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Warum ist die Weimarer Republik gescheitert? Diese Frage treibt seit jeher Historiker und Geschichtsinteressierte um. Eine der gängigsten Antworten ist, daß die erste deutsche Republik von vorneherein in einer Krise steckte: die hohen Reparationen, die wirtschaftlichen Probleme, die "Extremisten von rechts und links". In dieser umfassenden Krise, so heißt es, konnte sich eine wirkliche Demokratie nicht entfalten. Moritz Föllmer und Rüdiger Graf, zwei junge Historiker, unterziehen dieses bekannte Deutungsmuster in ihrem Aufsatzband "Die ´Krise der Weimarer Republik" einer umfassenden Kritik. Ihre These ist, daß der Krisenbegriff bereits während der Weimarer Jahre von verschiedenen Gruppen instrumentalisiert wurde, um so gesellschaftliche Veränderungen zu behindern, aufzuhalten oder zu leugnen. Mehrere Autoren untersuchen die damaligen Diskurse um den Krisenbegriff, etwa die "Vertrauenskrise" der Justiz, die aufgrund ihrer Treue zum untergegangenen Kaiserreich oft im Gegensatz zum republikanischen Prinzip zu handeln schien (Autor: Daniel Siemens), oder die gesellschaftspolitischen Debatten um "Neuzeitliches Leben", in denen die Befürworter neuerer Lebensformen (Vegetarier, Anhänger der Naturheil- oder Reformhausbewegung) ihre Rezepte als einziges Mittel gegen die allumfassende Krise propagierten. (Autorin: Florentine Fritzen). Die einzelnen Beiträge setzen sich wie Puzzelteile zu einem aufschlußreichen Bild zusammen, das vor allem eines verdeutlicht: daß die überwiegende Zahl der Deutschen in den 1920ern und 1930ern von dem Wunsch nach einer homogenen Gesellschaft getrieben wurde, ein Nebeneinander verschiedener Lebensformen nicht akzeptieren wollte und deshalb politische, kulturelle und gesellschaftliche Entwicklungen nicht als Fortschritt, sondern als "Krise" empfand. Auch der zweite Teil des Buches fügt diesem Bild neue Mosaiksteine hinzu, auch wenn er etwas speziellere Themen behandelt (exzellent Moritz Föllmers Beitrag über das Individualitätsstreben junger Frauen in der Weimarer Republik und Michael Mackenzies Untersuchung des "Maschinenmenschen", der als Ikone in der bildenden Kunst, im Kino und im Sport auftauchte). Eine endgültige Antwort auf die Frage, warum die Weimarer Republik scheiterte, können freilich auch Föllmer und Graf nicht liefern. Dennoch gelingt es ihnen, den Begriff der Krise als das zu entlarven, was er ist: ein oft pauschal und vereinfachend gebrauchtes Schlagwort, das der Komplexität dieser historischen Epoche nicht gerecht wird. Deutschlands Abdriften in den Nationalsozialismus war eben nicht die logische, unvermeidbare Folge einer Krisenzeit, sondern eine von den meisten Deutschen gewollte und begrüßte politische Zäsur, die endlich die ersehnte Homogenität der Gesellschaft herstellen sollte. Die schrecklichen Folgen sind bekannt … Fazit: Eine hochinteressante und lesenswertswerte Aufsatzsammlung, allerdings nur für Leser, die etwas Vorwissen über die Geschichte der Weimarer Republik mitbringen. Als einziger Kritikpunkt ist der völlig überzogene Preis zu nennen; 40 Euro für ein Taschenbuch sind einfach zu viel!
Gesamt:
Anspruch:
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Verlag:campus
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Autor:
Föllmer, Moritz
Co-Autor:
Graf, Rüdiger
Verlag:
campus
Erschienen:
01.04.2005
Kritiker:
Stratos
ISBN oderProduktID:
3593377349
Seiten:
367
Preis:
39,90 €
Typ:
Taschenbuch
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