Rezension von Schwertfang
Nach zwei Verkaufsschlagern war es nur eine Frage der Zeit, bis Akif Pirinçci zum dritten Mal den arroganten, klugscheißerischen Katzendetektiv Francis in ein neues Abenteuer stürzen lässt. In "Cave Canem" stellt er sich neuen Gefahren, wieder schleicht ein Mörder umher, den es dingfest zu machen geht.
Doch dieses Mal hat die Mordserie einige brisante Details: es wurden nicht nur Katzen auf grausame Weise niedergemetzelt, sondern auch die "Gegenseite" - die Kläffer, die Leinenträger. Sprich: die Hunde. Im Revier gab es bislang ein stilles Dulden der jeweiligen Gegenpartei, doch nun droht die Sache zu eskalieren. Francis, noch schockiert davon, dass jene Schönheit, mit der er sich eigentlich paaren wollte, ebenfalls zu den Opfern gehört, wird zu einer Versammlung gebeten, bei denen sich beide Parteien gegenüber stehen. Moses, der Sprecher der Katzen, einigt sich mit Sissi, der Mopsdame und sein Kläffergegenpart, erörtert den Sachverhalt: der Frieden ist in Gefahr, und Francis, da sein Ruf vorauseilt, soll den Mörder finden, binnen 48 Stunden. Natürlich trauen die Hunde einem Kater nicht, und so wird ihm ein Partner zur Seite gestellt: Schäferhundrüde Hektor, einem Polizeihund a.D. Für Francis, der die gleiche Intoleranz gegenüber den Hunden gegenüberbringt wie seine Artgenossen, passt das nicht, muss aber der Sache zustimmen.
Als ob es nicht schon schwer genug wäre, sich einen mit Kadavergehorsam ausgestatteten alten Hund als Partner auseinandersetzen zu müssen, wird Francis von der Vergangenheit eingeholt, als er sein jüngeres, exaktes Ebenbild trifft: Junior, sein Sohn, einzig überlebendes Junges aus einem Wurf, welcher aus einer flüchtigen Begegnung zwischen dem alternden Detektiv und einer mittlerweile verstorbenen Katzendame hervorging. Und Junior, obschon nicht gut auf seinen Vater zu sprechen, lässt es sich in Francis’ Haus gut gehen, schließlich kann dessen dümmliches Herrchen Gustav den Vater nicht vom Filius unterscheiden.
Bei der Aufklärung des Falles tappen Hektor und Francis lange im Dunkeln, trotz Hinzuziehen einer wahrsagenden Pudeldame und dem Mysterium Internet. Francis deckt jedoch Hektors Vergangenheit auf: er gehörte zu einer Spezialeinheit, der "Cave Canem"-Truppe, welche während des Jugoslawienkrieges nicht nur Sprengstoff, sondern auch Massengräber aufspürte, was deutlich an deren Verstand nagte. Das Kriegsmonster gehe umher und fordere seinen Tribut. Aber solche Umschreibungen helfen nicht weiter, will man verhindern, dass sich Hunde und Katzen in der Nachbarschaft gegenseitig töten. Denn nach besagten 48 Stunden haben beide Detektive kein Resultat vorzuweisen, es fehlt der Mörder. Um einen Krieg zu verhindern, gibt sich Francis als Mörder aus, und ist von nun an, ein wenig Zeit herausschinden könnend , der Gejagte - während der wahre Täter noch auf freiem Fuß ist....
"Cave Canem" zeigt auf, warum Katzen einfach die besseren Darsteller in Tierkrimis sind: Hunde sind einfach zu dämlich, zu eingeschränkt, zu unfrei. Francis ist nach seinem Ausflug in die Botanik (siehe "Francis") wieder in Topform, doch fehlt es dieses Mal etwas an Humor und Spritzigkeit. Fast schon wie ein Ritual wird zuerst über Gustav gelästert, ehe es am Ende des ersten Kapitels zur Sache kommt - mit der ersten Leiche. Francis ist alt, das merkt man, aber nicht vertattert. Man erkennt anhand von Junior jedoch eine neue Seite, die des Vaters wider Willen, der dennoch einen gewissen Stolz für seinen Sohn empfindet.
Erschreckend eintönig dagegen wirken die Hunde, sieht man von Hektor ab, den man einfach sympathisch finden muss: Krieg, Krieg, Krieg. Die Hundegötter verlangen ihren Tribut in Blut, und außer dem Schäferhund ist jeder eifrig, dem nachzugehen. Interessant jedoch, bei all den kleinen Logikfehlern, bleibt die Auflösung. Wer der Täter ist, wird nicht zu früh verraten, aber ein cleverer Krimileser kann, wenn er ein oder zwei eherne Gesetze des Krimis beachtet, schon gegen Ende des zweiten Drittels wissen, wer der Mörder ist. Das tut der Spannung aber keinen Abbruch. Der Schluss jedoch ist knapp gehalten, wie unter Zeitdruck geschrieben, und nicht gerade dem Rest des Buches würdig. Die Meßlatte wurde bei den beiden Vorgängern hoch gesetzt, aber Akif Pirinçci gelingt es, völlig neue Elemente einzubauen und verhindert eine Kopie des ersten "Felidae"-Falls. Besser ist der dritte Teil jedoch nicht, vor allem, weil er etwas kurz geraten wirkt, aber dennoch ein Vergnügen, ihn zu lesen.