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Autor Thema: Diskussionen über das Tagesgeschehen  (Gelesen 7571 mal)
Julia
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« am: 04 Juni 2009, 17:23:02 »

Wie wäre es denn, wenn wir uns immer mal wieder ein bissel über aktuelle Themen unterhalten würden? Wäre sicherlich interessant.

Als erstes ist mir heute morgen die Schlagzeile "Hausbesuche bei Hartz-IV-Empfängern" ins Auge gefallen.
In dem Artikel stand, das diese "Besucher" die Nachbarn befragen dürfen, auch die Kinder von denen, solange die Erziehungsberchtigten das erlauben, sie dürfen die Schränke der Hartz IV-Empfänger durchsuchen, soweit die das erlauben (was geschieht, wenn sie es nicht erlauben stand nicht dabei, aber man kann es sich ja ungefähr denken) und natürlich die Fälle prüfen.
Ich frage mich nun, wann ist man denn solch ein Fall? Und, kann das ihr ernst sein?
Das es schwarze Schafe gibt ist klar, die gibt es überall. Während Steuerhinterziehung bei den Vielverdienern Gang und Gäbe ist und das ja teilweise von der Politik sogar noch unterstützt wird (wenn man mal die Aussagen einiger Parteien anguckt), ist den kleinen Leuten schummeln untersagt. Ich will damit nicht sagen, das ich das toll finde und einfach so stehen lassen möchte, aber ist das nötig, vor allem jetzt?
Wer finanziert diese "Besucher" denn? Genau, wir, die Steuerzahler. Das ist das Eine und das Andere ist, dass solche Methoden für mich einfach eine ganz böse Bespitzelung sind.

Dazu gibt es auch ein nettes Interview, das im Grunde alles Wichtige dazu wiedergibt, wie ich finde:
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/418/470962/text/
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« Antworten #1 am: 04 Juni 2009, 17:33:12 »

Auch wenn es gleich Kritik hagelt, aber: ich find das gut!
Ich kenne inzwischen einige Fälle, wo das echt nur ausgenutzt wird. Gleichzeitig seh ich am Bahnhof sehr oft ältere Leute, die wirklich ARM sind (und damit meine ich keine Penner). Wie kann das sein, dass die, die es echt nötig haben zu wenig kriegen und die, die es ausnutzen mehr bzw. mindestens das gleiche bekommen und sich das dann noch durch Schwarzarbeit etc aufbessern?!

Bei dem Thema könnt ich echt...  devilgrin


Ich erinnere mich nur an einen Arztbesuch, wo ein älterer sehr arm aussehender Mann bei der Sprechstundenhilfe darum gebettelt hat die 10 Euro später bezahlen zu dürfen.

Und ja, es muss deutlich stärker kontrolliert werden, wer es ausnutzt und wer es wirklich nötig hat!
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"Schon immer wollten Menschen der Erde entfliehen: Erfinder,
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Julia
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« Antworten #2 am: 04 Juni 2009, 17:41:02 »

Nur weil du keinen Job findest, bist du noch lange kein potientieller Verbrecher.
Das ist der erste Punkt.
Öffentlich werden jedoch alle Arbeitslosen als Verbrecher dargestellt.
Der zweite Punkt ist der, das nirgendwo gesagt wird, wie sich solche Fälle darstellen.
Nehmen wir ein ganz banales Beispiel. Wenn du Bafög bekommst, darfst du pro Monat keine 400 Euro verdienen, weil du sonst über den Regelbetrag kommst, den du verdienen darfst.
Also arbeitest du natürlich weniger, ist doch eigentlich ganz klar. Wenn dir jetzt dein Chef sagt, hey du, wir regeln das. Offiziell verdienst du pro Monat nur deine 300 Euro bei mir und die restlichen hundert bekommst du unter der Hand, sagst du dann ehrlich nein?
Das ist jetzt ein recht hartes Beispiel. Sag einfach, die Nachbarin einer Hartz IV. Empfängerin sagt: hey ich weiß wie es ist, arbeitslos zu sein und jeden Cent dreimal umzudrehen. Wie wäre es, du machst meine Kehrwoche und ich zahl dir dafür im Monat 15 Euro?"
Kann mehr oder weniger sein, wie auch immer. Es ist Geld, das die Person verdient und angeben müsste. Aber ganz ehrlich, gibt man das an?
Solche Fälle sind aber sicherlich auch schon "Fälle" und es gibt bestimmt jemand im Haus, dem das aufgefallen ist und das den "Besuchern" sagen würde.


