Porn Horror Movie

23. November 2016 von Marcus Pohlmann

Während wir versuchen bei unseren Rezension möglichst objektiv und sachlich zu bleiben, hat mir meine Chefin dankenswerterweise erlaubt, mich in dieser Kolumne nach Herzenslust auszutoben. Endlich habe ich einen Platz gefunden, an dem ich meiner Leidenschaft für schlechte Filme hemmungslos frönen und die Leser daran teilhaben lassen kann. Da dies der erste Eintrag in diese Kolumne ist, sei mir eine etwas ausführlichere Einleitung gestattet.

Ich habe bekanntermaßen eine Schwäche für kleine, obskure Filme, deren Existenz weitgehend von der breiten Öffentlichkeit ignoriert wird. Schon zu meiner Schulzeit, mit 14 oder 15 Jahren, traf ich mich regelmäßig mit Freunden um ausgesuchte Perlen des Filmschaffens zu konsumieren. Dabei lagen wir in einem ständigen Wettstreit, wer denn das mieseste Machwerk für den Abend beisteuern könnte. Und so wechselten häufig bei dieser Gelegenheit oder auf dem Schulhof schlechte Kopien noch schlechterer Filme den Besitzer. Sehr hilfreich war dabei, dass der Vater eines Mitschülers Besitzer der größten Videothek im Ort war und damit über einen schier unerschöpflichen Fundus an Material verfügte. So kam ich relativ früh in den Genuss solcher Klassiker wie Tanz der Teufel, diversen Teilen der Night of the Living Dead-Serie oder den berüchtigten Mondo-Filmen.
Mit fortschreitendem Alter wuchsen die Ansprüche an das Unterhaltungsangebot natürlich stetig, aber dennoch macht es mir selbst heute noch riesigen Spaß, meist in größerer Runde, Filme zu schauen die jeder normale Medienkonsument (meist zu Recht) meidet.
Was dabei einen richtig guten „schlechten“ Film ausmacht, muss jeder Freund gepflegter Trash-Unterhaltung für sich selbst definieren – bei mir ist es beispielsweise die Mischung aus völlig überzogenen Gewaltexzessen, trockenem, schwarzem Humor und einer außergewöhnlichen Grundidee. Wenn auch noch Tentakel irgendwo dabei sind, schadet dies sicherlich nicht.

Dieser Tage bietet das Internet dem interessierten Cineasten natürlich eine ungleich größere Auswahl an Filmen, doch die Grundzutaten haben sich in den letzten Jahrzehnten praktisch nicht verändert. Sicherlich sind die Splattereffekte drastischer, die Tricks spektakulärer und die Sexszenen expliziter geworden; letzten Endes variieren die Versatzstücke der Handlung aber kaum und wirkliche Überraschungen sind selten. Hinzu kommt, dass der Zuschauer mittlerweile abgehärtet ist – manche Sendungen, die derzeit im Nachmittagsprogramm laufen wären vor 25 Jahren sicherlich noch auf dem berüchtigten Index der FSK gelandet.

Wie schon erwähnt verzichte ich im Gegensatz zu meinen normalen Rezensionen in dieser Kolumne auf die gewohnte sachliche Zurückhaltung und bringe meine ganz subjektive, ungeschönte Meinung zum Ausdruck. Auch bewegen sich die meisten Filme die hier vorgestelt werden in einem Bereich, der sich eher an eine Zielgruppe 18+ richtet. Dies heißt im Endeffekt, dass ich durchaus zu einer drastischen Wortwahl greife, sollte diese geboten sein. Auch gebe ich mir keine sonderlich große Mühe etwaige Spoiler zu vermeiden. Wer Probleme mit dem einen wie dem anderen hat, sollte sich vielleicht besser auf unsere regulären Artikel beschränken.

Nun aber genug geschwafelt und viel Spaß mit der ersten Filmvorstellung in dieser Kolumne!

Vor einiger Zeit habe mich ich in der Grabbelkiste meines bevorzugten Elektronik-Fachmarktes durch die reduzierten DVDs gewühlt und fand einen Film mit dem vielversprechenden Titel Porn Horror Movie für unter drei Euro. Das Cover war skurril genug um meine Aufmerksamkeit zu erregen und der Klappentext versprach einen unterhaltsamen, wenn auch weitgehend sinn- und niveaubefreiten Filmspaß. Schnell waren einige Opfer/Interessenten für diesen Film gefunden und so stand einem gemütlichen Freitagabend bei Pizza, Fingerfood und einer reichhaltigen Getränkeauswahl nichts mehr im Wege.

Die Story von One-Eyed Monster, wie der Film aus dem Jahr 2008 im Original heißt, beginnt relativ genretypisch: Cast und Crew eines Billig-Pornos fahren in eine einsam gelegene Berghütte um dort in Ruhe arbeiten zu können. Der Busfahrer (Frank Noel), der die zehn Personen in die Wildnis bringt, warnt zum Abschied vor dem heranziehenden Schneesturm und erwähnt noch den merkwürdigen Vietnam-Veteran (Charles Napier), der auf der anderen Seite des Berges wohnt, bevor er sich verabschiedet.

