Rezension von Jens Fleischhauer
Mit „Herbst Beginn“ hatte David Moody einen sehr spannenden ersten Teil einer Reihe verfasst, die das Thema "Zombies" innovativ angeht. In Folge einer nicht geklärten Ursache, sterben schlagartig fast alle Menschen. Vielleicht ist es ein Virus oder etwas ganz anderes, aber so weit man es absehen kann, sind alle Menschen betroffen. Voller Schmerzen sterben sie, nur wenige bleiben unbeschadet und findet sich nun vereinzelt in leeren Städten wieder. Nach und nach finden sich einige der Überlebenden gegenseitig und versuchen gemeinsam in dieser sie überfordernden Situation zurecht zu kommen. Doch dann geschieht das unerwartete, viele der Verstorbenen erheben sich wieder, laufen zunächst teilnahmslos durch die Gegend und entwickeln nach und nach wieder Reaktionen. Sie sind nicht genesen, sie sind weiterhin tot.
In „Herbst Stadt“ hat Moody eine neue Reihe von Protagonisten ausgewählt, deren Schicksal er mit dem Einsetzen des Massensterbens neu erzählt. Diese Menschen leben in einer großen Stadt und finden sich, durch Zufall, in ganz kleinen Gruppen zusammen. Als dann die Toten beginnen sich zu erheben und auf ihr Umwelt zu reagieren, versuchen sie sich zu verbarrikadieren. Doch dann reagieren die Verstorbenen plötzlich auf Laute und Licht und strömen diesen Reizen entgegen. Es ist wie eine Belagerung und man benötigt einen ruhigen, abgeschlossenen Ort, wenn man vor den Toten in Sicherheit sein will. So finden sich mehr und mehr Leute in der hiesigen Universität ein, die das Zentrum der Überlebenden wird. Zugleich sammeln sich Horden von Toten um die Gebäude, da sie in einer ansonsten leeren Stadt die einzige Geräuschquelle sind.
Nach und nach werden die Untoten aggressiver und in den Menschen wächst die Angst, dass es zu einem Angriff kommen könnte. Zudem belastet sie die ganze Situation, was zu Streitigkeiten führt. Doch dann taucht ein Soldat auf, der zu berichten weiß, dass es geheime Stützpunkte gibt. Auf zumindest einem von diesen hat eine Einheit Soldaten überlebt, zu der er gehörte, bevor er von ihr getrennt wurde. Im Schutz dieser Militäranlagen versprechen sich einige der Überlebenden Sicherheit, doch um dorthin zu kommen, müssten sie durch die Unmenge an Toten durchbrechen, die Stadt verlassen und zudem noch hoffen, dass sie den versteckten Stützpunkt auch wirklich findet. Ein gefährliches Unterfangen, zumal man nicht weiß, wie das Militär reagieren wird.
„Herbst Stadt“ knüpft nur stellenweise an den ersten Band an. Man kann beide Bücher unabhängig voneinander lesen. Zwei Charaktere aus dem ersten Band tauchen auch im zweiten Band auf, aber das Hauptgeschehen hat nichts mit diesen beiden zu tun. Dennoch hat die Geschichte thematisch eine sehr enge Verbindung, da dasselbe Ereignis erzählt wird, aber aus anderen Perspektiven, mit anderen Schicksalen. Einen dritten Teil wird es auf jeden Fall geben, denn Moody ließ das Buch wieder an einer Stelle enden, an der man sehr gerne wissen möchte, wie es nun weitergeht.
Wie auch der erste Teil, ist der zweite Teil sehr spannend und die Geschichte vermag es den Leser zu fesseln und an sich zu binden. Ich hatte jedoch den Eindruck, dass der erste Teil stilistisch besser war, was vermutlich aber an der Übersetzung liegt, die diesmal einige Fehler und stilistische Unsauberkeiten aufweist. Dies nimmt dem Buch leider etwas von seiner erzählerischen Eleganz, fügt der Geschichte an sich aber keinen Makel zu.
David Moody schafft es sehr lebendige Charaktere zu zeichnen, leider sind es im vorliegenden Buch doch arg viele geworden, die man nicht immer leicht auseinanderhalten kann. Man muss mit einiger Aufmerksamkeit lesen, um zu erkennen, von wem die Geschichte gerade handelt.
Aber dies sollte kein den Leser überforderndes Problem sein. Vielmehr gehört dieser Aspekt zu den Merkmalen, die den zweiten vom ersten Band unterscheiden. Moody hat nicht einfach dieselbe Geschichte noch einmal erzählt, sondern eine dem Leser eigentlich vertraute Handlungskette auf neue Weise und immer wieder überraschend neu berichtet. Ein insgesamt sehr gelungenes Buch, das eine hervorragende Fortsetzung des ersten Bandes darstellt und dringend auf den dritten Teil warten lässt.