Und was, wenn du tatsächlich nie etwas getan- und alles immer brav angegeben hast? Was, wenn dann tatsächlich mal jemand vor deiner Tür steht und sagt "ich will Ihre Schränle durchsuchen und dann befragen wir mal die Nachbarn".
Was, wenn deine Nachbarin dich nicht leiden kann und sagt "jaaaa, die macht da schon so Geschäfte?"
« Letzte Änderung: 04 Juni 2009, 17:43:34 von Julia » Gespeichert

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« Antworten #3 am: 04 Juni 2009, 17:45:41 »

also die 10-euro arztkosten muss der hartz-4 empfänger nicht bezahlen, einfach zur krankenkasse gehen und sich befreien lassen, klappt wunderbar!
Die älteren Leute bekommen auch gar kein Hartz-4 sondern Grundsicherung, andere Stelle, anderes verfahren es zu berechnen.

Was mich ankotzt ist, dass immer wieder Kinderarmut mit Hartz-4 in Verbindung gebracht wird. Eben weil die asozialen Eltern sich lieber von dem Geld genug alkohol fürs Wochenende kaufen statt die Kinder mal richtig einzukleiden.
Von dem Geld kann man wirklich gut leben, besonders, wenn man verantwortungsvoll damit umgeht. Die Leute, die beim Arzt wegen den 10 euro in drei Monaten betteln machen eine Menge falsch! Wenn sie alkoholiker sind und drei schachteln am Tag rauchen kann cih das nachvollziehen, ältere Menschen hingegen, die nicht mehr rauchen (sollten) nicht trinken und hartz vier bekommen und dabei arm aussehen haben dann an derer Stelle gewaltige Probleme und verprassen das Geld anderer Stelle.

Mich würde das mehr als ankotzen. Wie einen Verbrecher wollen sie die armen leute behandeln, die einfach nur pech haben, besonders jetzt durch die wirtschaftskrise keinen Job bekommen.. nene...
Schlimm genug, dass man bei der ARGE schon bnetteln muss, wenn man umziehen möchte (aus welchen Gründen auch immer) und sogar Urlaub beantragen muss, wenn man für eine Woche weg möchte (mehr als drei Wochen im Jahr werden nicht gewährt) und jetzt wollen die auch noch Hausbesuche machen um zu sehen, was ich im Schrank habe? Nicht mal mein Vermieter darf einfach so in meine Wohnung rein und ohne gerichtlichen Beschluss geht da mal gar nix!

Man man bin ich froh kein Hartz-4 Empfänger zu sein.
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Julia
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« Antworten #4 am: 04 Juni 2009, 17:47:25 »

Naja du musst es schon erlauben, das die reinkommen und in deine Schränke gucken, soweit ich das gelesen habe.
Aber ich wette, die können irgendwas machen, wenn man das denen verweigert.
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« Antworten #5 am: 04 Juni 2009, 17:54:46 »

Gegen solche Kleinbeträge sag ich gar nichts. Es geht eher um die Leute, die arbeitsfähig sind und sogar Arbeit bekommen könnten, aber dann keine Lust haben wegen den paar Euro mehr früh aufzustehen. Ok, kann ich vielleicht auch verstehen, aber trotzdem sollte solchen Personen ein Riegel vorgeschoben werden.

Ich bin täglich etwa 4 Stunden im Zug unterwegs und hör da so einige Geschichten. Da rechnen einige Jugendliche von Anfang an damit, dass sich ja Harz4 mehr lohnt. Letztens hat einer telefoniert und aus dem Telefongespräch ging hervor, dass der Anrufer die Ausbildung geschmissen hat, weil Harz4 auch reicht und er jetzt hofft, dass er auch eine eigene Wohnung kriegt und das bezahlt wird. Was bringt denn in solchen Fällen die 3-Monats-Sperre? Nicht besonders viel.