Sextipps vom Profi

Sextipps vom Profi © Universal Pictures

Während Ron (Ron Jeremy) und Veronica (Veronica Hart) sich in ihrer Hütte über die Probleme alternder Pornodarsteller unterhalten, arbeitet der Produzent/Regisseur/Autor Jim (Jeff Denton) verbissen weiter am Skript. Tontechniker T.J. (Caleb Mayo), nebenbei ein genialer Bastler, demonstriert Kameramann Jonah (Jason Graham) und den angehenden Charakterdarstellern Rock (John Edward Lee) und Lance (Bart Fletcher), seine neueste Erfindung. Diese „Suck and Squeeze“-Maschine kann, mit den entsprechenden Daten versorgt, sämtliche Körperöffnungen einer beliebigen Person simulieren. Dies wird auch sofort genutzt um eine virtuelle Paris Hilton (die nicht im Film vorkommt) oral und anal zu penetrieren. In der dritten Hütte tauschen derweil Angel (Carmen Hart) und die etwas naive Wanda (Jenny Guy) verschiedene Tricks und Kniffe zu tiefschürfenden Themen wie Intimrasur oder Rimming aus. Lediglich Laura (Amber Benson), zuständig für Make-Up, Skript, Kaffee und alles andere, sitzt etwas verloren in der Gegend herum.
Nach einer kurzen Pause, und einer Änderung im Skript, drängt der Produzent auf den Dreh der ersten Einstellung. Doch schon bei dieser Szene mit Veronica schwächelt Ron ein wenig und geht für eine kurze Pause an die frische Luft. Hier wird er von einem kosmischen Lichtstrahl getroffen, erleidet einen kleinen Zusammebruch, kann sich aber schon nach kurzer Zeit wieder ans Werk machen. Dabei ist er jedoch so energisch zugange, dass es Jonah und T.J. nur mit Mühe gelingt ihn von seiner Partnerin herunter zu ziehen. Während Veronica katatonisch auf der Couch liegen bleibt, sackt Ron blutend und seines legendären Geschlechtsteils beraubt zu Boden, wo er kurz danach aufgrund des Blutverlustes verstirbt.

Da fehlt doch was?

Da fehlt doch was? © Universal Pictures

Bei der Sichtung des Filmmaterials lässt sich erkennen, dass sich eben jenes Teil anscheinend selbstständig gemacht hat und aus dem Raum gekrochen ist. Während in der ersten Hütte noch versucht wird eine Erklärung für die Vorfälle zu finden, sucht sich das wildgewordene Genital sein erstes Opfer. Fündig wird es bei Angel und ihr Abgang gibt dem Begriff “Deep Thoat” eine ganz neue Bedeutung. In der sich anschließenden Panik versucht Rock im Auto zu flüchten, doch auch ihm ist kein langer Auftritt beschieden, kommt er doch auch zu Tode.
Grade rechtzeitig erscheint der bereits erwähnte Vietnam-Veteran Mohtz an der Hütte um die Verbliebenen im Kampf zu unterstützen. Dieser hat schon einmal solch einem Ungeheuer gegenübergestanden und konnte es seinerzeit nur mit Hilfe zweier vietnamesischer Prostituierter besiegen. Der Trick, so meint er, ist es das Monster zum Ejakulieren zu bringen. In der anschließenden Schwächephase wäre es verwundbar.
So bauen die Belagerten mit T.J.s Maschine und einem getragenen Slip von Laura eine Falle für das Ungeheuer, dass seinem Instinkt entsprechend auch darauf anspringt. Doch haben die Protagonisten nicht mit der außerirdischen Potenz der Kreatur gerechnet und die Maschine versagt.

Da bleibt einem glatt die Luft weg

Da bleibt einem glatt die Luft weg © Universal Pictures

Es kommt zum erbitterten Kampf in der Küche in dessen Verlauf Mohtz erwürgt und der Tontechniker lethal penetriert wird – hier sieht der Zuschauer zum ersten Mal das Ungeheur in seiner vollen (gut 25 Zentimeter) Größe. Produzent Jim entdeckt derweil die Leichen von Wanda und Lance im Badezimmer (die bisher anscheinend niemand vermisst hat) und verliert die Nerven. In Panik versucht er mit dem Schneemobil zu entkommen, doch hat er nicht mit der Schnelligkeit der außerirdischen Kreatur gerechnet, die sich in wahnsinniger Geschwindigkeit durch den Schnee wühlen kann. Schließlich verliert er die Verfolgungsjagd und wird (wie auch immer) durch den Schwanz in zwei Hälften gerissen.
Ohne Strom und Heizung und bedrängt von der gräslichen Kreatur bereiten sich Jonah und Laura auf das Ende vor. Doch grade rechtzeitig entdecken sie unter dem Dielenboden einen Geheimgang, der zur verlassenen Sendestation auf dem Hügel führt. Zusammen mit der immer noch bewußtlosen Veronica fliehen sie durch das Ganglabyrinth und erreichen tatsächlich die vermeintlich rettende Station.

