Providence 1

17. Juli 2016 von Marcus Pohlmann

Providence 1

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ISBN: 978-3957985712

Format: Softcover

Seiten: 144

Preis: 19,99

Erscheinungsdatum: 15.12.2015

Sprache: Deutsch

Alan Moore zählt schon seit Jahren zu den einflussreichsten, wenn auch nicht unbedingt zugänglichen, Comic-Autoren. Neben seinen ungleich bekannteren Schöpfungen, beispielsweise der Liga der außergewöhnlichen Gentlemen oder den Watchmen hat er sich vor einiger Zeit schon einmal mit dem Cthulhu-Mythos des US-amerikanischen Horror-Schriftstellers H.P. Lovecraft beschäftigt. Mit dem nun vorliegenden ersten Teil von Providence kehrt Moore zu dieser Thematik zurück und siedelt seine Story um einen Journalisten im Jahr 1919 an. Veröffentlicht wird der 144 Seiten starke Softcoverband wieder von Panini Comics, die bereits das vorangegangene Neonomicon herausgebracht haben.

Bei den Recherchen zu einer Story macht Robert Black, Journalist beim „New York Herald“, die Bekanntschaft des brillanten, aber etwas verschrobenen Arztes Doktor Alvarez. Dieser bringt ihn auf die Spur eines obskuren Buches, dem „Sous le Monde“ und dem noch selteneren arabischen Original. Nach dem Freitod seines Liebhabers und angeödet von seiner Arbeit bei der Zeitung, entschließt sich Protagonist Black ein Buch über Aberglauben und Geheimgesellschaften in den USA zu schreiben und folgt dabei den Hinweisen von Doktor Alvarez. Dabei gilt sein erster Besuch dem Kuriositätenhändler Suydam, der nebenbei einen okkulten Zirkel leitet. Hier erfährt er auch vom Orden Stella Sapiente, der um das Jahr 1700 von europäischen Flüchtlingen gegründet wurde. Mit diesen Informationen macht er sich auf den Weg zum Goldhändler Boggs in Salem, einem Mitglied des Ordens. Wie auch viele andere Bewohner der Stadt, so leidet Boggs unter einer Erbkrankheit, die sein Äußeres nach und nach verändert. Kenner von Schatten über Innsmouth dürften hier einige Parallelen erkennen. Von Salem aus geht die Reise weiter in die Kleinstadt Athol, wo die Familie Wheatley auf einer abgelegenen Farm wohnt. Garland Wheatley haust dort mit seiner Tochter und deren Kindern, mit denen er merkwürdige, inzestuöse Riten vollzieht. Auch hier bekommt Robert Black neue Hinweise, die ihn diesmal nach Manchester zu einem Doktor Norton führen. Mit einem letzten Tagebucheintrag endet der ersten Teil der Geschichte und dem Leser bleibt wenig mehr, als auf die Fortsetzung zu warten, die im August 2016 erscheinen soll.
Unterbrochen wird die Geschichte immer wieder durch Rückblenden auf das Leben des Protagonisten, Träume, die ihn heimsuchen und durch längere Textpassagen in Form von Briefen, Tagebucheinträgen oder Flugblättern. Diese sind ein elementares Bindeglied zwischen den einzelnen Kapiteln und bringen die Story weiter voran.
Abgerundet wird der Band durch ein Nachwort von Antonia Solinas, einer Galerie der einzelnen Heftcover, Kurzbiographien von Autor und Zeichner sowie einer Karte der Stadt Providence auf den Umschlaginnenseiten.

Ich bin mir noch nicht ganz sicher, in welche Richtung Alan Moore mit Providence letztendlich will. Dieser erste Band ist kaum mehr als die Aneinanderreihung von Personen und Motiven aus den Erzählungen H.P. Lovecrafts, verbunden durch eine mehr oder minder dünne Rahmenstory. Hin und wieder blitzt zwar ein origineller Ansatz, zumeist durch die Traumsequenzen und langen Textpassagen, hervor, doch bevor dieser weiter ausgearbeitet wird, hetzt der Protagonist schon wieder zum nächsten Schauplatz. Für Leser, die bisher nicht mit dem Cthulhu-Mythos in Berührung gekommen sind, funktioniert die Geschichte dabei erstaunlicherweise deutlich besser als für belesene Lovecraft-Afficionados. Immerhin gibt es für diese zahlreiche Kleinigkeiten zu entdecken, die sich nur bei aufmerksamer Betrachtung der Seiten erschließen. Dennoch bleibt der Eindruck bestehen, dass es dem Autor stellenweise nur darum ging möglichst viel cthuloides „Namedropping“ in dieser Graphic Novel unterzubringen. Wie und ob die Geschichte überzeugen kann, wird sich wohl erst in den nachfolgenden Teilen zeigen, zumindest der Grundstein für eine spannende, komplexe Geschichte ist mit diesem ersten Band gelegt.
Die Zeichnungen von Jacen Burrows sind sehr stimmig und voller kleiner Details, die eine genaue Betrachtung verdienen. Die eingeschränkte Farbpalette mit ihren vielen dezenten und erdigen Tönen unterstreicht und verstärkt die Stimmung der Geschichte. Dem Zeichner gelingen hier viele großartige Bilder, die den historischen Kontext, aber auch den fiktiven Hintergrund sehr gut einfangen.

Ob Alan Moore mit Providence eine wirklich gute Grahic Novel gelungen ist, wird sich wohl erst in den späteren Teilen zeigen. Dieser erste Band bleibt etwas hinter den (zugegeben hohen) Erwartungen zurück.

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