Dieses Nachbar-Befragen find ich auch nicht gut. Aber oftmals sieht man, ob sich jemand da nebenher einiges dazu verdient oder nicht. Ich kenne einen, der hat sich trotz Harz4 einen riesen Plasa-TV gekauft und dazu eine richtig fette Stereo-Anlage.  Von Harz4 kommt das sicherlich nicht.
 
Und in solchen Fällen ist dieses Schränke durchsuchen erst gar nicht nötig.

Zu den 10 Euro: es ging anscheinend nicht um die Praxisgebühr, sondern irgendetwas anderes, was seine Frau erhalten hat.

Meine Oma war letztens bei der Post und da hat ihr eine Frau erzählt, dass sie nach jahrelanger Arbeit knapp über 400 Euro Rente bekommt.  Undecided

Und zum Thema Kinder: Mein Sowi-Lehrer meinte mal: "Es haben die falschen Leute zu viele Kinder."
Und das stimmt auch. Gebildete, erfolgreiche und finanzell gut gestellte haben oft nur 1 Kind. Während arme und vor allem Harz4 -Empfänger dadurch auffallen, dass sie sehr viele Kinder haben. Ich weiß ja nicht... Wenn ich weiß, dass ich wenig Geld hab, dann hab ich doch nicht noch mehr Kinder? Das geht mir nicht in den Kopf, vor allem, weil das dann die Kinder ausbaden müssen.


Edit: Und in solchen Zeiten finde ich es SEHR falsch, dass Merkel persönlich Leute einbürgert und Werbung dafür macht, wo es nicht mal mit den Leuten, die momentan hier sind, klappt.
« Letzte Änderung: 04 Juni 2009, 17:59:25 von Noelle » Gespeichert

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« Antworten #6 am: 04 Juni 2009, 20:43:38 »

Also gegen Einbürgerung möchte ich gar nichts sagen, ich bin auch dafür, dass das passiert, sie müssen ja auch Kriterien erfüllen und viele sind so oder so hier, ohne eingebürgert zu sein, wie ich beispielsweise.

Plasma-TV und Stereo-Anlage klappt wunderbar, schließlich kannst du dir monatlich noch 100 Euro hinzuverdienen und durch 1-euro-Jobs hast du auch nochmal ~250 Euro zusätzlich im Monat. Mach das mal die 10 Monate, von 2500 Euro Extra geht ein Plasma locker!

Ein Hartz-4 Empfänger bekommt 351 Euro plus Miete, von diesen 351 Euro muss er also nur seine Rechnungen wie Telefon/Internet und Essen bezahlen. Für eine Person sind das vielleicht 200 Euro im Monat (ja, das geht!) 150 Euro lassen sich monatlich wunderbar zurücklegen. Ach ja, und Ratenzahlung gibts dann ja auch noch.

Und tatsächlich, Hartz-4 Ist teilwesie besser als Job, was das geld angeht. ich musste mir nun auch überlegen, ob ich die 40-Stunden vollzeitstelle annehme, 20 Stunden die Woche unbezahlte Überstunden in Kauf nehme (die sind alle zwei Wochen sicher, die anderen zwei Wochen im Monat sind vielleicht nur 10) oder auf Hartz-4 bleibe. Geldlich würde es genauso aussehen, schlimmer noch, ich hab sogar nich anspruch auf ca. 20 Euro monatlich Zuzahlung von der Stütze, die ich aber wohl nicht in Anspruch nehmen werde. (Ich hab den Job natürlich angenommen) Dadurch weiß ich aber auch, dass meine Tochter darunter leiden wird, weil ich nun verdammt wenig zeit für sie haben werde und auf mich zustätzliche Kosten zukommen werden, weil ich ja nun die Betreuungskosten mittragen darf, was monatlich nochmal einiges sein wird. Geldlich gesehen und auch familiär wäre es besser, wenn ich nicht arbeiten würde, aber ich will ja was tun. (und ich werde verdammt gut bezahlt, in anderen Agenturen wird für die Position ein Praktikan genommen, der nix bekommt)

