Hyphistos
Gast
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« am: 08 Januar 2006, 11:00:58 » |
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Stundenlang sitze ich schon hier, zum Fortgehen angezogen, versteht sich. Doch keine Antwort kommt von ihr, kein „Entschuldige, ich verspät’ mich“.
Klar, ich hätte sie anrufen können, sicherlich, hätte nachfragen können, ob sie fix mit mir ins Kino fährt. Aber warum ihr nachrennen, warum immer ich? Ist es zuviel verlangt, dass man sich um mich schert?
An dieser Stelle muss ich noch etwas beichten, und zwar ein pikantes Detail über mich. Mein Charakter gehört bestimmt nicht zu den seichten, doch leider bin ich schüchtern, ganz fürchterlich.
Diese Tatsache und noch einige mehr, lassen Frauen nicht gerade meine Tür einlaufen. Deshalb schmerzt es mich besonders sehr, wenn sie mich dann auch noch für dumm verkaufen.
So warte ich also, wie bestellt und nicht abgeholt, eigentlich ist es schon viel zu spät, habe meiner eigenen Feigheit Tribut gezollt, als plötzlich doch noch mein Handy losgeht.
„Es tut mir leid,“ schreibt sie in einer SMS, „es ging heut’ leider nicht,“ „ich war bei meiner Oma, Weihnachtsfest.“ Enttäuschung in meinem Gesicht.
Nicht wissend, was ich nun mit mir anfangen soll, trete ich raus auf den Balkon. Ich zünde mir eine Kippe an und in meinem Groll blase ich den Rauch davon.
Bei jedem Zug knistert der Tabak. Oh diese Einsamkeit, gleich meiner Seele will ich den Rauch aushauchen. Eigentlich bin ich viel zu leicht gekleidet für diese Jahreszeit. Aber es stört mich nicht, ich liebe es zitternd zu rauchen.
Gut, ich bin ein zynischer Mensch, wie ich zugeben muss, und auch positives Denken gehört nicht zu meinem Repertoire, aber man entwickelt einfach diesen Schutzmechanismus, wenn man, so wie ich, schon allzu oft vom Leben enttäuscht war.
Ich dämpfe die Zigarette aus und gehe wieder in mein Zimmer, blicke mich orientierungslos um. Was wollte ich denn nun eigentlich tun? Hab’ keinen Schimmer... Herrgott, bin ich dumm!
Es wird also endgültig nichts daraus, darum beschließe ich das Naheliegenste zu tun: Geistesabwesend ziehe ich mich aus, während meine Augen auf meinem Spiegelbild ruh’n.
Verdammt, sehe ich gut aus! Richtig gut... Ok, nicht perfekt, aber wer tut das schon? Nur schade, dass das nichts zur Sache tut, ich laufe ja trotzdem ständig davon.
Lediglich in Boxer-Shorts stehe ich so da, mein Blick ertastet von meinem Körper jede Ecke. Ich streiche über mein strichartiges Bauchhaar, als ich einen Fussel in meinem Nabel entdecke.
Ich gebe zu, es klingt vielleicht etwas amüsant, aber als ich den Fussel aus meinem Nabel entferne, da wünsche ich mir es wäre ihre Hand, und sehne mich nach körperlicher Wärme.
Wenig später, bereits umgezogen, wage ich es, die Stufen hinunterzugehen. Alle möglichen Antworten abgewogen, lasse ich mich bei meiner Mutter sehen.
Ich bin auf die Frage, die sich anbieten würde, gespannt, „Na, gehst heute doch ned fort?“ - Ich bin entsetzt: Sie spricht sie nicht aus, denn die Antwort ist schon allzu bekannt: „Nein leider ned, ich wurde wieder mal versetzt.“
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