Letzte Welten

16. Juni 2010 von Heike Rau

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ISBN: 9783498029883

Format: Hardcover

Seiten: 480

Preis: 22,90

Erscheinungsdatum: 21.09.2007

Sprache: Deutsch

Die Polaris-Expedition des US-Militärs zum Nordpol findet im polaren Winter des Jahres 1872 statt. Auf der Rückreise vom Winterquatier schlägt das Schicksal zu. Die Polaris sitzt im Eis fest, bäumt sich auf, droht nicht länger standzuhalten. Angesichts der Gefahr versucht die Mannschaft zu retten, was zu retten ist. Mitten in der Nacht, bei Wind, hohen Wellen und unvorstellbarer Kälte werden Proviant und Frachtgut aufs Eis geworfen und von einigen Seeleuten entgegengenommen.
Ganz plötzlich setzt sich das Schiff ab und verschwindet. Die neunzehn Zurückgelassenen können nur eins tun: darauf warten, dass die Polaris zurückkommt. Am nächsten Morgen wird das Schiff gesichtet, doch die Eisscholle mit den Gestrandeten – es sind Menschen verschiedener Nationalitäten, vor allem Deutsche und Eskimos, darunter auch Kinder – treibt ab.
Obwohl die kleine Gruppe über Beiboote verfügt, gelingt es trotz aller Anstrengungen nicht, das Schiff zu erreichen, was nicht zuletzt an der Unzulänglichkeit und der Gemütsverfassung der Männer liegt. Lieutenant Tyson hat die Befehlsgewalt, doch durchsetzten kann er sich nicht.
Als ein Stück der Scholle abbricht sind weitere Verluste zu beklagen, vor allem, was den Proviant betrifft. Es ist als großes Glück zu bezeichnen, dass die Scholle zurückkehrt. Dennoch müssen die Lebensmittel streng rationiert werden. Die Schiffbrüchigen hoffen weiterhin mit einem Boot an die Küste zu kommen oder doch noch von der Polaris abgeholt zu werden.
In einem Lager aus Schneehütten harren sie aus und trotzen der eisigen Kälte trotz lebensfeindlicher Bedingungen. Das Zusammenleben gestaltet sich immer schwieriger. Rang und Stand werden bedeutungslos. Es geht ums Überleben. Regeln werden unter diesen schwierigen Umständen bald nicht mehr eingehalten. Es kommt zur Meuterei.

Im Buch wird der Überlebenskampf der Gruppe in allen Einzelheiten dargestellt. Unvorstellbares wird hier geschildert, Zwischenmenschliches beleuchtet. Die extreme Not entzweit die Menschen, die im Buch sehr genau beschrieben werden. Ihr Überlebenswille und ihre Angst vor dem Tod treibt grausame Blüten. Der Autor beschreibt den immer weiter fortschreitenden Zerfall der Gruppe, die völlig auf sich gestellt ist.
Es bleibt nicht bei der Beschreibung der Katastrophe. Der Autor verfolgt auch den weiteren Lebensweg der Überlebenden. Für keinen von ihnen bleibt das Erlebte ohne Folgen, auch wenn zunächst totgeschwiegen wird, was wirklich passiert ist.

Der Autor beleuchtet das Drama nicht nur von seiner Seite. In Tagebuchform, einerseits wörtlich zitiert, andererseits aber auch der Geschichte angepasst, wird dargestellt, wie Lieutenant Tyson die Situation auf dem Eis erlebt hat. Der Autor beschreibt im Nachwort noch einmal genau, wie die Einträge gestaltet worden sind. Diese Passagen im Buch sind überaus spannend, wenn auch angesichts der detailreichen, schonungslosen Schilderungen sehr erschütternd.
Der Romanteil um die Tagebucheinträge herum wirkt bei aller Tragik leider äußerst schwerfällig geschrieben, besonders zum Ende des Buches hin, wo es um den weiteren Lebensweg einiger Überlebender geht. Der Autor verlangt hier vom Leser erhöhte Konzentration.
Im Buch findet man Kartenmaterial und einige Illustrationen, die die Dramatik der Geschichte noch einmal unterstreichen.

Fazit: „Letzte Welten ist ein ergreifender Roman, der das Schicksal einer Gruppe von Menschen in einer unvorstellbaren Ausnahmesituation zeigt. Er hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck, auch wenn der Schreibstil des Autors hin und wieder das Lesen erschwert.

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