Ausbildung abbrechen, auf hartz-4 gehen und hoffen, dass die dann auch noch wohnung genehmigen und er/sie umziehen kann, ist nicht möglich. Unter 25 Jahren erlaubt die Arge den Auszug aus dem Elternhaus nicht. Ganz so einfach haben er die Hartz-4ler auch nicht. Sie müssen Jobs annehmen, wenn sie auf die Person zugeschnitten sind, tun sie es nicht, gibt es Kürzung. 3-Monats Sperre ist übrigens Arbeitlosengeld, nicht Hartz-4. Wer drei Monate gesperrt wird muss zur ARGE rennen, um überleben zu können. Die ARGE selbst kürzt nur 10-30% der Regelleistung, was aber bei den 351 Euro halt schon recht viel werden kann, die man nur zum Leben hat. (für eine Person versteht sich)

Sicherlich haben die falschen leute zu viele Kinder, aber auch da wird was getan. Meine Asi-Nachbarn haben 5(!) Kinder, von denen vier im Heim Leben (warum auch immer das jüngste da bleiben kann verstehe ich auch nicht) die Mutter musste sich sterilisieren lassen um nicht noch mehr Schaden anzurichten. Arme Leute könnens ich eben keine Verhütung leisten, dass man die Pille mittlerweile umsonst bekommt, wenn man Hartz-4 erhält wissen nur sehr wenige. Asoziale Menschen machen sich halt um ihr soziales Umfeld keine Gedanken und sind egoistisch. Deshalb aber alle anderen zu bestrafen finde ich nicht richtig.

Was da steht ist übrigens eine Sache, noch ist das Gesetz nicht durch und daher brauche ich ohne gerichtlichen Beschluss niemanden herein lassen.
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« Antworten #7 am: 04 Juni 2009, 20:49:14 »


Ausbildung abbrechen, auf hartz-4 gehen und hoffen, dass die dann auch noch wohnung genehmigen und er/sie umziehen kann, ist nicht möglich. Unter 25 Jahren erlaubt die Arge den Auszug aus dem Elternhaus nicht.

Ich weiß, aber dass solche Gedanken aufkommen ist schon bedenklich.
Um es mal mit den Worten einer Bekannten aus Russland zu sagen: "Ich bleibe immer in Deutschland. Wo gibt es sonst so viel Geld ohne, dass man etwas tun muss?"
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« Antworten #8 am: 04 Juni 2009, 21:09:54 »

Missbrauch von Sozialleistungen wird es immer geben, egal wieviel man kontrolliert. Durch Kontrolle kann man Missbrauch natürlich bekämpfen, aber dabei darf nicht die Würde der Betroffenen verletzt werden. Ich finde aber, das grundsätzliche Problem liegt woanders.

Wir tun nämlich so, als ob es - grundsätzlich und langfristig gesprochen -  genug Arbeitsplätze für alle gäbe. Tut es aber nicht. Eine Lösung für dieses Dilemma ist mE ein Idee die verschiedentlich als Bürgergehalt, bedingungsloses Grundeinkommen u.ä. in der Diskussion war. Vielleicht kennt das jemand von euch? Die Idee ist, dass jeder und jede einen bestimmten Betrag monatlich bekommt, der einigermaßen das Auskommen sichert, dafür fallen aber alle anderen Sozialleistungen weg. Wenn man möchte, kann man natürlich auch noch arbeiten und mehr Geld verdienen, darauf muss dann ein bestimmter einheitlicher Steuersatz gezahlt werden (es gibt auch andere Varianten des Vorschlags). Dadurch fällt ziemlich viel Bürokratie weg, das spart dem Staat Geld.

