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Parasit (Kritik)


Rezension von Laubfrosch

Autor: Laymon, Richard

Okay, eigentlich hätte man vorgewarnt sein müssen: Ein Lob von Stephen King, des Großmeisters der Langeweile, gleich auf dem Titelbild - das zumindest hätten einen ersten Aufschluss darüber geben können, was die nächsten 415 Seiten Programm ist. Aber Bücher mit ersten Sätzen wie "Eddie hatte in seinem Lieferwagen die Straße ganz für sich allein." sind in der Regel recht vielversprechend. So ist man also anfangs noch vorfreudig gespannt, um schon bald darauf ernüchtert, dann sprachlos und zum Schluss verärgert zu sein.
Die Rede ist von "Parasit", dem vierten Roman in der Horror-Taschenbuchreihe vom Festa-Verlag, geschrieben von Richard Laymon.
Worum geht es? In einem kleinen Städtchen (na sicher, wo denn sonst?) taucht aus heiterem Himmel ein Wesen auf, das sich unter die Haut von Menschen setzt und diese zu mörderischen Kannibalen werden lässt. Der Polizist Jake kommt dem Wesen nach und nach auf die Spur und kann es dann gegen Ende des Romans ausschalten. Ach ja, nebenbei kriegt er auch noch eine neue Freundin. So weit, so dünn. Doch würde die Story nur auf Akte-X-Niveau rumdümpeln, sie wäre immer noch besser, als das, was Laymon dem Leser zumutet: Die Herkunft des namensgebenden Parasiten bleibt im Dunkeln, er taucht einfach auf und wird dann irgendwann getötet. Nichts weiter. Naja, fast nichts: Die Azteken, die ja allesamt schlimme Kannibalen waren, waren nämlich auch sämtlich Opfer des Parasiten. Die spanischen Gutmenschen befreiten sie dann durch Totschlag von diesen. Dieses Detail wird nur am Rande der Geschichte erwähnt, ist aber völlig daneben, da es in ganz Mittelamerika nur rituellen Kannibalismus gab und Laymon die Konsequenzen dieser seiner These völlig missachtet: Angenommen, die Azteken wären wirklich alle von Parasiten besessen gewesen - wieso steckten sich die Spanier nicht an, wieso verbreitete sich der Parasit nicht weiter? Und wieso wurde davon überhaupt nichts überliefert?

Aber gut, wenden wir uns einem zweiten, wesentlich ärgerlicheren Aspekt dieses Werkes zu: der Affinität des Autors zu Unterwäsche und den Brüsten junger Frauen. Man merkt es recht schnell - das Thema beschäftigt den Autor auf eine Weise, die seiner Geschichte ziemlich abträglich ist. Jede Gelegenheit wird genutzt, um über seine Lieblingsthemen zu sprechen. Zieht sich eine der Protagonistinnen aus, um zu duschen, geht das natürlich nicht ohne semi-erotische Anspielungen. Es wird übrigens ziemlich oft geduscht in "Parasit"...
Trefflicher Zufall, dass die weibliche Hauptrolle dann auch noch eine Schwäche für Negligés besitzt, oder? Der Autor ist sich dann nicht einmal zu blöd, um selbst ein Donut-Essen (!) mit den passenden Beschreibungen zu versehen: Es trägt nun einmal ungemein zur Spannung bei, wenn man erfährt, dass der Esserin Pulverzucker und Krümel in den Ausschnitt fallen...
Kaum eine Seite vergeht, auf der Laymont nicht die Wörter "Brüste" "Bluse" oder artverwandte Vokabeln benutzt - dass darüber sein Roman vollends in den Keller rauscht, scheint ihn nicht zu stören, im Gegenteil: Wenn die Hauptrollen einer Geschichte mehr mit ihren Körpern und ihrer Lüsternheit beschäftigt sind, als mit der Situation um sie herum, dann drängt sich der Gedanke auf, dass dem Autor sehr wohl die Dürftigkeit seiner Handlung bewusst war - und er zum letzten Mittel griff: Die Geschichte mit Sex aufzupeppen. Oder aber sie war von Anfang nur als - leider notwendiger - Hintergrund geplant, um möglichst oft Slips ausziehen und Blusen aufknöpfen zu lassen. Der Originaltitel lautet "Flesh" - Laymon dürfte wahrscheinlich eher das Genuss- als das Nahrungsmittel im Kopf gehabt haben, als er ihn wählte. Der Klappentext spricht übrigens von einer sich "mehr und mehr füllenden Leichenhalle"; erst auf Seite 145 gibt es dann die zweite Tote. Was zwischen dieser und der ersten liegt: Die Phantasien eines 16-Jährigen, gewürzt mit dem Versuch, Gewaltdarstellungen in schlechtester Clive-Barker-Manier als Horror zu verkaufen.
Dumm nur, dass Laymon auch noch unlogisch wird, um sein Thema Nr. 1 immer weiter auswälzen zu können: Der Parasit verwandelt seine Opfer in Kannibalen - warum sind dann unter den Opfer nie Männer, sondern immer nur Frauen? Und warum nimmt sich der Parasit nicht die Zeit, ein Opfer komplett zu verspeisen? Warum muss immer schnell das nächste, am besten blutjunge, dralle Opfer her?
An einer Stelle beschreibt Laymon die Gedanke seiner Protagonistin wie folgt: "Sex ist der Knoten, der uns miteinander verbindet. Ich muss ihn lösen, nur einmal, um zu sehen, ob dann alles auseinanderfällt." (S. 267) Überträgt man dies auf seinen Roman, kann man sagen: Ja, es fällt alles auseinander, wenn man den Sex weglässt: Eine wenig originelle, vom Autor vernachlässigte Story, typische Stephen-King-Charaktere und ein langweiliges Vorkauen von Beziehungsproblemen. Horror? Vergessen wir’s.

Dazu kommen dann noch andere Kleinigkeiten: So mag es zum Beispiel schwer sein, den Genitiv von "Eis" zu bilden - den Dativ zu benutzen, um dieser Schwierigkeit auszuweichen, ist aber doch recht peinlich für den Lektor. "Ihm blieb nichts übrig als Däumchen drehen und warten" ist ähnlich falsch - hier liegen zwei Infinitive mit zu vor (zu drehen; zuwarten). Und warum der Übersetzer aus dem Cookie Monster nicht das bei uns bekannte Krümelmonster machen konnte, bleibt ebenfalls unverständlich.

Alles in allem: Sehr ärgerlich. Der Festa-Verlag mag sonst äußerst sicher sein, was die Auswahl guter Geschichten betrifft, hier ist im ein Missgriff passiert.
Wer für 9,90 Euro statt Horror billige Erotik bevorzugt und sich auch von einer schwachen Story nicht abschrecken lässt, der sollte hier zugreifen, alle anderen lassen die Finger von diesem Machwerk.


Wertung:

Gesamt:

Anspruch:

Spannung:

Brutalität:

Erotik:

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Infos:

Ort:

USA

Zeit:

Gegenwart

Autor:

Laymon, Richard

Verlag:

Festa

Erschienen:

01.09.2004

Kritiker:

Laubfrosch

ISBN oder
ProduktID:

3935822944

Seiten:

415

Preis:

9,90 €

Typ:

Taschenbuch

 

Laymon, Richard

Richard Laymon wurde am 14. Januar 1947 in Chicago geboren und verstab am 14. Februar 2001. Bevor er sich gänzlich dem Schreiben widmete, machte er einen Abschluss in englischer Literatur und arbeitete unter anderem als Lehrer und Bibliothekar. [mehr]




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