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Ich hab die Unschuld kotzen sehen 2: Und wir scheitern immer schöner (Kritik)


Rezension von Sascha

Autor: Bernemann, Dirk

Es gibt Bücher, die spalten die Leserschaft in zwei Fraktionen. Die Einen lieben das Buch und dessen Aussage, die anderen können damit rein gar nichts anfangen. Eines dieser Bücher ist „Ich habe die Unschuld kotzen sehen“ von Dirk Bernemann und so wundert es auch nicht, dass dessen Nachfolger „Ich habe die Unschuld kotzen sehen 2: Und wir scheitern immer schöner“ in genau die selbe Kerbe schlägt und genau die selben Wellen aufwirft. Während sich vor allem Stimmen aus der Gothic-Szene sich wieder lobend äußern - „Ganz klar eine Pflichtlektüre für jedes Individuum, das sich der Spezies Mensch zugehörig fühlt. Wen dieses Buch nicht bewegt und zum Nachdenken anregt, den ist wohl wirklich nicht mehr zu helfen!“ meint das gothicparadise.de dazu -, schütteln viele Andere einfach nur den Kopf und finden es krank.
Genau, wie beim ersten Teil erscheint auch für den Zweiten ein Hörbuch im Ubooks Verlag. Sogar drei CDs umfassend und mit einer Gesamtspielzeit von rund 180 Minuten deutlich länger als sein Vorgänger. Ob mehr Länge auch mehr Hörspaß bedeutet, werden wir auf den nächsten Zeilen herausfinden.

Nach einem poetisch-philosophischen Vorwort, in dem sich der Autor über seine Intention dieses Buch zu schreiben und wen er für seine Zielgruppe hat ausgelassen hat, beginnen die eigentlichen Geschichten – sofern man dieses pseudo-philosophische Geschwafel nicht einfach überspringt. Siebzehn Kurzgeschichten sind es, die sich da auf den drei Silberscheiben tummeln und alle lose durch eine Kleinigkeit, meist irgendein Randdetail, miteinander verbunden sind. Diese Form der Darbietung wurde schon in Teil eins verwandt und heißt im Klartext, das ein Detail aus einer vorangegangenen Geschichte in der darauf Folgenden übernommen wird, um eine Art Kausalität zu erzeugen, was aber nicht immer gelingen will.
Auch die eigentlichen Themengebiete der Erzählungen schließen nahtlos an Bernemanns ersten Buch an. Es ist ein dunkler Ausblick auf eine Gesellschaft ohne Hoffung, Liebe und Sinn. Verzweiflung und psychisches Elend sind der Stoff aus dem die Geschichten von „Ich habe die Unschuld kotzen sehen 2: Und wir scheitern immer schöner“ gemacht sind.
Es beginnt mit einem Mann, dessen Leben nur von einer Sache dominiert wird: Sex. Möglichst oft und mit möglichst immer anderen Partnern. „Fickmensch“ nennt der Autor seine Geschichte so treffend. Im Verlauf lernt man noch einen seiner Partner kennen, aber auch körperlich Verstümmelte, Priester und ungeborene Embryonen kommen zu Wort und erzählen ihre eigene, natürlich düstere Begebenheit. „Das Scherbenmädchen“, „Vier Finger Vergewaltigung“ und „Frau Klose und der liebe Gott“ sind nur einige Titel, die nicht immer gleich erahnen lassen, welche Abgründe sich dahinter verbergen.
Trotzdem ist alles irgendwie ähnlich und so wundert es kaum, dass es keinen wirklich herausragenden Teil gibt. Es gibt keine erwähnenswerten Höhepunkte, denn die Geschichten halten sich die Waage, was beim langen Hören sehr langweilig ist.