Außerdem können sich Leute, die keine Lohnarbeit leisten, aber trotzdem etwas Gutes für die Gesellschaft tun (kranke oder alte Verwandte pflegen, ehrenamtlich arbeiten, ...) sich dem widmen - ohne immer ein schlechtes Gewissen eingeredet zu bekommen, dass sie eigentlich nix für die Gesellschaft leisten. Manche meinen, dass dann keiner mehr arbeiten wöllte - Umfragen zeigen aber etwas anderes, denn den meisten Menschen wollen schon etwas mehr Geld als nur 600 Euro im Monat (oder wieviel auch immer die Pauschale sein soll) und für die meisten ist Arbeit ja auch nicht nur Pflicht, sondern zumindest teilweise auch Selbstverwirklichung. Ob dann aber viele Leute noch für 4 Euro die Stunde frisieren oder putzen würden ist allerdings fraglich und dass z.B. im Friseurgewerbe so schlechte Löhne gezahlt werden, finde ich wirklich schockierend.
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Julia
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« Antworten #9 am: 04 Juni 2009, 21:34:45 »

ja, Stefan hat mir auch schon davon erzählt und gemeint, dass das eine recht gute Alternative wäre, weil man dann wirklich einen Anreiz hat arbeiten zu gehen, weil man sich Luxus leisten möchte.
Ich bin mir nur nicht ganz sicher, ob das durchfürhbar wäre. Es hört sich aber gar nicht mal so schlecht an finde ich.
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« Antworten #10 am: 04 Juni 2009, 21:50:30 »

Bürgergehalt oder ähnliches ist in der Theorie super, aber ich bezweifle die Durchführbarkeit. Sicher, jetzt sagen sie alle, sie würden arbeiten. Theoretisch. Wenn es soweit kommen würde, dann will auf einmal keiner mehr Müllkutscher sein.

Zum Hartz 4 Kontrolldienst kann ich nur den Kopf schütteln. Sicher reg ich mich auf über Sozialschmarotzer, ich finde es unerhört, wie manche mit dem Geld umgehen, das andere Leute für sie schwer verdienen. Ich erzähle da gerne immer von dem Leserbrief, den ich mal in der Zeitung gefunden habe. Da beschwerte sich ein Hartz 4 Empfänger über diesen Professor, der den Betrag radikal kürzen wollte. Allerdings argumentierte er mit den Kosten von Bier in der Kneipe und Restaurantessen jeden Sonntag für die ganze Familie. Das kanns ja nicht sein, Essen gehen ist Luxus und kein Grundbedürfnis.
Jetzt aber Stasi spielen, die Nachbarn befragen und in Schränken wühlen finde ich unerhört. Vor allem frag ich mich, was das bringen soll. Wenn ich weiß, dass das passieren wird, versteck ich meinen Sparstrumpf bei Freunden, ein bereits gekaufter Plasma wird wohl auch nicht gepfändet werden, das kann ja auch angespart sein oder ein Geschenk. Was soll es also bringen? Schaffung von Arbeitsplätzen? Und die werden wie finanziert? Durch eingesackte Computer bei ner Hartz 4 Familie? Das ist doch nur Wahlkampfgewäsch.
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« Antworten #11 am: 04 Juni 2009, 23:13:26 »

