur ein physikalisches Experiment sein sollte, sorgt dafür, dass die Tore zu einer anderen Dimension aufgestoßen werden. Zuerst erfolgt dies ohne dass es jemand bemerkt, als dann jedoch die Verstorbenen zu Zombies werden, wird langsam auffällig, dass etwas nicht stimmt. Baker, einer der leitenden Wissenschaftler, ist einer der Ersten der versteht, was passiert ist. Seltsame Wesen, die sich selbst Siqqusim nennen, übernehmen die menschlichen Körper, nachdem die Seele diese verlassen hat. Durch das geöffnete Portal in die leere, die Dimension aus der die Siqqusim stammen, fahren sie in die Verstorbenen ein und wandeln als Zombies über die Erde. Mit purem Hass und dem Willen, möglichst viele Menschen zu töten, damit viele weitere Siqqusim entstehen, sorgen sie für ein blutiges Ende der Menschheit. Große Teile der Erde sind bereits in den Händen der Zombies und es scheint, als gäbe es nur vereinzelte, noch lebende Menschen.

"Das Reich der Siqqusim" ist ein Sammelband, der die beiden Bücher "Auferstehung" und "Stadt der Toten" enthält. Beide sind zum ersten Mal ins Deutsche übersetzt worden und beschreiben die Erlebnisse einiger Überlebender. In dem Buch "Auferstehung" werden einige der Überlebenden bei ihrer Flucht vor den Zombies dargestellt. Aus ihrer Sicht wird beschrieben, wie der Schrecken begann. Jim Thurmond ist einer der Menschen, der den Zombies bisher nicht zum Opfer gefallen ist. In einem privaten Bunker hat er überlebt und beschließt nach New Jersey auszubrechen, da er von dort ein Lebenszeichen seines kleinen Sohnes erhalten hat. Fast die gesamte Infrastruktur der Vereinigten Staaten ist zerstört und Jim muss sich alleine durch eine postapokalyptische Welt schlagen. Zahlreiche Zombies, in Form untoter Menschen oder auch Tiere, stellt sich unterwegs Jim in den Weg und schnell lernt er, dass er sie mit Schüssen in den Kopf ewig ausschalten kann. Auf seinem Weg nach New Jersey trifft Jim auf einen Priester, mit dem er die Reise zusammen fortsetzt, doch werden sie von einer Einheit der Nationalgarde aufgegriffen und nach Gettysburg gebracht. Teile der Nationalgarde haben sich nun zu einer marodierenden Bande zusammengeschlossen, verfügen über lebende Zivilisten als Sklaven und leben in einer Welt die durch Kopfschüsse auf Zombies und die Vergewaltigung von Frauen geprägt ist.
Auch Baker, der bereits benannte Wissenschaftler, fällt der Garde in die Hände und ihr Anführer beschließt, dass das Labor, in dem Baker tätig war, der perfekte Unterschlupf wäre. Doch das Grauen sammelt sich genau dort und hat eine große Falle aufgebaut. Es kommt zu einer apokalyptischen Schlacht der Nationalgarde gegen die Zombies, nur Jim und der Priester können fliehen, weiter nach New Jersey. Die Menschheit steht vor ihrem Ende, wenn die letzte Schlacht gegen die Zombies nicht gewonnen werden kann.

Wenn man ein Buch als Horrorroman bezeichnet, bin ich bisher davon ausgegangen, dass eine Atmosphäre aufgebaut wird, die zumindest annäherungsweise gruselig ist. Genau das schafft Brian Keene nicht. In den ersten paar Sätzen seiner Bücher erfährt man, dass es Zombies gibt, diese die Menschheit bedrohen und schon ist jeder Versuch, langsam eine spannende Atmosphäre aufzubauen zum Scheitern verurteilt. Keene poltert mitten in das Geschehen hinein und nimmt der Geschichte somit jede Möglichkeit sich zu entwickeln oder langsam überhaupt etwas wie Spannung aufkommen zu lassen. Vielmehr entfalten sich rund 500 Seiten brutalste Massaker, nicht enden wollende Verstümmelungen und stetige Vergewaltigungen über die beiden Bücher hinweg. Alles erscheint eher wie die Fantasie eines pubertären Gewaltfans, als wie das Werk eines mit mehreren Preisen ausgezeichneten Horrorautors. Dumpfe, sinnlose Gewalt ist der Hauptaspekt des Buches. Ansonsten hat dieses Buch nichts zu bieten. Die Story ist platt, abgedroschen und langweilig umgesetzt. Die einzigen Höhepunkte sind die Tode von vorher eingeführten Personen. Jeder Tod ist berechenbar, da sowieso fast jeder in diesem Buch stirbt. Dabei entwickelt man als Leser so wenig Sympathie mit den Figuren, dass man nicht einmal mit ihnen um ihr Leben fürchtet. Vielmehr denkt man: "Wieder einmal jemand tot, noch eine Frau vergewaltigt". Dass Horrorromane bisweilen den Ruf haben, zur schlechten Gattung der Literatur zu gehören, kann ich nach der Lektüre dieses Buches absolut nachempfinden. Sprachlich ist es sehr platt, wenig abwechslungsreich und wirkt unausgereift. Dazu eine vollkommen lahme und nur auf brutale, exzessive Gewalt ausgelegte Handlung.
Dieses Buch entspricht leider nicht dem, was ich vorher erwartet hatte. Nicht für jeden Horrorfan wird es das richtige Buch sein und gewiss muss man schon durchaus Gewalt und Brutalität vertragen können, um dieses Buch zu mögen. Wer mit Gewalt in der Literatur etwas anfangen kann und dies vielleicht auch in anderen Medien schätzt, wird bei Keene und diesem Buch vollkommen auf seine Kosten kommen. Wer jedoch Fan des dezenten Horrors ist, der auf atmosphärischen Aufbau einer Erzählung hofft, wird mit diesem Buch gewiss nichts anfangen können. Für den Kreis der Splatterfans ist das vorliegende Buch gewiss sehr gutes Material, zumal es eine Geschichte hat, die als Idee sehr interessant ist, mir jedoch nur in ihrer Umsetzung zu einfallslos und brutal erscheint. Insgesamt ist dies ein Problem mit Keenes Erzählungen, sie gleiten häufig in sinnlose Brutalität und ausführlich geschilderte Grausamkeiten ab, bei denen strömendes Blut und umherfliegende Gedärme die restliche Erzählung leicht in den Hintergrund drängen. Aber Keene kann auch anders. Dies stellt er in diesem Buch leider nicht unter Beweis, wer sich aber für Keenes Stil interessiert, wer einen guten Einblick in diesem kompakten Doppelband erhalten.


Wertung:

Gesamt:

Anspruch:

Spannung:

Brutalität:

Erotik:

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Produkte (Keene, Brian):
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Infos:

Autor:

Keene, Brian

Verlag:

Otherworld

Erschienen:

01.11.2006

Kritiker:

Jens Fleischhauer

ISBN oder
ProduktID:

3950218513

Seiten:

490

Preis:

24,95 €

Typ:

Taschenbuch

 

Special:

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