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Nach >Träume vom Abgrund< und >Grausame Städte< liegt mit >Nachts< die dritte Kurzgeschichtensammlung von Markus K. Korb vor. Mal sehen, vielleicht schafft es der Autor ja erneut – wie mit >Schlafgänger< aus dem Vorgängerband – den Deutschen Phantastik Preis für die beste Shortstory einzuheimsen. Bemerkenswert ist zunächst einmal der optische Eindruck; sprich das gelungene, schaurig-schöne Titelbild, das eine vor Schreck verzerrte, schreiende Fratze zeigt, über die ein Friedhofsmotiv und eine alte Schrift montiert sind. Das ist eine ideale Einstimmung auf die 14 Kurzgeschichten (plus Interview mit dem Autor), die in dem knapp 200 Seiten starken Buch enthalten sind. Markus K. Korb gehört zu den Schriftstellern aus dem Horror-Genre, die sich klar erkennbar an klassischen Vorbildern orientieren: statt zeitgenössischen Ikonen wie Stephen King, Clive Barker oder Dan Simmons sind es die Geister von Edgar Allen Poe, Gustav Meyrink oder E.T.A. Hoffman, die die Zeilen aus seiner Feder inspirieren. Das wirkt sich auf zwei Ebenen aus: zum einen hat er einen Hang zu klassischen Schauplätzen & Motiven wie Friedhöfe, Grüfte, verfallende herrschaftliche Familiensitze, Rache aus dem Totenreich etc. Zum anderen erinnert seine des Öfteren gedrechselte Sprache und Wortwahl an die Autoren vergangener Zeiten. Analog zu diesen Grundtendenzen geht es ihm primär darum, mit traditionellen Mitteln düster-bedrohliche Szenarien zu entwerfen, über die der Horror seine Wirkung entfaltet und weniger darum, mit drastischen Splattereinlagen zu schocken. Solche Einlagen gibt es zwar auch, doch ergeben sie sich – wie der Autor im Interview behauptet und wie die Lektüre bestätigt – aus der Notwendigkeit der Erzählungen und fungieren nicht als reiner Selbstzweck. Gleich die Eröffnungsgeschichte >Wilhelm Arculineus< legt von diesen werkimmanenten Charakteristika beredtes Zeugnis ab. Sie handelt vom gleichnamigen Buchhändler, der vom Gedanken besessen ist, seinen tödlich verunglückten Sohn zurück ins Leben zu holen. Dazu sucht er nach okkultem Wissen und praktiziert Riten, die die Grundfesten der Naturgesetze erschüttern und alles Heilige besudeln. Gäbe es nicht relativ viel Gewalt, könnte man ohne weiteres annehmen, einer der klassischen Schauerautoren hätte diese Geschichte verfasst. Ob das nun als Kritik oder als Kompliment zu sehen ist, hängt vom Standpunkt ab, denn während die einen darin eine gekonnte Hommage sehen werden, werden andere den Text wiederum für „verstaubt“ halten. Ich selbst bin der Meinung, dass diese Erzählung sehr gelungen ist und der Stil ideal zu Inhalt und Atmosphäre passt. Gleiches gilt für die ebenfalls an der „Klassik“ orientierten Titel >Der Duft von Astern im Dialog mit dem Brodem schwärender Wunden< und >Joanna<. Ersterer ist darüber hinaus durch Patrick Süskinds >Das Parfüm< inspiriert, dessen Grundidee Korb in eine morbide Richtung variiert. Bei >Joanna< dürfte hingegen E.T.A. Hoffman mit seinem >Sandmann< Pate gestanden haben. Obwohl die Pointen beider Beiträge einander ähneln und man die überraschende Offenbarung in >Joanna< nicht allzu genau hinterfragen sollte, sind beide Geschichten qualitativ hochwertig und sorgen für wohliges Gruseln.
Allerdings funktionieren die Storys von Korb weniger gut, wenn er sie in moderneren Settings spielen lässt, denn hier kollidiert der Stil gelegentlich mit dem Erzählten – allzu viele „welche“, „worin“, „gewahr werden“ und ähnliche Ausdrücke, die heutzutage höchstens noch in der Sprachpraxis von greisen Adeligen & Akademikern vorkommen, haben mich ab und zu aus dem Geschehen herausgerissen. Gerade in Horror-Storys ist aber wichtig, in die Handlung hineingezogen zu werden und zu vergessen, dass man gerade einen am Schreibtisch fabrizierten Text liest. Drei dieser moderneren Geschichten hängen übrigens inhaltlich zusammen und handeln von einer Gruppe Jungen – später erwachsene Männer – die sich gemeinsam zu einem Verbrechen hinreißen lassen und in der Folge unter den Konsequenzen dieser Tat leiden. Dieser „Dreierpack“ leidet darunter, dass sich die Protagonisten ziemlich irrational verhalten und ihr Tun deshalb wenig nachvollziehbar ist. Die beste der Gegenwarts-Storys ist für mich >Nachts im schwarzen Licht des kriechenden Mondes<, bei der man zwar bei größerer Leseerfahrung schon erraten kann, worauf alles zusteuert, aber dessen ungeachtet kraftvoll erzählt ist und zu fesseln weiß.
Fazit: Die neue Anthologie von Markus K. Korb bietet dem Horror-Fan „unheimliche Erzählungen vom zerfaserten Rand der Wirklichkeit“ (Werbetext des Verlages), die zwar in der Qualität variieren, aber immer ein wünschenswertes Niveau halten. Am stärksten ist dieser Schriftsteller immer dann, wenn er seine gruseligen Geschichten den Klassikern nachempfindet, da in diesen Fällen Ideen, Ambiente und Sprache meist eine ideale Symbiose eingehen.
Gesamt:
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Interview(s):Nachts
Produkte (Korb, Markus K.):Grausame StädteDer vergessene FriedhofInsel des TodesWasserscheuDas Arkham-SanatoriumWasserscheu
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Autor:
Korb, Markus K.
Verlag:
Eldur
Erschienen:
01.05.2005
Kritiker:
Martin Weber
ISBN oderProduktID:
3937419144
Seiten:
200
Preis:
7,95 €
Typ:
Taschenbuch
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