BGE ist letztlich kaum durchführbar, zumindest nicht als Radikalreform. Aber es ist ein interessanter Ansatz, bestimmte Sozialleistungen nicht an Bedingungen zu knüpfen.
Von dieser Hartz-IV-Hetze halte ich gar nichts. Klar gibt es schwarze Schafe, die gibt es überall und wird es immer geben. Aber die Verallgemeinerung, die hier in einigen Beiträgen wieder zu sehen ist, ist daneben. Wenn ein System so gebaut ist, dass es beschissen werden will, dann wird es beschissen. Das ist völlig klar. Hartz-IV ist ein einziger Konstruktionsfehler. Warum gibt es da zehntausend Sonderbedingungen? Warum kann ich nicht nebenher arbeiten, wenn ich Arbeit finde? Warum wird irgendwelcher totaler Unfug kontrolliert? Von dem Geld, dass dieser ganze Quatsch kostet, könnte man viel vernünftigere Dinge tun. Welchen Sinn hat es, nur soundsoviele Quadratmeter-Wohnungen zuzulassen? Welchen Sinn hat es, die Miete und andere Kosten durch das Amt bezahlen zu lassen anstatt einfach den ganzen Betrag auszugeben und den Bürger so zu entmündigen? Welchen Sinn hat es, in einer Zeit, in der es einfach keine Jobs GIBT, Leute zu zwingen, welche anzunehmen? Es gibt Jobs, die scheiße sind. Müllabfuhr gehört bestimmt dazu, und noch ein ganzer Haufen mehr. Wenn niemand diese Jobs machen will, ist das nur verständlich, denn sie sind dazu noch beschissen bezahlt. Anstatt nun aber die Jobs vernünftig zu bezahlen, werden Leute gewungen, sie zu machen. Klar dass die das nicht gerne tun. Klar dass die keinen Finger rühren, irgendwas konstruktives zu einem System beizutragen, das ihnen konstant in den Arsch tritt. Mir ist klar, dass andere Leute das anders sehen. Ich bin auch kein Betroffener. Aber solcher Bullshit wie dieser ist nicht zu ertragen. Die Missbrauchsquote bei Hartz-IV ist bei gerade mal 2%. Wenn die FDP ihre Mitglieder überreden würde, einen Monat auf Steuerhinterziehung zu verzichten, würden wir diese 2% ein ganzes Jahr durchfüttern können.
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« Antworten #12 am: 04 Juni 2009, 23:59:45 »

Wo hast du die 2% her? Bzw. auf was für einen Missbrauch beziehen die sich?

Der Sinn, Miete durch das Amt bezahlen zu lassen, ist schon gegeben. Überweist du einem Hartz 4 Empfänger die Miete auf sein Konto könnte es sein, dass die Miete nicht beim Vermieter ankommt. Keine Verallgemeinerung, lass das nur bei einem von hundert so sein. Auch nicht mit böser Absicht, da hat jemand nen hohen Dispo und die Bank überweist einfach nicht mehr. Aber der Vermieter bekommt sein Geld nicht, wirft irgendwann den Menschen raus und vermietet nie wieder an Hartz 4 Empfänger. Damit hast du möglicherweise einen Obdachlosen mehr, viel schlimmer aber, Hartz 4 Empfänger haben es zukünftig weitaus schwerer, eine Wohnung zu bekommen.

Ähnlich kannst du es auch bei anderen Dingen sehen. Ich habe zu Schulzeiten bei Woolworth gejobbt. Wir nahmen auch Sozialkaufscheine an, die bekamen damals Leute, die sonst am Anfang des Monats ihr Geld schon verjubelt hatten und dann den Rest des Monats nichts mehr hatten. Damit durftest du bei bestimmten Geschäften alles kaufen, Kleidung, Essen, Spielzeug, Fernseher, aber kein Alkohol und keine Zigaretten. Trotzdem standen da so gut wie jeden Tag Leute vor mir, auch Mütter und Väter mit Kindern, und wollten mich bestechen, dass ich ihnen stangenweise Zigaretten verkaufe.

Nein, man sollte Menschen nicht entmündigen, aber wie immer gibt es so 'ne und solche. Die, die ehrlich sind und unberechtigt Steine in den Weg gelegt bekommen und die, die durch die Steine vor sich selbst geschützt werden. Ich befürworte den Sozialstaat, nicht das jetzige System, das wirklich nicht gut läuft. Aber trotzdem ärgere ich mich über diejenigen, die Lücken in JEDEM System finden werden und diese ausnutzen. Weil sie es damit den Ehrlichen schwerer machen, als sie es verdienen.

Ach so, Müllabfuhr ist (oder war, vielleicht hat sich das geändert) öffentlicher Dienst und somit gar nicht so schlecht bezahlt. Zu recht. Ich weiß, war nur ein Beispiel, ist mir nur grade eingefallen.
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« Antworten #13 am: 05 Juni 2009, 10:27:02 »

Warum gibt es da zehntausend Sonderbedingungen?
Welche Sonderbedingungen? Alle werden gleich behandelt, alle bekommen das selbe und jegliche Einkünfte werden überall gleichermaßen angerechnet.

