Geil auf Sex und Tod

20. September 2015 von Marcus Pohlmann

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ISBN: B00WFSDJ26

Format: Softcover

Seiten: 136

Preis: 12,80

Erscheinungsdatum: 01.05.2015

Sprache: Deutsch

Der Festa Verlag ist vor allem für seine Thriller- und Horror-Romane der etwas härteren Art bekannt, machen diese doch einen großen Teil des Verlagsprogramms aus. Daneben gehören auch noch Bücher ins Portfolio des Verlags, die zu drastisch für den normalen Buchmarkt sind und daher unter der virtuellen Ladentheke, also über den Online-Shop des Verlags, als Privatdrucke vertrieben werden. Diese Reihe, folgerichtig Festa Extrem betitelt, wächst langsam aber stetig und mit Geil auf Sex und Tod des US-amerikanischen Autors Shane McKenzie liegt mittlerweile schon der zwölfte Band der Serie vor.

Gary, der 30jährige Protagonist des Romans, wohnt noch bei seiner Mutter und ihrem Lover, ist übergewichtig, jobbt in einem Comic-Laden und hat eine ungesunde Leidenschaft für Junk-Food, Sammelkarten und Online-Rollenspiele. Seine bisherigen sexuellen Erfahrungen beschränken sich auf einsame Sitzungen mit Hentai-Comics und obskure Fantasien, die sich hauptsächlich um die dralle Nachbarin drehen, der er manchmal beim Umziehen zuschaut. Gary hat sich in diesem Leben mehr schlecht als recht eingerichtet, träumt aber insgeheim immer noch von einer Karriere als Comic-Autor und -Zeichner. Doch es läuft nicht gut für ihn: Er wird von einigen Jugendlichen drangsaliert, sein bestes Kartendeck gestohlen und dann will seine Mutter Sheila auch noch den widerlichen Chester heiraten, schließlich verliert er auch noch seinen Job im „Rusty Dungeon“, dem Comicladen.
Als einziger Zufluchtsort bleibt Gary wieder einmal nur ein besonders alter und großer Vogelbeerbaum, der im nahe gelegenen Wald steht. Zur Entspannung befriedigt er sich im Schatten des Baumes selbst und erweckt damit eine merkwürdige Kreatur zum Leben, die dort, wie der Leser aus dem Prolog weiß, begraben lag. Das Wesen, einem kleinen Mädchen nicht unähnlich, nennt Gary ihren Meister und bekommt von ihm der Einfachheit halber den Namen Mary Jane verpasst. Der Fressling, so nennt sie sich selbst, verspricht unserem Helden die Erfüllung all seiner sexuellen Fantasien und Wünsche, ernährt sich Mary Jane durch die beim Akt freigesetzten Energien. So verliert Gary schon bald seine Unschuld, doch der Fressling ist noch immer hungrig und schwer zu kontrollieren. Daher bekommen am nächsten Tag die Mitglieder einer Kirchengemeinde die Macht der Kreatur zu spüren und fallen in einer gewaltigen Orgie übereinander her.
Nach einer weiteren, diesmal blutigen, Konfrontation mit Chester flüchtet Gary erneut zu seinem geheimen Platz im Wald, doch diesmal folgt ihm der Stiefvater in spe und richtet den jungen Mann übel zu. Während sein Blut in den Waldboden sickert, bahnt sich eine zweite Kreatur einen Weg an die Oberfläche. Dabei handelt es sich um Mary Janes Bruder, der den Namen Kronos bekommt, und ähnliche Ernährungsgewohnheiten wie seine Schwester hat. Allerdings ist die Lieblingsspeise des Fresslings Energie, die durch Gewalt und Aggression freigesetzt wird.
Zusammen mit Mary Jane und Kronos macht sich Gary schließlich zu einem Rachefeldzug auf um seinen Peinigern alle Demütigungen heimzuzahlen. Zuerst bekommen die Besucher des Comicladens eine erst Kostprobe von der zerstörerischen Kraft von Kronos bevor sich Gary daran macht, Chester auszulöschen. Doch die Fresslinge entwickeln einen unstillbaren Appetit und zum großen Showdown fällt ein ganzes Stadtviertel übereinander her.

Weder hält sich Shane McKenzie mit tiefgründigen Analysen seiner Figuren auf, noch versucht er dem Leser eine unterschwellige Botschaft zu vermitteln. Auch kunstvoll verschachtelte Handlungsstränge mit mehreren Erzählebenen finden sich in dem Band nicht. Stattdessen strebt die Geschichte um den Versager Gary und seine beiden gierigen Fresslinge direkt und ohne Umschweife in Richtung des großen, blutigen und auch etwas vorhersehbaren Finales. Dabei will der Roman eigentlich nichts anderes als den Leser unterhalten und schockieren; vor allem auf das letztere legt der Autor mit seinen expliziten, sehr anschaulichen, Schilderungen von Sex und Gewalt großen Wert. Leider bietet Geil auf Sex und Tod dann auch nicht wirklich viel mehr als eine Aneinanderreihung von Exzessen und vernachlässigt dabei die Story, die über einige durchaus interessante Ansätze verfügt. Fast sämtliche Charaktere wirken zudem wie am Reißbrett entworfen und mit möglichst vielen Klischees vollgestopft, allen voran natürlich der Protagonist Gary.
Für die Liebhaber etwas extremer Stoffe, wie beispielsweise dem Torture-Porn-Comic Crossed oder der Horrorfilm-Anthologie German Angst, bietet der Roman dennoch ein unterhaltsames, unkompliziertes Lesevergnügen. Die gute Lesbarkeit des Buches liegt zum einen an der schon erwähnten, gradlinigen Schreibweise, zum anderen am sehr großzügigen, lesefreundlichen Layout. Und so dauert  die Lektüre der fast 200 Seiten auch nicht viel länger als ein Splatter-Film.

Wer sich nicht an der recht drastischen Darstellung von Sex und Gewalt stört, bekommt mit dem zwölften Band aus der Festa Extrem-Reihe kurzweiligen und nicht übermäßig anspruchsvollen Lesestoff.

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