Percy Pickwick – Gesamtausgabe Band 4

16. Mai 2016 von Marcus Pohlmann

Percy Pickwick - Gesamtausgabe Band 4

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ISBN: 978-3868697698

Format: Hardcover

Seiten: 216

Preis: 29,95

Erscheinungsdatum: 01.06.2015

Sprache: Deutsch

Mit dem vierten Band der Percy Pickwick – Gesamtausgabe zeichnet sich ein weiterer Wechsel im Team ab. Während De Groot der Serie weiter als Texter erhalten bleibt, zieht sich der Zeichner Turk immer weiter zurück und Bernard Dumont, besser bekannt als Bédu, übernimmt ab 1984. toonfish haben in diesem, mit 216 Seiten bisher umfangreichsten Band der Serie, vier Stories aus den Jahren 1983 bis 1987 sowie eine Kurzgeschichte aus dem Jahr 1977 gesammelt, neu bearbeitet und als Hardcover-Buch veröffentlicht.

Wie auch bei den anderen Bänden bekommt der Leser zu Beginn einige Hintergrundinformationen zu den Beteiligten. In diesem Fall konzentrieren sich die Autoren auf den neuen Zeichner Bédu und liefern einen recht umfassenden Überblick. Vor allem die illustre Karriere vom promivierten Wirtschaftswissenschaftler zum Comiczeichner ist dabei bemerkenswert. Ein Überblick auf die bisherigen Projekte, hierzulande praktisch unbekannt, darf dabei ebenfalls nicht fehlen.
In „Allzeit bereit“ ist Colonel Pickwick als Pfadfinderführer „Großer Reiher“ mit seinen Schützlingen unterwegs als zwei von ihnen entführt werden. Zusammen mit der restlichen Truppe und den Vätern der beiden Jungen macht sich der Detektiv daran, die Schuldigen zu überführen. Hier hat der Leser zum ersten Mal die Gelegenheit, einen Blick auf die schon häufig erwähnte Pfadfinderkarriere der Hauptfigur zu werfen, alleine das macht die Geschichte schon unterhaltsam. „Die Reportage“, diesmal mit Bédu als Zeichner, gewährt dagegen einen seltenen Einblick in die Vergangenheit des Colonels und fasst zwei prägende Episoden aus seinem bewegten Leben zusammen. Noch im Internat löst Pickwick hier seinen ersten Fall, bei dem es immerhin um die verschwundenen Aufgaben einer Klausur geht. Einige Jahre später, während des deutschen Blitz auf London ist der Detektiv bei der britischen Flugabwehr und entlarvt einen Maulwurf in den eigenen Reihen. Nebenbei wird hier der Grundstein für seine spätere Karriere beim Geheimdienst gelegt und auch das erste Zusammentreffen mit der resoluten Miss Partridge, seiner künftigen Haushälterin, findet statt. Durch einen (selbstverschuldeten) Autounfall macht Percy Pickwick in „Agent ohne Erinnerung“ die Bekanntschaft von Michael, der sein Gedächtnis verloren hat und sich im späteren Verlauf als russischer Attentäter mit Gewissensbissen herausstellt. Auf der Suche nach den Hintergründen müssen sich der Detektiv und sein Begleiter mit misstrauischen MI5-Bürokraten, hinterlistigen KGB-Agenten und eine allzu anhänglichen Krankenschwester herum schlagen. Ähnlich wie schon bei der zweiten Geschichte des Bandes dreht sich ein „Ein filmreifes Verbrechen“ um frühere Abenteuer des Colonels. Eigentlich als Ratgeber für eine Verfilmung seines bewegten Lebens angeheuert, muss sich Percy Pickwick daran machen eine Häufung von verdächtigen Unfällen am Filmset aufzuklären. Rivalitäten zwischen den Schauspielern, ein Flirt mit der Filmdiva und der umtriebige Constable Strawberry erschweren die Ermittlungen, und die Dreharbeiten, zusätzlich. Die abschließende Kurzgeschichte „Suspense Street“ kommt praktisch ohne Dialoge zwischen den beiden einzigen Personen aus. Viel mehr stehen die nebligen Straßen Londons, der Wagen des Colonel und ein ominöses Ticken im Vordergrund. Turk & De Groot zeigen hier, dass es auch mit minimalen Mitteln möglich ist Spannung zu erzeugen, eine gute Geschichte zu erzählen und schließlich eine sehr trockene, britische Pointe zu liefern.

Stimmung und Hintergrund der Geschichten von De Groot variieren teils sehr stark, während die erste und letzte Story einem eher harmlosen Ansatz folgen, haben die anderen beiden letzten Endes einen recht ernsten Hintergrund, der nur ein wenig abgemildert wird. Hier merkt der Leser sehr deutlich, dass eine andere, ältere Zielgruppe angesprochen wird als bei früheren Veröffentlichungen. Dennoch funktioniert der Spagat zwischen ernsten Themen und dem typischen Humor der Serie sehr gut und sorgt für spannende, aber auch lustige Unterhaltung. Dagegen wurde auf Slapstick-Einlagen, wie in früheren Bänden häufig verwendet, fast vollständig verzichtet.
Der Übergang zwischen Turk und Bédu verläuft fast unmerklich, nur beim direkten Vergleich der Zeichnungen sind die feinen Unterschiede zwischen den beiden Zeichnern ersichtlich. Entsprechend muss der Leser auch keine Abstriche bei den Hintergrunddetails machen und die Eigenheiten der Figuren bleiben dankenswerterweise erhalten. Neu hinzu gekommen sind dagegen kleine Gags, die erst beim genauen Hinsehen erkennbar sind, so hat beispielsweise der Fahrer der russischen Spione eine frappierende Ähnlichkeit mit Leonid Breschnew oder Charles Bronson schleppt am Filmset Kabel.

Auch der vierte Teil der Percy Pickwick – Gesamtausgabe funktioniert auch heute als lockere Comic-Unterhaltung und kann sich nach 30 Jahren zeichnerisch und erzählerisch immer noch sehen lassen.

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