Transmetropolitan – Schöne neue Welt

27. September 2013 von Marcus Pohlmann

Trans 1

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ISBN: 978-3862014958

Format: Hardcover

Seiten: 240

Preis: 29,95

Erscheinungsdatum: 01.05.2013

Sprache: Deutsch

Lange Zeit war der von 1997 bis 2002 in Deuschland bei Speed veröffentlichte Comic Transmetropolitan nicht mehr, oder nur mit hohem Kosten- und Suchaufwand, zu bekommen. Die von Warren Ellis geschriebenen und von Darick Robertson gezeichneten Abenteuer des Reporters Spider Jerusalem in einer nur als „Stadt“ bekannten Metropole sind in einer nicht näher definierten Zukunft, wahrscheinlich irgendwann im 23. Jahrhundert, in den Vereinigten Staaten von Amerika angesiedelt. Ursprünglich verteilt auf 60 Hefte und zwei Sonderausgaben legt Panini Comics die Geschichten um den Journalisten nun auf ihrem Vertigo-Label zusammengefasst in fünf Hardcover-Bänden wieder auf, von denen der erste Band Schöne neue Welt hier vorliegt.

Nach einer herausragenden Buchveröffentlichung fünf Jahre zuvor hat sich der Protagonist in eine einsam gelegene Berghütte zurückgezogen und ist zum zotteligen Einsiedler geworden, als ein Anruf seines Verlegers ihn zurück in die verhasste Stadt bringt, um dort die vertraglich zugesicherten Bücher zu schreiben. Der damals gezahlte Vorschuss ist schon lange für Drogen und Munition aufgebraucht und so muss sich der zynische Journalist notgedrungen sein Geld als Kolumnist für „The Word“, eine der führenden Zeitungen der Stadt, verdingen. Der erste Teil des Bandes konzentriert sich vor allem darauf, dem Leser die Stadt, deren Bewohner und ihre Lebensgewohnheiten näher zu bringen. Vieles davon mutet sehr futuristisch an, doch es gibt auch zahlreiche Parallelen zu unserer aktuellen Gegenwart. So gibt es beispielsweise die „Maker“, Küchengeräte, die aus Rohmasse alle beliebigen Dinge von Kleidung über Lebensmittel bis hin zu Waffen herstellen können, oder Menschen, die sogenannten Transienten, die ihre eigene DNA mit dem Erbgut Außerirdischer kreuzen und sich dadurch langsam selbst in Aliens verwandeln. Als sich ein alter Bekannter von Spider Jerusalem zum Anführer dieser Transienten-Bewegung aufschwingt und die Unabhängigkeit seines Viertels vom Rest der Stadt erklärt, schlägt die Stadtverwaltung brutal zurück und lässt die Transienten niederknüppeln. Jerusalem gelingt es als einzigem Reporter in das abgeschottete Viertel zu gelangen und vom Dach eines Strip-Clubs aus schreibt er eine Live-Kolumne über die Geschehnisse auf den Straßen. Dies sorgt schließlich dafür, dass der Polizeieinsatz abgebrochen wird. Die Kolumne ist danach so erfolgreich, dass er von seinem Chefredakteur eine neue Wohnung und eine Assistentin, die ehemalige Stripperin Channon, zugeteilt bekommt. In der zweiten Story des Bandes lernt der Leser den großen Antagonisten des Reporters kennen. Der amtierende Präsident, von allen nur „Das Monster“ genannt, ist in der Stadt um den Wahlkampf vorzubereiten und statt des geplanten Interviews kommt es zwischen den beiden zu einer unschönen Konfrontation auf der Herrentoilette des Kongresszentrums. Im weiteren Verlauf begleitet der Leser Spider Jerusalem bei einem Tag vor dem Fernseher, zu einer Religionsmesse und zu den Foglet-Menschen, die aus Wolken von Nanomaschinen bestehen. Er erzählt die Geschichte eines Revivals, einer Frau, die sich im 20. Jahrhundert einfrieren ließ und nun, nach ihrem Erwachen, sich in einer völlig unbekannten Welt zurechtfinden muss, in der sie niemand haben will und mit der sie nicht zurechtkommt. Der Reporter besucht auch die Reservate, hermetisch abgeschirmte Teile der Stadt, in denen die Menschen wie in der Vergangenheit, beispielsweise der Maya-Kultur oder einem japanischen Shogunat, leben. In der letzten großen Story des Bandes muss sich Spider Jerusalem einer Horde Attentäter erwehren, den verschwundenen Kopf seiner Ex-Frau finden, sich mit einem psychotischen, intelligenten Polizeihund herumschlagen, ein Killerkommando des französischen Geheimdienstes ausschalten und nebenbei auch noch eine neue Kolumne für seinen Redakteur schreiben. Zum Abschluss des ersten Bandes erfährt der Leser schließlich auch noch etwas über die beiden Köpfe hinter der Serie.

Als sie kurz vor Ende des Jahrtausends auf dem deutschen Comicmarkt erschien, zählte Transmetropolitan zusammen mit dem zeitgleich veröffentlichten Preacher, eindeutig zu meinen Lieblingscomics oder Graphic Novels, wie es mittlerweile heißt. Die Story verbindet sinnlose Gewalt und exzessiven Alkohol- und Drogenkonsum mit handfester Gesellschaftskritik und viel Zynismus. Diese Mischung ist sicherlich nicht jedermanns Sache, doch mir gefiel es schon damals recht gut. Lange Zeit waren die Comics nicht mehr zu bekommen und ich war gespannt, ob die Story und die Charaktere nach so langer Zeit überhaupt noch funktionieren. Erstaunlicherweise hat die Geschichte um den Reporter und seine kranke Welt nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. Eher ist das Gegenteil der Fall, denn technische Entwicklungen wie 3D-Drucker oder die allgegenwärtigen Online-Netzwerke haben mittlerweile die Zukunftsvision von Warren Ellis fast eingeholt. Auch die Kritik an Politik und Religion ist genauso relevant wie zu der Zeit, als die Story entstanden ist. Vor allem der Wahlkampf des „Monsters“ und des später auftauchenden „Lächlers“ hat erschreckend viel Ähnlichkeit mit dem vor Kurzem zu Ende gegangenen Bundestagswahlkampf.
Doch stehen bis auf zwei Ausnahmen in Schöne neue Welt gar nicht so sehr die Stories im Mittelpunkt, vielmehr legt der Autor großen Wert darauf dem Leser die Charaktere und das Umfeld in dem sie sich bewegen näher zu bringen.
Aber nicht nur die Texte haben sich in den vergangenen Jahren gut gehalten, auch die Zeichnungen von Darick Robertson, der viel für DC gezeichnet hat, können sich immer noch sehen lassen. Recht detailliert und knallbunt entwirft er eine Zukunft mit allen Vorzügen, aber auch den Schattenseiten und scheut dabei auch nicht davor zurück brutale Szenen zu illustrieren oder außergewöhnliche Perspektiven zu wählen.

Eine tolle, spannende Geschichte, die auch fünfzehn Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung nichts von ihrer Relevanz und Aktualität verloren hat.

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