Kochen wie anno dazumal

2. Oktober 2010 von Heike Rau

Kochen_wie

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ISBN: 978-3990110225

Format: Hardcover

Seiten: 160

Preis: 19,95

Erscheinungsdatum: 01.08.2010

Sprache: Deutsch

Das alte Kochbuch wurde auf einem Speicher in Glonn, nahe München, gefunden. Es ist nur eine Kladde, in der die Rezepte für festliche Menüs ungeordnet liegen. Niedergeschrieben würden diese Kochanleitung von M. W. zu Trautenau im 19. Jahrhundert.

Viel weiß man nicht über die Köchin. Möglicherweise zog sie von Ort zu Ort und kochte für bäuerliche Haushalte, zum Beispiel wenn eine Hochzeit anstand.
Beatrice Hintermeier hat die Rezepte gesichtet, unleserliches entziffert, soweit es ging, und nun neu veröffentlicht. Die originalen Rezeptblätter findet man reproduziert mit im Buch. Dazu kommen zahlreiche sehr schöne Illustrationen. Es sind Aquarelle, die in den alten Bauernhäusern der Freilichtmuseen in Oberbayern angefertigt wurden und die das bäuerliche Leben in den Haushalten bildlich darstellen, wobei hier natürlich insbesondere die Küchen und Herdstellen ins Auge des Betrachters fallen sollen. Verschiedene alte Küchenutensilien sind ebenfalls abgebildet, also alte Waagen, Siebe, Geschirr, Töpfe, Pfannen und vieles mehr.

Die Rezepte sind nicht in Kapitel aufgegliedert, sondern bunt gemischt. Querbeet findet man „Essiggurken“, „Rahm-Kuchen“, „Gersten Schleim“, „Kirschen-Kuchen mit Griesguß“, „Schweinefleisch auf Wildpretart“, „Schokolad-Makaroni“, „Bratenfülle auf 3 – 4 Tauben“, „Gebackene Semmelknödel“, „Anis Laibchen, zum Schneeberg“, „Weintrauben-Torte“, „Aspich, oder saure Sulze“ oder „Sauerrahm-Auflauf mit Aprikosen“. Es sind vor allem sehr gehaltvolle Gerichte, die gut sättigen, darunter auch viel Süßes, wie Desserts und Kuchen. M. W zu Trautenau beschreibt auch, wie sie Obst einkochte.

Es ist kein gewöhnliches Kochbuch, das man hernimmt, um danach zu kochen. Es ist für Interessierte gedacht, die bereit sind, sich mit den alten Rezepten zu beschäftigen und auseinander zu setzen, die wissen wollen, wie damals gekocht wurde.

Beatrice Hintermeier hat die Rezepte soweit es ging im Original übernommen, samt Fehlern. Aber gerade das Umgangssprachliche in den handschriftlichen niedergelegten Texten, ist sehr spannend zu lesen, so dass man ein Gefühl für diese längst vergangene Zeit entwickeln kann. Es gibt ein Glossar, so dass man auch für alte nicht mehr gebräuchliche Begriffe Erklärungen nachschlagen kann. Man findet aber die Zutaten auch noch einmal mit angepassten Maßangaben in einer Liste, so dass man sich schon, wenn man Kocherfahrung hat, an die Rezepte heranwagen und genauso kochen kann wie die böhmische Köchin es einst tat. Es macht Spaß zu experimentieren und die Kochanleitungen mit den eigenen gemachten Erfahrungen zu verbinden.

Die reproduzierten handschriftlichen Texte in Sütterlinschrift sind den gedruckten gegenübergestellt, so dass auch direkt die originalen Handschriften betrachtet werden können. Das verleiht dem Buch ein ganz besonderes, altertümliches Flair. Nach und nach lernt man auch tatsächlich, diese Schrift zu lesen.
Dazu kommen noch die Aquarelle der bäuerlichen Küchen aus den Freilichtmuseen. Passend zum Buch hat man Farbe sehr sparsam verwendet. Die Schriftfarbe ist nicht schwarz, sondern grau. Überschriften sind in einen Braunton abgesetzt, passend zur Schriftfarbe der originalen Rezepte auf dem alt wirkenden Papier. Sehr gut macht sich auch die Häkelspitze, welche die Seiten ziert. Diese Art der Aufmachung, der Übergang der Farben Ton in Ton, gefällt ausgesprochen gut.

Fazit: Es ist ein Kochbuch für jene, die nach alten Rezepten suchen, die Spaß daran haben, überlieferte Kochrezepte auch im Original zu lesen, diese auszuprobieren und auf die heutige Zeit zu übertragen.

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