Okko 1 – Das Buch des Wassers

16. Juni 2010 von Marcus Pohlmann

Okko 1

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ISBN: 3551767950

Format: Softcover

Seiten: 96

Preis: 19,90

Erscheinungsdatum: 22.11.2006

Sprache: Deutsch

Neben Wein, Käse und allerlei anderen Leckereien ist Frankreich auch für seine hervorragenden Comics bekannt. So kann man in der Regel blind zugreifen, wenn wieder ein neuer Comic aus diesem Land auf dem deutschen Markt erscheint. Der, zumindest mir, unbekannte Zeichner und Autor HUB, legt mit seinen Geschichten über den Ronin Okko nun bei Carlsen Comics eine Serie vor, die zeigen muss, ob sie dem exzellenten Ruf der französischen Comics gerecht wird.

Die Geschichte ist im mittelalterlichen Pajan, sehr stark angelehnt an Japan, angesiedelt. Viele Kriegsherren und Familien ringen hier in einem blutigen Bürgerkrieg um die Macht im Reich und überziehen das Land mit Tod und Verwüstung. Das Leben eines einfachen Bauern zählt hier kaum etwas und die ganze Gesellschaft ist stark geprägt von einem rigiden Ehren- und Verhaltenskodex. Dazu kommen noch einige Elemente, die dem Hintergrund einen starken fantastischen Einfluss geben. So gibt es Oni, meist sehr bösartige und grausame Dämonen, Kami, Elementargeister, die von Mönchen und Magiern beschworen werden können um Aufgaben zu erfüllen und allerlei andere Wesenheiten, die sich auch in der japanischen Mythologie finden. Diese Welt wird nun, ohne großartige Einleitung, auf den Leser losgelassen.

Gleich zu Beginn lernt man die vier Hauptfiguren der Serie kennen. Das ist zum einen der Titelheld Okko, ein entehrter Samurai, hervorragender Schwertkämpfer und Dämonenjäger der durch das Land zieht und seine Dienste demjenigen anbietet, der es sich leisten kann. Der mysteriöse und stets maskierte Noburo ist ebenfalls ein ausgezeichneter Kämpfer dessen Fähigkeiten die eines normalen Menschen bei weitem übersteigen. Spirituellen Beistand erhalten die beiden durch den Mönch Noshin, der eine Vorliebe für Sake hat und die Geister zu Hilfe rufen kann. Der letzte der Truppe ist der junge Fische Tikku, der den Part des Geschichtenerzählers übernimmt und den Dämonenjäger beauftragt seine Schwester, Kleiner Karpfen, zu retten, die zusammen mit anderen Geishas von Piraten entführt wurde. Unter der Anleitung von Wassergeistern folgt diese bunte Truppe den Spuren der Entführer über eine Vielzahl kleiner Inseln, bis sie schließlich im Großen Purpurlotos eintreffen, einem gewaltigen Spielcasino und Teehaus. Hier finden sie die sterblichen Überreste der Geishas, lediglich Tikkus Schwester befindet sich nicht darunter. Nach einem erneuten Zusammenstoß mit den Piraten erfahren die Dämonenjäger dass Kleiner Karpfen von einer riesigen, verschleierten Frau mit auf ihre Insel mitgenommen wurde. Erneut besteigen sie ihr Schiff und nehmen die Verfolgung auf, müssen aber in einem Sturm um ihr Leben kämpfen und können sich nur knapp an den Strand der gesuchten Insel retten. Hier machen sie die Bekanntschaft des Fürstenpaares und ihres Haushaltes und werden gastfreundlich aufgenommen. Während sich Okko, der Mönch und Noburo weitgehend um ihre Angelegenheiten kümmern, sucht Tikku auf eigene Faust seine Schwester und findet sie schließlich auch. Den Rest der Geschichte soll an dieser Stelle aber nicht verraten werden.

Mit Okko – Das Buch des Wassers liefert HUB eine spannende und faszinierende Geschichte voller Geheimnisse, Kämpfe und Übersinnlichem ab. Die Charaktere und ihr Verhalten sind stimmig, die Zeichnungen können die Stimmung der Story sehr gut wiedergeben, wobei einige der Bilder recht drastisch sind, und auch die Farbwahl fügt sich in dieses runde Gesamtbild nahtlos ein. Die Story selbst ist so oder so ähnlich sicher schon einige Male verarbeitet worden, doch hält sie noch einige Wendungen und Überraschungen bereit, so dass sich der Leser nie ganz sicher sein kann, was ihn als nächstes erwartet. Hierbei sorgen auch die, für westliche Leser, ungewohnten Bezüge auf die japanische Mythologie und ihre Besonderheiten für eine interessante Abgrenzung zu Comics eher westlicher Prägung. Auch gelingt es HUB die Charaktere, selbst die Nebenfiguren, interessant und plastisch erscheinen zu lassen ohne auf platte Klischees zurückzugreifen. Immer wieder erhält der Leser kleine Schnipsel Hintergrundinformationen über die Charaktere, die sich erst im Laufe dieser, und auch der folgenden, Geschichte zu einem Gesamtbild zusammensetzen. So bleibt man schließlich zurück und fragt sich tatsächlich, was es mit dem scheinbar unbesiegbaren Noburo auf sich hat, wem Okko vor seiner Entehrung diente und was der Mönch vor seinem Eintritt ins Kloster getrieben hat. Ergänzt wird all dies noch durch weitere fantastische Elemente wie gewaltige Kampfmarionetten, fliegende Festungen, untote Ninjas und geheimnisvolle Mönchsorden.

Ein durchweg gelungener Comic, der sowohl Fantasyfans als auch Freunde der japanischen Mythologie ansprechen dürfte. Nach dem Lesen des Bandes möchte man wissen, welche Abenteuer die kleine Gruppe noch bestehen muss und auch mehr über die Figuren selbst erfahren. Die Fortsetzungen sind, zumindest für mich, Pflichtkäufe.

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