Stolz und Vorurteil und Zombies

12. September 2010 von Marcus Pohlmann

Stolz und Vorurteil und Zombies

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Format: Softcover

Seiten: 176

Preis: 16,95

Erscheinungsdatum: 24.08.2010

Sprache: Deutsch

Nachdem die Roman-, Film- und sämtliche anderen Veröffentlichungslisten schon seit Monaten fest in der Hand von Vampiren lagen, scheint es nun fast so, als würden auch die hirnfressenden Zombies endlich im Mainstream ankommen. Ganz gleich in welchem Medium, überall trifft der Konsument mittlerweile auf diese, lange unbeachtete, Form der Untoten. Waren Zombiefilme in den 80er und 90er Jahre vor allem für Trash- und Splatter-Fans interessant, so haben die Zombies mittlerweile einen festen Platz auf der Kinoleinwand (Zombieland, Shaun of the Dead, Rammbock), im Comic (Marvel Zombies 1-4, The Walking Dead) und seit neustem auch in der Literatur.

Das wohl bemerkenswerteste Beispiel für den unaufhaltsamen Vormarsch der Untoten ist der Roman Stolz und Vorurteil und Zombies von Seth Grahame-Smith, der sich großzügig bei dem Jane-Austen-Klassiker Stolz und Vorurteil bedient und auf dem die vorliegende Graphic Novel basiert.
Das Original aus dem Jahre 1813 dürfte dem einen oder anderen Leser vielleicht aus dem Englisch-Leistungskurs oder durch die Verfilmung mit Keira Knightley aus dem Jahr 2005 bekannt sein. Kurz gefasst dreht sich die Handlung um die Familie Bennet die dem niederen Adel angehört und die ein Landgut in der Nähe von London bewohnt. Während die größte Sorge von Mutter Bennet darin besteht ihre fünf noch unverheirateten Töchter möglichst vorteilhaft an den Mann zu bringen, macht sich Vater Bennet eher Gedanken darum, wie er sein Land und seine Familie gegenüber den Horden von Zombies verteidigen soll, die das Vereinigte Königreich schon seit geraumer Zeit heimsuchen. Zu diesem Zweck hat er seine Töchter von einem asiatischen Kampfkunstmeister zu geübten Kriegern ausbilden lassen und ermutigt sie bei jeder Gelegenheit ihre Kampftechniken zu verfeinern. Eingebettet in das gesellschaftliche Leben der britischen Oberschicht zu Beginn des 19. Jahrhunderts, folgt die Graphic Novel den Schwestern auf Bälle, Empfänge und betrachtet auch die von Standesdünkel, strenger Erziehung und Ehrgefühl bestimmten Annährungsversuche verschiedener heiratswilliger Kandidaten an die Schwestern. All dies unterbrochen durch ständige Angriffe der Untoten, die mittlerweile zum Alltag gehören und mit einer gewissen Routine abgewehrt werden. Obwohl sich die Geschichte im weiteren Verlauf hauptsächlich auf die zweitälteste Schwester Elisabeth und ihre komplexe Beziehung zu Fitzwilliam Darcy konzentriert erfährt der Leser auch genug über die Sorgen und Nöte der anderen Schwestern und ihrer Freunde und Verwandten bis es schließlich zu einem, mehr oder minder, glücklichen Ende kommt.

Die Grundidee einen literarischen Klassiker ins neue Jahrtausend zu holen und mit einigen Zombies und reichlich Action aufzupeppen ist sicherlich nicht schlecht. Leider liefert die Graphic Novel keine Antwort darauf warum aber ein niederer englischer Landadliger seine Töchter in China bei einem Shaolin-Mönch in der Kampfkunst ausbilden lässt oder eine Lady nur mit einer fünfzehnköpfigen Ninja-Leibwache das Haus verlässt. Auch die Frage warum sich die Toten aus ihren Gräbern erheben und Jagd auf das Fleisch der Lebenden machen wird gänzlich außer Acht gelassen. Da mir der Roman von Seth Grahame-Smith leider nicht vorliegt, weiß ich nicht, ob dort diese Fragen beantwortet werden. So wirkt die Geschichte von Tony Lee letztendlich bemüht, möglichst viele Elemente die man aus anderen Genres kennt einzubinden, ohne dass dieses Vorhaben einigermaßen harmonisch gelingt. Vieles wirkt aufgesetzt und verkommt zum reinen Selbstzweck. Auch der, schon beiläufige, Umgang mit Menschenleben wirkt zynisch und unpassend. Ganze Kirchengemeinden werden von den Zombies aufgefressen, lieb gewonnene Dienstboten getötet oder menschliche Herzen verspeist (und das nicht von den Zombies) und alles ohne größere emotionalere Regungen der Hauptpersonen, wenn sie denn diese Vorgänge überhaupt zur Kenntnis nehmen.
Der Zeichenstil von Cliff Richards ist schön schlicht in den verschiedensten Grauabstufungen gehalten, präsentiert sich halbwegs realistisch und wartet mit einigen (nicht zu drastischen) Kampf- und Splatterszenen auf. Leider ergeben sich auf Grund des gewählten Zeichenstils für den Leser einige Schwierigkeiten die verschiedenen, vor allem weiblichen, Charaktere auseinander zu halten, da Kleidung und Haartracht weitgehend identische sind. Außer zwei kurzen Kurzbiographien des Texters und des Zeichners bietet der 176seitige Band keine Besonderheiten.

Einen literarischen Klassiker mit Zombies und etwas mehr Action anzureichern und als Comic umzusetzen ist eigentlich keine schlechte Idee, allerdings lässt die Ausführung doch deutlich zu wünschen übrig.

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