Assassin’s Creed der Film

05.01.2017 von Averan

Das Kinojahr 2016 endete für mich mit einem Film, den ich auf keinen Fall verpassen wollte: Assassin’s Creed. Als Spiel ist der Titel leider völlig an mir vorbei gegangen, bis auf kleine Ausschnitte, die ich durch Trailer und Let’s Plays kenne, als Film durfte dies keinesfalls wiederholt werden. Also ging es, mit guten Vorsätzen zusätzlich motiviert, gleich am ersten Tag des Jahres ins Kino.

Willkommen bei der spanischen Inquisition

Assassin's Creed – Die Hinrichtung des Callum Lynch © 20th Century FOX

Assassin’s Creed – Die Hinrichtung des Callum Lynch
© 20th Century FOX

Callum Lynch ist ein zu Tode verurteilter Verbrecher, der nach seiner Exekution jedoch erwacht. An seiner Seite sitzt Dr. Sophia Rikkin, die ihn über die letzten Stunden aufklärt, denn Cal kann sich dank der Nebenwirkungen seiner Hinrichtung an nichts erinnern. Er ist bei der Firma Abstrego Industries gelandet, die ihn um Hilfe bitten. Er soll für die Ärztin in den Animus gehen, um dort den sagenumwobenen Eden-Apfel zu finden, der die Saat des freien Willens beinhalten soll. Rikkin will die Welt von der Wut heilen und benötigt dafür das Artefakt. Der Animus selbst verbindet Callum mit einem seiner Vorfahren: Aguilar de Nerha. Er war ein Assassine zur Zeit der spanischen Inquisition und der wohl letzte lebende Mensch, der wusste, wo sich der Apfel befindet. Mit der geistigen Verbindung zu seinem Vorfahren soll Callum die Informationen herausfinden und so seine Schuld begleichen, für die er nun offensichtlich doch nicht hingerichtet wurde.

Leider hat die Sache einen Haken, denn es ist enorm wichtig, dass man sich freiwillig in den Animus begibt. Was mit denjenigen passiert, die das nicht tun, wird Callum durch andere Patienten in der “Einrichtung” gezeigt: Sie sind nur noch ein Schatten ihrer selbst. Er trifft dort auch auf seinen Vater, der für den Tod seiner Mutter verantwortlich ist. Von ihm erfährt er, dass die Assassinen sich bis in die Gegenwart erhalten haben, zum Zweck den Apfel von den Feinden, insbesondere den Templern, zu beschützen. Nun liegt es an Cal zu entscheiden, wie mit dem Apfel verfahren werden soll. Kann er Dr. Rikkin vertrauen?

Assassin’s Creed – Film vs. Videospiel

Videospiele auf der Leinwand erfolgreich erscheinen zu lassen ist eine ziemlich schwierige Kunst. Die primäre Zielgruppe sind die Spieler, die jedoch das Medium Film ganz anders wahrnehmen, als ein Spiel. Schaue ich mir einen Film an, betrachte ich das Szenario als außenstehende Person. Ich bin ein Beobachter. Beim Spielen hingegen tauche ich richtig in die Welt ein, ich werde zum Protagonisten und begleite ihn nicht nur auf seinen Abenteuern. Ich erlebe sie selbst. Die zweite Zielgruppe sind diejenigen, die das Spiel nicht kennen, aber gute Unterhaltung im Kino mögen. Für sie muss alles verständlich sein, auch ohne die ganzen Hintergrundinformationen, die man sich durch viele Stunden erspielt. Entsprechend ist es schwierig die Zuschauer zufrieden zu stellen, egal ob sie das Spiel kennen oder nicht. Assassin’s Creed schafft es erstaunlich gut eine Mittellinie zu fahren.

Wer nicht in Berührung mit dem Spielinhalt kam, kann der Story folgen. Es gibt viel Spannung, zwar wenig überraschendes, dafür aber eine wundervolle Kulisse und gut gemachte Spezialeffekte. Wer hingegen schon über Dächer geklettert ist und sich in der Menge vor Feinden verbarg, erhält hier eine Erweiterung des Universums, denn die Geschichte im Film hat nur ansatzweise etwas damit zu tun, was aus der Spielwelt schon bekannt ist. Rundum können also alle zufrieden sein. Besser noch: Wer die Spiele bisher nicht kannte, wird dazu angeregt, diese mal anzuspielen.

Echte Stunts statt billiger Tricks

Assassin's Creed – Aguilar de Nerha ist der Vorfahre von Callum Lynch © 20th Century FOX

Assassin’s Creed – Aguilar de Nerha ist der Vorfahre von Callum Lynch
© 20th Century FOX

Schauspielerisch ist der Film fast schon Oscar-reif besetzt. Viele Punkte wird er allerdings nicht holen, denn egal wie gut die schauspielerische Leistung auch ist, Genrefilme haben es schon immer nicht leicht gehabt. Michael Fassbender übernimmt die Hauptrolle und darf sowohl Callum Lynch als auch Aguilar de Nerha verkörpern. Zugegeben, einen großen Unterschied gibt es nicht zwischen den Figuren und betrachtet man den Charakter, so gibt es über de Nerha nicht viel herauszufinden. Allgemein bilden die Passagen in der Vergangenheit eher den Action-geladenen Part mit ein wenig Hintergrundstory.

In der Gegenwart hingegen sind die Randinformationen sehr rar gesät. So wird nur kurz angeschnitten, dass Cal eine klischeehafte Jugend als Pflegekind hatte. Er wurde von Familie zu Familie gereicht und begann ein kleines Verbrechen nach dem anderen. Dass es gleich bis zum Todesurteil kommt, ist fast schon übertrieben. Alles andere würde aber für den gesamten Film keinen Sinn ergeben. Abgesehen von solchen Lücken, über die man leicht hinweg sehen kann, ist der Charakter doch recht stimmig und passt zum Rest des Films. Action hingegen gibt es zu genüge. Besonders schön ist, dass bei den meisten Parcours-Szenen echte Stunts verwendet wurden statt billigen CGI-Tricks.

Insgesamt kann ich sagen, dass mich Assassin’s Creed gut unterhalten hat und ich nun einmal mehr die Lust verspüre, in die Spielwelt einzutauchen. Auch wenn es sicherlich einige Schwächen beim Film gibt, so heben sich die Stärken doch hervor. Dieser Film beweist zumindest, dass auch akrobatisch-lastige Spiele verfilmbar sind ohne zu sehr auf die Computertechnik zurückgreifen zu müssen.

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