Kann das Monster der Verlockung widerstehen?

Kann das Monster der Verlockung widerstehen? © Universal Pictures

Schließlich kommt es im Sendeturm zur finalen Konfrontation in dessen Verlauf sich Veronica heroisch (und sehr originell) opfert um Jonah und Laura die Flucht zu ermöglichen.
Natürlich darf auch der finale Plottwist nicht fehlen, der aber in diesem Fall ebenso vorhersehbar wie unspetakulär ausfällt.

Extras gibt es natürlich auch einige auf der DVD: Vor allem das launige Gespräch zwischen Ron Jeremy und Veronica Hart, quasi eine Fortsetzung ihres Filmdialoges, ist sehenswert. Hier bekommt der Zuschauer tiefgehende Einblicke in die Wandlung der Pornoindustrie in den letzten 30 Jahren. Auch die (nicht ganz Ernst gemeinte) Dokumentation über die Effekte des einäugigen Monsters unter dem Titel „The Dick Wrangler“ bereichert den Film. Schließlich gibt es noch den dazugehörigen Trailer, der im Prinzip die Highlights vorwegnimmt und die Handlung treffend zusammenfasst.

Eigentlich ist der Film ein mieses, kleines und in jeder Hinsicht billiges Machwerk, das kaum einer Erwähnung wert ist. Was Porn Horror Movie jedoch vor diesem vernichtenden Urteil rettet sind zum einen die extrem überzeichneten Charaktere. Hier wird wirklich jede Position auf der Klischeeliste abgearbeitet: vom traumatisierten Vietnam-Veteran über die gealterte, zynische Porn-Diva und die naive Newcomerin bis hin zum schmierigen, egoistischen Produzenten. Dabei agieren die Schauspieler gar nicht schlecht und bringen ihre Rollen, im Rahmen der Möglichkeiten des Films, gut rüber und scheuen auch nicht vor exzessivem „Overacting“ zurück. Daneben sind es immer wieder einzelne, kleine Szenen, die den Film erträglich machen: Beispielsweise bereitet sich Angel (alleine) in ihrem Bett auf die kommende Szene vor, hoppelt auf der Matraze rum und stöhnt aus voller Brust, verbunden mit ein wenig „Dirty Talk“. So wimmert sie „Fuck Me, Fuck Me…“, zögert einen kurzen Moment, schnappt sich das Skript vom Nachttisch, liest kurz nach und macht dann mit „…Harder!“ weiter. Oder als die panische Wanda in die Hütte stürzt, hysterisch schreit „Angel has a cock in her mouth!“ und daraufhin nur gelangweiltes Schulterzucken erntet. Ebenfalls sehr schön ist die Unterhaltung zwischen Ron und Veronica zu Beginn, die über das Älterwerden und die Porno-Branche philosophieren. Generell sind die Dialoge das Beste am ganzen Film, leider geht dies ein wenig in der deutschen Synchronisation unter, die aber dennoch recht passabel ausgefallen ist.

Die Schauwerte halten sich in einem sehr überschaubaren Rahmen. Explizite Splatterszenen sind praktisch nicht vorhanden, gelegentlich spritzt ein wenig Blut auf Wände und Mobiliar; einzig das Ende von Produzent Jim hat einen leichten Gore-Ansatz. Und trotz des Titels und des Plots dauert es tatsächlich ganze 25 Minuten, bis zum ersten (und einzigen) Mal nackte Brüste auf dem Bildschirm zu sehen sind – die von Ron Jeremy zähle ich jetzt mal nicht mit. Woher daher die ursprüngliche Altersfreigabe ab 18 Jahren kommt, kann ich mir beim besten Willen nicht erklären. Neuere Auflagen des Films werden daher mittlerweile, ohne Schnitte, ab 16 Jahren frei gegeben. Die Special Effects dürften das Filmbudget nicht übermäßig belastet haben – die einzige Explosion im Film ist extrem billig gemacht und auch der Kreatur sieht der Zuschauer ziemlich genau an was sie ist: ein vage penisförmiges Stück Plastik.

Für einen gemütlichen Fernsehabend im Kreise der Liebsten eignet sich Porn Horror Movie dennoch nur sehr bedingt. Auch den hartgesottenen Gorehounds wird dieser Film höchstens ein müdes Grinsen entlocken. Viel besser kommt der Film bei einer gediegenen Herrenrunde zur Geltung, vielleicht als lockerer Einstieg für anschließende Filme mit mehr Anspruch und Tiefgang.

Alles in allem ist Porn Horror Movie nicht annährend so schlecht wie ich erwartet/gehofft hatte, weiß aber dennoch zeitweise recht gut zu unterhalten. Wer möchte, kann sich HIER selbst einen ersten Eindruck von dem Film machen – allerdings erst ab 22 Uhr.

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