Isnogud 1 – Präsident Isnogud

23. Oktober 2016 von Marcus Pohlmann

Isnogud 1 - Präsident Isnogud

Kategorie:

Autor: ,

Zeichner:

Verlag:

Genre:

Serie:

ISBN: 978-3944077482

Format: Hardcover

Seiten: 48

Preis: 14,00

Erscheinungsdatum: 06.10.2016

Sprache: Deutsch

Der heimtückische Großwesir Isnogud versucht nun schon seit rund 50 Jahren in der gleichnamigen Comic-Serie Kalif anstelle des Kalifen zu werden. Ursprünglich erdacht und gezeichnet von René Goscinny und Jean Tabary schafften es die Abenteuer um Isnogud, seinen treuen Mietsklaven Tunichgud und den prächtigen Kalifen Harun al-Pussah in den frühen 80er Jahren zuerst in Comic-Magazinen und schließlich in Alben-Form nach Deutschland. Als ich zum ersten Mal, im zarten Alter von zehn oder zwölf, einen der Bände in die Hände bekam, eröffneten sich mir völlig neue Comic-Welten: Eine boshafte Hauptfigur, Ironie und Wortspiele (die ich damals nur bedingt verstand); dies alles unterschied sich doch deutlich von den Comics, die ich bisher kannte. In den folgenden Jahren wurde ich ein großer Fan der Serie, allerdings ließ die Qualität nach Goscinnys Tod etwas nach und im Laufe der Jahre erschien immer weniger neues Material.
Mittlerweile ist Nicolas Tabary als Zeichner in die Fußstapfen seines 2011 verstorbenen Vaters getreten, hat sich mit dem Autorenteam Nicolas Canteloup und Laurent Vassilian zusammengetan und startet nach einer kurzen Auszeit mit der Serie einen neuen Anlauf. Veröffentlicht wird der erste Band Präsident Isnogud von dani books aus dem hessischen Groß-Gerau.

Der Band beginnt mit einer ungewöhnlichen Situation: Das Volk von Bagdad jubelt seinem neuen Herrscher Isnogud zu, der in einer Rede vom „Sieg der Demokratie“ spricht. Der Leser ist an dieser Stelle ebenso irritiert wie der treue Handlanger Tunichgud, der sich aus dem Panel heraus an Autoren und Leser wendet und um Aufklärung der doch sehr ungewöhnlichen Situation bittet; ein Stilmittel, das später noch öfters zum Einsatz kommt.
Die Antwort auf diese Frage folgt schon auf den nächsten Seiten in einer Rückblende, denn gemäß der Verfassung muss sich der Kalif alle zehn Jahre einer Wahl stellen um seinen Titel zu behalten. Normalerweise kein Problem, da Harun al-Pussah der einzige Kandidat und Wahlberechtigte ist, doch wie so häufig in der Serie bringt ein Neuankömmling die geordneten Verhältnisse in Bagdad durcheinander. In diesem Fall ist es der große Magier Freut, der in der Lage ist, die innersten Sehnsüchte und Wünsche der Menschen zu erfüllen. Dieser Magier bringt nach und nach einen Großteil der Bevölkerung Bagdads dazu, ihre Arbeit niederzulegen und sich andere Beschäftigungen zu suchen. So wechselt beispielsweise der Henker Dikhör, ein wichtiger Verbündeter des Großwesirs, in den Beruf des Ziegenzüchters.
Nachdem die magischen Hilfsmittel des fahrenden Händlers Al Dih nicht zum gewünschten Erfolg geführt haben sucht Isnogud ebenfalls die Hilfe von Freut, was allerdings in einem Eklat endet. Derweil verbreiten sich sprechende Ziegenböcke (Fes-Bock) und Schweine (Kwieker) mit lustigen Kopfbedeckungen in der Stadt, ein weiterer magischer Fehlschlag von Al Dih, und wirbeln die normalen Kommunikationswege der Bewohner Bagdads durcheinander.
Ohne seinen bewährten Henker schwindet die Furcht der Bevölkerung vor Isnogud, auch der chinesische Aushilfshenker hilft nicht, und die Menschen starten tatsächlich eine Revolution um den Großwesir abzusetzen. Nur das Eingreifen des Kalifen kann die Situation etwas beruhigen und in einem seltenen Anfall von politischem Engagement überträgt Harun al-Pussah alle Macht und die Entscheidung über den zukünftigen Kalifen dem Volk. Da zu einer ordentlichen Kalifatswahl aber auch eine Opposition gehört, wird Isnogud dazu genötigt diese Position zu übernehmen.
Der Wahlkampf zwischen Harun al-Pussah und Isnogud schaukelt sich immer weiter hoch und enthält letzten Endes alles, was wir auch von unseren heimischen Wahlen her kennen: öffentliche Debatten, politische Ratgeber, eine „Trophy Wife“, Imageberater und meinungsbildende Medien. Mit dem Versprechen eines generellen Steuererlasses gelingt es Isnogud schließlich die Gunst der Wähler zu erlangen und das bisher Undenkbare geschieht – er gewinnt die Wahl und wird damit Kalif anstelle des Kalifen.
Wieder ist es Tunichgud, der die neuen Autoren der Serie darauf hinweist, das ein Isnogud-Band nicht damit enden kann, dass der Großwesir ans Ziel seiner Wünsche kommt. Dies nehmen sich die Autoren augenscheinlich zu Herzen und liefern ein viel typischeres Ende der Geschichte ab.

Der Comic richtet sich an mehrere Zielgruppen und funktioniert dabei, zumindest für mich, auf mehreren Ebenen. Für jüngere Leser ist die Geschichte recht lustig, mit harmlosen Scherzen und einigen Gemeinheiten aufgelockert; also alles, was auch frühere Stories um den Großwesir ausgezeichnet hat. Etwas ältere Semester werden jedoch in Präsident Isnogud auch Parallelen zu aktuellen politischen Ereignissen finden, so wird beispielsweise ein Krieg mit dem Nachbarstaat vom Zaun gebrochen, um die eigenen Umfragewerte aufzupolieren, Statistiken werden manipuliert und finanzstarke Hintermänner versuchen Einfluss auf die Führung des Kalifats zu nehmen. Beim zweiten oder auch dritten Lesen des Bandes fallen darüber hinaus viele, teils verdeckte, Anspielungen auf, welche die Autoren, zwei französische Komiker, untergebracht haben. Auch sehr sympathische Kleinigkeiten tauchen in dem Band auf, beispielsweise das Auftauchen der beiden Schöpfer der Serie als Fata Morgana, die Schlagzeilen der Kalifats-Zeitungen oder auch nur die Kopfbedeckungen verschiedener Charaktere. Übersetzer Klaus Jöken hat zudem bei diesem Band ganze Arbeit geleistet und neben einer guten Übersetzung auch noch einige typisch deutsche Problemthemen eingearbeitet, wie beispielsweise den Flughafen BER oder das unsägliche Stuttgart 21.
Der Zeichenstil von Nicolas Tabary entspricht weitgehend dem seines Vaters und nur bei direktem Vergleich mit den alten Bänden sind kleine Unterschiede zu erkennen. Betont comichaft mit kräftigen Strichen und einer breiten Farbpalette scheinen die Jahrzehnte dem Großwesir nichts anhaben zu können. Das entspricht zwar nur bedingt den Erwartungen heutiger Comicleser, funktioniert aber in diesem Fall ganz hervorragend und betont den Retro-Charme der Serie.

Autoren und Zeichner haben mit Präsident Isnogud dem Großwesir einen würdigen Neustart beschert, dem hoffentlich noch viele weitere Bände folgen werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.