Zitat
Warum kann ich nicht nebenher arbeiten, wenn ich Arbeit finde?
Die ARGE freut sich doch, wenn du was dazuverdienst. Als dankeschön lassen sie dich in Ruhe, verlangen von dir nicht weiter 5 Bewerbungen jeden Monat und geben dir zig Freibeträge. Die haben sicher einiges im Sinn, aber sicherlich nicht dich daran zu hindern zu arbeiten!

Zitat
Welchen Sinn hat es, nur soundsoviele Quadratmeter-Wohnungen zuzulassen? Welchen Sinn hat es, die Miete und andere Kosten durch das Amt bezahlen zu lassen anstatt einfach den ganzen Betrag auszugeben und den Bürger so zu entmündigen?
Was will ein alleinstehender Mensch in einer 70qm Wohnung die Warm 600 Euro kostet? Das ist Gelderverschwendung! Irgendwo muss ein Strich gezogen werden, daher sind die Vorgaben auch von Stadt zu Stadt unterschiedlich, weil sie sich immer auf den Mietspiegel beziehen. Die ARGE verbietet keine Umzüge oder größere WOhnungen, sie sagen aber von Anfang an, dass sie halt eben nicht mehr als den Regelsatz zahlen werden. Wohnt also eine Person in einer 30qm wohnung für 300 Euro warm und möchte umziehen in eine 70qm wohnung für 600 Euro warm, dann darf diese Person halt eben zusehen, wo sie die 300 Euro extra herbekommt. Vin meinem Arbeitgeber bekomme ich auch kein Zusätzliches Geld nur weil ich mal eben umziehen möchte und die Miete teurer wird.
Die ARGE überwiest übrigens den ganzen Betrag, nur nicht an Leute die Schufa-Einträge haben. Ich habe immer den vollen Betrag erhalten.

Zitat
Welchen Sinn hat es, in einer Zeit, in der es einfach keine Jobs GIBT, Leute zu zwingen, welche anzunehmen?
Geiler Widerspruch. Wenn es keine gibt, kann man auch niemanden zwingen welche anzunehmen, wie denn auch? Und wenn man sich die Stellenbörsen ansieht, dann sieht man, dass es gaaaaanz viele Jobs gibt.
Gezwungen wir übrigens niemand, Kürzungen gibt es nur durch selbstverschulden wie Kündigung (kündigen, nicht gekündoigt werden) oder durch Fehlverhalten (Diebstahl am Arbeitsplatz oder ähnliches).

