A Train Called Love – Band 1

20.03.2017 von Marcus Pohlmann

A Train Called Love - Band 1

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Format: Softcover

Seiten: 136

Preis: 16,99

Erscheinungsdatum: 18.10.2016

Sprache: Deutsch

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Der irische Comic-Autor Garth Ennis hat in seiner Karriere schon einige Genres beackert: Superhelden, Zombies oder auch Torture Porn, um nur ein paar zu nennen. Häufig geht es in seinen Stories, in unterschiedlichen Gewichtungen, um Gewalt, Sex, Alkohol, Drogen, Kraftausdrücke, Religion und kernige Männerfreundschaften. Mit dem ersten Band seiner neuen Kurzserie A Train Called Love erscheint nun eine Geschichte, die von Panini Comics als romantische Komodie angekündigt wird – was mich dann doch ein wenig stutzig werden lässt.

Zu Beginn des Bandes lernt der Leser die bezaubernde Valerie kennen, die eine Schwäche für Clint Eastwood und großkalibrige Feuerwaffen hat. Sie ist grade, mit einem Baseballschläger bewaffnet, auf dem Weg zum perserven Spanner von gegenüber, um diesen davon abzubringen sie weiter zu belästigen. Allerdings kommt sie zu spät, da Myles, ein britischer Gentleman mit vollendeten Manieren, den Perversen im Auftrag des örtlichen Gangsterbosses, Mister Monsta, erschossen hat. Für Valerie und Myles ist diese Begegnung der Beginn einer stürmischen Romanze und sie fallen noch an Ort und Stelle übereinander her. Unterbrochen wird diese traute Zweisamkeit leider durch die Gebrüder Schmitt, ebenfalls Handlanger von Mister Monsta, und geschickt um die Exekution zu überwachen. Nachdem zuerst nur Anschuldigungen durch den Raum fliegen folgen schon bald Kugeln und Emil Schmitt bleibt auf der Strecke.
In den folgenden Kapiteln werden dem Leser noch eine Vielzahl weiterer Charaktere vorgestellt, die in irgendeiner Form in Verbindung zueinander stehen. Da gibt es beispielsweise Penny, die in einer Bar arbeitet und nebenbei Lieder über ihre beste Freundin (und heimlichen Schwarm) Marcy schreibt. Marcy ist wiederum die Schwester von Valerie und mit Verkäufer Marv in einer Beziehung – die aber derzeit auf Eis liegt, da sie ihn beim Konsum von Tier-Pornos erwischt hat. Dabei belasten Marv eigentlich ganz andere Probleme, hat er doch mit seinen Kumpels Chip, Jev und Mike, eher zufällig, dem FBI fünfzig Kilo Heroin gestohlen. Diese wollen sie nun an Mister Monsta verkaufen, der sich einen Spaß daraus macht, die vier Freunde zu ängstigen. Daneben gibt es noch den angehenden Filmstar Dave, Jevs neue Freundin Beverly (Hauptdarstellerin des bereits erwähnten Pornos), Mikes Nachilfeschülerin Jessica und eine ganze Reihe weiterer skurriler Charaktere.
Nach der Vorstellung der zahlreichen Haupt- und Nebenpersonen sowie der unterschiedlichen Plotlines, endet dieser erste endet mit den Vorbereitungen für den Drogendeal der vier Freunde, während sich Myles und Valerie ihrerseits bereit machen, die Gangsterbande zu zerschlagen.
Abgerundet wird der Band von einer Covergalerie, mit den fünf ursprünglichen Heftcovern der US-amerikanischen Ausgabe, einigen Skizzen, Kurzbiographien von Garth Ennis und Mark Dos Santos, sowie einem Interview mit dem Zeichner.

Die Erzählstruktur der Geschichte erinnert ein wenig an Pulp Fiction mit den ineinander verschachtelten Handlungssträngen und dem guten Dutzend Hauptcharakteren. Nach und nach werden dem Leser die Beziehungen zwischen den Figuren klarer und auch die einzelnen Story-Fragmente fügen sich zu einem zentralen Plot zusammen. Ähnlich wie bei seinem Frühwerk Dicks bringt Garth Ennis darüber hinaus noch eine Vielzahl skurriler Kleinigkeiten unter, beispielsweise den ausgestopften Drogenfahnder in Mister Monstas Haus, Mikes Grillparty oder die Band „Arnold“. Auch auf die schon obligatorischen Gewalt- und Sex-Exzesse sowie den bitterbösen Humor muss der Leser nicht verzichten. Die eigentliche Stärke des Comics liegt für mich jedoch in den Charakterzeichnungen: Praktisch jede Figur ist einigermaßen plausibel angelegt und der Leser kann sich problemlos in ihre die Lage hineinversetzen. Bezeichnend ist, dass der Auftragskiller Myles dabei noch der sympathischste der Charaktere ist.
Die knallbunten, fröhlichen und recht detaillierten Zeichnungen von Mark Dos Santos stehen in direktem Kontrast zu der blutigen Story. Grade diese Mischung funktioniert, zumindest für mich, erstaunlich gut und unterstreicht den humoristischen Aspekt von „Liebe in Zeiten des Wahnsinns“, so der Untertitel des Comics.

A Train Called Love ist jetzt nicht unbedingt, wie vom Verlag angekündigt, eine romantische Komödie – aber witzig, sehr böse und durchweg unterhaltsam.

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