„Ich habe die Unschuld kotzen sehen 2: Und wir scheitern immer schöner“ schließt zwar direkt am ersten Teil an, erreicht aber nicht dessen Klasse. Dafür sind die Geschichten einfach zu weit hergeholt und noch eindimensionaler als zuvor. Der Autor will mit ihnen vermitteln, dass es nicht nur Schönes auf der Welt gibt, verliert sich aber dabei im Schwarzsehen, denn Weiß und somit Schönes gibt es für ihn scheinbar nicht und mit seinen kurzen poetisch angehauchten Beschreibungen schafft er es, wenn überhaupt, die Psyche der Protagonisten nur oberflächlich anzukratzen. Auch sein Hang dazu Song-Zitate und Anglizismen einzubauen stört mit der Zeit immer mehr. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, dass ihm selbst keine schlauen Sprüche mehr eingefallen sind.
Auffällig ist auch, das die einzelnen Erzählungen dieses Mal deutlich länger ausfallen. Viele sind über zehn Minuten lang, einige sogar fast zwanzig. Während man bei „Ich habe die Unschuld kotzen sehen“ noch durch die relative Kürze der Geschichten bei der Stange gehalten wurde, schafft das der Nachfolger leider nicht mehr. Zu lang sind die Geschichten, die auf der CD auch nicht unterteilt sind, so dass man sie in einem Zug hören muss. Genau diese Länge und die ewig gleiche Eindimensionalität – Stimmung: alles ist schlecht und ich auch –, die Bernemann mit seinen Kurzsätzen umreißt, langweilen mehr, als dass sie schocken und so zum Nachdenken anregen. Nachdenken werden auch nur die Wenigsten über diese, an den Haaren herbeigezogenen Geschichten und wer es doch tut, der hat scheinbar nichts besseres mit seiner Zeit zu tun.
Ein wirklicher Lichtblick, der auch aus dem Vorgänger übernommen wurde ist die die Präsentation. Gelesen werden die eher lauen Geschichten von einer der markantesten deutschen Stimmen, die es schafft ihnen wenigstens ein bisschen Leben einzuhauchen. Diese Stimme gehört Helmut Krauss, der sie schon Samuel L. Jackson oder John Goodman lieh oder selbst auch durch seine Rolle als Nachtbar von Peter Lustig in der Kindersendung „Löwenzahn“ bekannt ist. Er schafft es Tiefe zu verleihen, wo die Vorlage nur flach ist.
Aber auch die Verpackung ist sichtlich gelungen. Ausklappbar beherbergt sie alle drei CDs, gibt Auskunft über die vorhandenen Tracks und den Sprecher und wirbt schlussendlich sogar mit einigen positiven Pressezitaten zum eigentlich Buch. Das Design lehnt sich auch wieder am ersten Teil an und ist eine exakte Negativaufnahme dessen, was man schon kennt. Nicht wirklich originell aber zumindest gut umgesetzt.

Unter dem Strich bleibt ein schaler Nachgeschmack. Konnte Teil eins noch durch seine Originalität überzeugen wirkt „Ich habe die Unschuld kotzen sehen 2: Und wir scheitern immer schöner“ wie ein schlechter Abklatsch, der zeigt, dass der Autor es nicht versteht sich selbst und seine Werke weiter zu entwickeln. Mit etwas mehr Tiefgang wäre es noch akzeptabel, so rettet nur die gute Präsentation vor dem völligen Absturz.
Alle die den Vorgänger mochten sollten einmal Probe hören, bevor sie zugreifen, der Rest lässt die Finger davon und kauft sich lieber etwas vom DeSade oder Bret Easton Ellis, wenn es denn etwas in der härteren Gangart sein soll.


Wertung:

Gesamt:

Anspruch:

Spannung:

Brutalität:

Aufmachung:

Gefuehl:

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Infos:

Autor:

Bernemann, Dirk

Verlag:

Ubooks

Erschienen:

01.03.2007

Kritiker:

Sascha

Sprache:

Deutsch

ISBN oder
ProduktID:

978-3866080829

Laufzeit:

180 Minuten

CD Anzahl:

3

Typ:

Lesung

 

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