Weg ins Nichts – Rojan Dizon

24. Februar 2017 von Johannes Heck

Rojan Dizon – Weg ins Nichts

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ISBN: 978-3944544205

Format: E-Book

Preis: 2,99

Erscheinungsdatum: 09.12.2014

Sprache: Deutsch

Rojan Dizon Teil 1

Mit dem pathetisch klingenden Titel Weg ins Nichts startet die englische Autorin Francis Knight die dystopische Trilogie um den Schmerzzauberer Rojan Dizon. Knight versetzt den Leser in eine Welt, die sich zeitweise wie die futuristische Interpretation einer überfüllten Großstadt anfühlt, dann wieder Züge einer klassischen Fantasy enthält, um dann mit verblüffenden Kombinationen aus beidem aufzuwarten. All das spielt sich unter sehr speziellen Rahmenbedingungen in der bemerkenswerten Stadt Mahala und mit dem sehr eigenwilligen Protagonisten Rojan Dizon ab.

Auf dem Einstieg in diese fremde Welt begleiteten wir Rojan Dizon, den man als eine Art privaten Ermittler bezeichnen könnte. Neben zahlreichen schlechten Charaktereigenschaften zeichnet sich Dizon insbesondere dadurch aus, dass er einer der letzten Schmerzmagier in der Stadt ist. Die genaue Bedeutung diese Profession bleibt zunächst unklar. Einzig der Umstand, dass sie illegal ist Rojan sich ihrer nur sehr ungern bedient wird sehr schnell deutlich. Neben der Magie finden sich in der vertikalen Stadt Mahala Autos, öffentliche Beleuchtung und Fabriken. Also alles was man so von einer modernen Stadt erwartet. Pistolen sind jedoch seltsamerweise eine völlig neue und aufsehenerregende Erfindung. Damit darf der Leser dann also doch wieder nichts als gegeben nehmen.

Der gesamte Roman, ja nahezu das gesamte Universum der Trilogie, liegt innerhalb der Stadt Mahala. Dieser Ort ist durch die Eigenschaft vertikal trefflich beschrieben. Auf einem schmalen Bergpass zwischen zwei Handel treibenden Nationen gelegen, hat er eine starke Schlüsselposition inne. Auch die weiteren Eigenschaften von Mahala werden bald deutlich. Oben wohnen die Reichen und das allmächtige Ministerium, welches im Namen der Göttin über die Stadt herrscht. Unten hausen die Armen, die den säbelzahnigen Todesgott Namrat jeden Tag im Nacken spüren. Die sprachlichen Bilder orientieren sich durchaus an dieser vertikalen Ausrichtung. Besonders auffällig sind auch die sprechenden Namen der verschiedenen Stadtteile. Wolken, Handel oder Sturz sind zugleich einprägsam und aussagekräftig. Und so können auch ihre Bewohner in die verschiedenen Schichten eingeordnet werden.

Ihre Handlung entwickelt Knight nun unter sehr spezifischen Bedingungen. Bald schon werden die entscheidenden Elemente miteinander verwoben. Das hochgiftige Synth, welches als zentrale Energiequelle durch das mysteriöse Glimm abgelöst wurde. Das faschistische Ministerium mit seiner missbräuchlichen Kontrolle über die Religion und nicht zuletzt die Geschichte Mahalas mit den Schmerzmagiern, die einst eine entscheidende Rolle in der Stadt hatten. Die Außenwelt verkommt dabei zu einem bizarren Gerücht. Obwohl die Stadt sich nur durch Handel ernähren kann, wollen manche Bürger nicht so recht daran glauben, dass diese überhaupt existiert. Der Plot verläuft insgesamt recht klassisch, das Finale erscheint mir mit seinen Wendungen dann ein wenig sehr konstruiert, aber das mindert den Gesamteindruck nur wenig.

Neben der eigens entwickelten Begrifflichkeit erscheint mir insbesondere die Gestaltung der Figuren erwähnenswert. Die Protagonisten werden sehr deutlich und durchaus klischeehaft gezeichnet. Rojan Dizon selbst ist schon eher überzeichnet, aber gewinnt dadurch erst den notwendigen Charakter um die Geschichte zusammenzuhalten. Da die Gegenseite bis zum Schluss anonym in den Schatten bleibt ist die starke Ausformung der Hauptfiguren umso wichtiger. Knight löst dies durch teilweise sehr drastische Inszenierungen, die aber überwiegend glaubhaft bleiben. Speziell das Büro des Ermittlers Dizon und seines Partners wecken allerdings Erinnerungen an Dirk Gently und seine holistische Detektei.

Fazit

Weg ins Nichts bietet einen soliden Einstieg in die Rojan Dizon Trilogie. Inmitten eines sehr speziellen Settings erzählt Francis Knight eine eher konventionelle Geschichte. Doch die eigenwillige Sprache und die sehr pointiert gezeichneten Figuren ergeben ein gelungenes Gesamtpaket. Wer den Roman einem Genre zuordnen will, sollte sich aber weniger in Richtung dystopischer Science Fiction orientieren. Eher schon lesen wir hier eine dreckige Detektivgeschichte vor eine phantastischen Bühne. Der Roman endet mit einer offenen Frage, die den Boden bereitet für den zweiten Teil Vor dem Fall.

Weitere Informationen

  • Titel der englischen Originalausgabe: Fade to Black
  • Übersetzung: Melanie Vogltanz
  • Coverbild: Tony Andreas Rudolph

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