Zitat
Es gibt Jobs, die scheiße sind. Müllabfuhr gehört bestimmt dazu, und noch ein ganzer Haufen mehr. Wenn niemand diese Jobs machen will, ist das nur verständlich, denn sie sind dazu noch beschissen bezahlt. Anstatt nun aber die Jobs vernünftig zu bezahlen, werden Leute gewungen, sie zu machen. Klar dass die das nicht gerne tun. Klar dass die keinen Finger rühren, irgendwas konstruktives zu einem System beizutragen, das ihnen konstant in den Arsch tritt.
Beschissene Jobs nicht annehmen, nur weil sie schlecht bezahlt sind? Also ich weiß ja nicht, wie du deine Ansicht über Hartz-4 begründest, aber ich kann dir erklären, wie ich das sehe: Die ARGE fungiert als Arbeitgeber, bezahlt dich dafür, dass du abrufbereit bist und du bekommst für fast nix tun genug Geld um zu überleben und wenn du vernünftig damit umgehst auch für den ein oder anderen Luxus. Dafür möchten si ehalt eben, dass du Urlaub beantragst, wie bei einem normalen Arbeitgeber eben auch und etwas für dein Geld tust, schulungen besuchst, wenn du dich erklärt hast die zu machen und dich an die Auflagen halten, die du unterschreibst (wie arbeitsvertrag, so und soviele Bewerbungen monatlich schreiben etc.)
Für die Müllabfuhr wird niemand gezwungen, du wirst gefragt, was du machen möchtest und dein PAP versucht dich zu vermitteln. Wenn du angibst Müllabfurh, dann versucht er dich da unter zu bekommen. (sicherlich gibts auch schwarze Schafe bei der ARGE, aber viele machen ihren Job doch recht vernünftig) Hinterher zu sagen "ne, der Job ist scheiße, will ich nicht" ist dann natürlich kacke, auch für den PAP, der sich bemüht hat.
Reicht das verdiente Geld nicht aus zum Überleben, zahlt die ARGE noch dazu, aber nicht nur, für den Minimum, sondern mit Aufwandsentschädigung. Die ARGE zieht dir nicht 100% vom Lohn ab (bzw rechnen sie nicht an) sondern bei den ersten 100 euro nix, bis 800 euro 20% und ab 800 EUro 10%. Bist du also alleinstehend und erhälst stütze von der ARGE und hast ne WOhnung, die 300 Euro warm kostet und hast keine weiteren Einnahmequellen erhälst du 651 Euro monatlich zum Leben für alles.
Nun nimmst du einen Job an, in dem du 800 Euro verdienst sind die ersten 100 Euro frei, bleiben 700 über, von den 700 Euro sind 140 Euro frei (20%) bleiben 560 euro über. Diese werden nun mit den 651 gegengerechnet, bleibt eine differenz von 101 Euro, auf die du weiterhin anspruch hast, demnach hättest du 901 Euro zum leben, gute 250 Euro monatlich extra, aber selbige Lebensbedingungen (also miete gleich, andere Rechnungen gleich)
Sicherlich, klingt alles doof mit nur 800 euro verdienen (zwei 400 euro jobs bsp.), richtig rechnen tut sich das auch erst für Familien. Er geht arbeiten, sie ist mit Kind zu Hause (z.b.) Die Grundbeträge erhöhen sich natürlich und er erhält halt nicht 800 euro sondern sagen wir mal 1400. anspruch hätte diese Familie auf 351 + 208 + 311 Euro + sagen wir mal 500 Euro Miete. Macht zusammen 1370 Euro. Freibeträge wären 300 Euro ca, demnach würden nur 1100 Euro angerechnet werden und Kindergeld muss noch rauf, macht 1264, sie würden also noch eine Zuzahlung von 107 Euro erhalten und demnach 1407 Euro monatlich haben. Theoretisch kann man in diesem Fall mal eben Kinderzuschlag beantragen und Wohngeld, die Familie wäre aus der ARGE raus und hätte trotz scheiß job mit beschissener Bezahlung (wie du es nennst) genug um ein schönes normales Leben zu führer mit zwei mal im Monat essen gehen, weil das Geld ausreicht.

Die Bafög-Empfänger müssen mit weit weniger auskommen. Ich frag mich heute noch, wie ich das damals geschafft habe mit 360 Euro für die Wohnung und nur 492 Euro Bafög + Kindergeld (und wir waren zu zweit!)


Ach ja, und ganz wichtig, Müllabfuhr ist fast überall privatisiert, also nix mehr mit öffentlicher Dienst.
In Deutschland haben wir es noch verdammt gut, schaut mal nach Amerika rüber, wo Leute drei Jobs haben und im Auto schlafen müssen, weil sie sich davon kein Dach überm Kopf leisten können. Sicherlich hat Hartz-4 ihre Schwächen, aber auch ihre Stärken. Es gibt überal VOr und nachteile, auch bei perfekten Konstruktionen.


Edit: Da fällt mir noch was tolles ein: Ich erinner emich an eine Familie, die sich darüber beschwert hat, dass der Staat ihnen was abzieht, wenn sie arbeiten gehen. Die ziehen nix ab, sie zahlen halt nur weniger dazu. In keinem staat der Welt bekommt man einfach so für nix Geld zum Leben. Das waren Zigeuner, die sind bisher immer nur umhergezogen und haben in Wohnwagen gelebt und beschweren sich dann auch noch über sachen, die gar nicht stimmen...
« Letzte Änderung: 05 Juni 2009, 10:32:04 von Joanna » Gespeichert
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« Antworten #14 am: 05 Juni 2009, 10:42:27 »

Ich brauche gar nichts mehr schreiben, ich kann Joanna uneingeschränkt zustimmen.
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